15.000 Commerzbank-Jobs in Gefahr – „Müssen an einem Strang ziehen, sonst wird diese Bank nicht überleben“
VonErik Scharf
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Übernimmt die Unicredit die Commerzbank, stehen Tausende Jobs in Frankfurt auf der Kippe. Der scheidende Betriebsratsvorsitzende appelliert an den Konzern.
Frankfurt – Das große Zittern bei der Commerzbank wird auch zwischen den Jahren nicht weniger. Die Unicredit zeigt weiterhin Interesse an der Commerzbank und hat nun etwa 28 Prozent der Anteile des Frankfurter Dax-Konzerns erworben. In Frankfurt selbst zittern die Angestellten um ihre Jobs.
Bundesregierung will Commerzbank-Übernahme nicht abwehren
Der scheidende Betriebsratsvorsitzende Uwe Tschäge spricht in einem Interview mit dem Handelsblatt von zwei Drittel der Stellen, die in Gefahr seien. „Es droht also der Abbau von gut 15.000 Arbeitsplätzen“, sagt Tschäge. Mit Bundeskanzler Olaf Scholz habe er bereits das Gespräch gesucht.
Noch vor den Weihnachtstagen kritisierte die Bundesregierung das Vorgehen der Unicredit als „unabgestimmt und mit unfreundlichen Methoden“. Allerdings stellte Regierungssprecher Steffen Hebestreit auch klar: Eine mögliche Übernahme der Commerzbank werde man nicht versuchen abzuwehren. Das sei „Sache der Kapitalmarktakteure“, sagte Hebestreit.
Staatsbeteiligung an der Commerzbank
Der Bund hatte die Commerzbank während der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuergeldern gerettet und ist seitdem Großaktionär der Bank. Derzeit hält der Bund noch etwa zwölf Prozent der Anteile, nachdem ein großes Aktienpaket beim Teilausstieg im September an die Unicredit gewandert war. Der Bund hat beschlossen, vorerst keine weiteren Commerzbank-Aktien zu verkaufen.
Beteiligung von 30 Prozent an der Commerzbank verpflichtet Unicredit zu Kaufangebot
Eine mögliche Übernahme der Commerzbank könnte logischerweise auch ein Wahlkampfthema sein. Die italienische Bank hat zwar versichert, vor den Bundestagswahlen nicht weiter aktiv zu werden – aber die Übernahme weiterzuverfolgen. Unicredit hält direkt 9,5 Prozent der Commerzbank-Anteile, während weitere rund 18,5 Prozent auf Finanzinstrumente entfallen. Die Bank hatte bereits angekündigt, eine Genehmigung für eine Beteiligung von bis zu 29,9 Prozent an der Commerzbank einzuholen.
Der Knackpunkt: Ab einem Anteil von 30 Prozent wäre die Unicredit verpflichtet, den Commerzbank-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zu unterbreiten. Finanziell wäre ein Kauf der Commerzbank für die Unicredit machbar: Mit einem Börsenwert von fast 63 Milliarden Euro ist sie mehr als dreimal so groß wie der Dax-Konzern, der auf rund 18,7 Milliarden Euro kommt.
Das sind die wichtigsten Wolkenkratzer in Frankfurt
Uwe Tschäge: „Wir müssen jetzt an einem Strang ziehen, sonst wird diese Bank nicht überleben“
Die Commerzbank reagierte gelassen auf die Nachrichten aus Mailand. Ein Sprecher der Bank äußerte: „Wir nehmen das zur Kenntnis und konzentrieren uns auf die Weiterentwicklung unserer Strategie, die wir am 13. Februar veröffentlichen werden.“ Das wird Tschäge, der Ende des Jahres auch den Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank freimachen wird, aus dem Ruhestand verfolgen müssen. Sein letzter Appell in den Commerzbank Tower im Frankfurter Bankenviertel: „Wir müssen jetzt an einem Strang ziehen, sonst wird diese Bank nicht überleben.“ (esa)