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Commerzbank – alle Infos zur „führenden Bank für den Mittelstand“

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Die Commerzbank ist Auf und Abs gewöhnt. Gemessen am Umsatz ist sie die viertgrößte Bank in Deutschland. Die wichtigsten Informationen im Überblick.

Frankfurt am Main – Die Commerzbank, eine der größten deutschen Banken, macht seit einigen Jahren Schlagzeilen. Dabei sind die Neuigkeiten rund um das Kreditinstitut nicht immer positiv. Nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank 2019 versäumte es die Geschäftsführung, umgehend eine strategische Neuausrichtung in Angriff zu nehmen. Lang galt die deutsche Traditionsbank in der Finanzindustrie als regelrechter Unruheherd. Umbesetzungen in der Führung sollten Abhilfe schaffen. Mittlerweile ist das Unternehmen sogar zurück im DAX.

UnternehmenCommerzbank
HauptsitzFrankfurt am Main
Gründung26. Februar 1870, Hamburg
RechtsformAktiengesellschaft

Commerzbank: Lange Geschichte einer Traditionsbank

Die heutige Commerzbank AG wurde 1870 in Hamburg gegründet, damals unter dem Namen Commerz- und Disconto-Bank. Das Kreditinstitut ist nicht nur eine der ältesten Banken der Bundesrepublik, sondern auch eine der bedeutendsten. Die Commerzbank unterhält im Privatkundengeschäft internationale Niederlassungen in 50 Ländern und zeichnet verantwortlich für die Abwicklung von rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels. Im Firmenkundengeschäft agiert das Unternehmen immerhin in 40 Ländern.

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt.

Während ihrer langjährigen Geschichte war die Commerzbank immer eine Filialbank, auch wenn sie heute ihren Kunden sämtliche Funktionen des elektronischen Bankings zugänglich macht. Als Direktbanken agieren die Tochterunternehmen mBank und die sehr erfolgreiche comdirect, die seit 2020 in der Commerzbank aufging. Für das Tochterunternehmen onvista hingegen hatte die Commerzbank für spätestens Ende 2025 das Aus angekündigt, wie die WirtschaftsWoche berichtet.

Leistungen und Angebote der Commerzbank – Filialnetz stark ausgedünnt

Das Unternehmen ist eine Vollbank und kann daher ein umfassendes Spektrum von Leistungen anbieten. Das Filialnetz hat sich Ende 2022 jedoch radikal verändert. Von den insgesamt 790 Filialen im Bundesgebiet, reduzierte das Unternehmen die Anzahl auf 340, wie der Tagesspiegel berichtet.

Das Unternehmen selbst betitelt sich als die „führende Bank für den Mittelstand und starker Partner von rund 26.000 Firmenkundenverbünden“. Insgesamt würde die Commerzbank knapp 11 Millionen Privat- und Unternehmerkunden betreuen. Die Kunden genießen die Kombination von elektronischen Dienstleistungen und Filialbetreuung, aber auch das überaus große Portfolio des Kreditinstitutes. Angeboten werden:

  • Girokonten
  • Tagesgeldkonten
  • Festgeldkonten
  • Wertpapierdepots
  • Vermögenswirksame Leistungen
  • ETF- und Fondssparen
  • Risiko-Lebensversicherungen
  • Riester-Rente
  • Finanzierungslösungen

Beim Wertpapierhandel kann die Commerzbank mit einem breit aufgestellten Portfolio überzeugen, das nicht nur Aktien, sondern zahlreiche weitere Finanzinstrumente enthält. Unter den angebotenen Finanzierungslösungen finden sich Raten- und Autokredite, Modernisierungskredite und Bausparen, Studienkredite in Kooperation mit der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sowie Anschlussfinanzierungen und Hilfen bei der Umschuldung.

Kreditgeschäft für Commerzbank nicht mehr so profitabel wie früher – Kosten wandern an Kunden

Trotz der umfangreichen Services für Privat- und Geschäftskunden ist die Commerzbank nicht so profitabel, wie sie es gern wäre – und dass, obwohl das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt nach Umsatz die viertgrößte deutsche Bank war (Stand Januar 2024). Einer der Hauptgründe ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Durch die Niedrig- bzw. Nullzinsen lohnt sich das Kreditgeschäft nicht mehr so wie früher, überdies müssen die Banken für Einlagen, die bei der EZB geparkt werden, ein Verwahrentgelt von 0,5 % p.a. zahlen.

Immer mehr Banken geben ab einer bestimmten Einlagenhöhe diese Kosten an ihre Kunden weiter. Die wiederum haben nichts mehr vom Tages- und Festgeld, besonders angesichts steigender Inflationsraten. Daher verabschieden sich Banken wie die Commerzbank vom lange Zeit bedingungslos kostenlosen Girokonto, Filialbanken dünnen das Filialnetz aus.

Viel Bewegung im Vorstand

Wohin die Reise für die Commerzbank gehen sollte, war lange Zeit unklar. Ab 2016 zeichnete der ehemalige Leiter des Privatkundengeschäfts Manfred Zielke als CEO verantwortlich für die ehrgeizigen Pläne, die Bank zu einem größtenteils digitalisierten Unternehmen zu machen. Das Investmentbanking sollte gegenüber der Betreuung von Privat- und Geschäftskunden zurücktreten. Die Umgestaltungspläne führten zu einem Zwist zwischen der Geschäftsführung und den bedeutendsten Aktionären. Zielke trat im Juli 2020 ebenso zurück wie der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann. Die Unternehmensleitung liegt seit 2021 in den Händen von CEO Manfred Knof. Weitere Mitglieder des Vorstands sind:

  • Dr. Bettina Orlopp: Stellvertretende Vorsitzende, Chief Financial Officer
  • Michael Kotzbauer: Segment Firmenkunden
  • Sabine Mlnarsky: Group Human Resources
  • Dr. Jörg Oliveri del Castillo-Schulz: Chief Operating Officer
  • Thomas Schaufler: Segment Privat- und Unternehmerkunden
  • Bernhard Spalt: Risikomanagement

Commerzbank: Umgestaltungen im Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat der Commerzbank hat, wie bei anderen Banken auch, nicht nur eine beratende Funktion inne – er ist auch für die Überwachung der Geschäftsleitung zuständig. Zusammengesetzt ist das Gremium zu gleichen Teilen aus Repräsentanten der Aktionäre und der Mitarbeiter. Der Commerzbank-Aufsichtsrat kommt in Plenarsitzungen zusammen, geht seiner Tätigkeit jedoch auch in Ausschüssen nach.

Der Vorsitz des Aufsichtsrats liegt mittlerweile in den Händen von Jens Weidmann (Stand: Januar 2024). Gemeinsam mit Harald Christ, der 2023 neu auf der Seite der Anteilseignervertreter von der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt wurde, lösen sie den ehemaligen Vorsitzenden Helmut Gottschalk und Robin J. Stalker von ihren Posten ab. Die Amtszeit der Aufsichtsratsmitglieder beträgt vier Jahre und endet mit der Hauptversammlung, die über die Entlastung für das Geschäftsjahr 2026 entscheidet.

Mitglieder im Commerzbank-Aufsichtsrat

  • Dr. Jens Weidmann (ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank und ehemaliges Mitglied des EZB-Rats)
  • Harald Christ (geschäftsführender Gesellschafter der Christ & Company Consulting GmbH)
  • Dr. Frank Czichowski (ehemaliger Senior Vice President/Treasurer KfW Bankengruppe)
  • Sabine U. Dietrich (ehemaliges Mitglied des Vorstands der BP Europe SE)
  • Dr. Jutta A. Dönges (Finanzvorständin der Uniper SE)
  • Burkhard Keese (Chief Operating and Financial Officer, Lloyd’s of London)
  • Daniela Mattheus (Co-Managing Partnerin, European Center for Board Effectiveness GmbH)
  • Caroline Seifert (Unternehmensberaterin für Transformation)
  • Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell (ehemaliges Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, EZB)
  • Frank Westhoff (ehemaliges Mitglied des Vorstands der DZ Bank AG)

Aktie und Anteilseigner

Bei der Commerzbank handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, die über eine Lizenz für die Anbietung von Finanzdienstleistungen aller Art verfügt. Das Grundkapital der Bank ist in Form von 1.252.357.634 Stückaktien unter der ISIN DE000CBK1001 im Handel an der elektronischen Börse Xetra und den deutschen Handelsplätzen. Der Titel erreichte infolge einer Erholungsphase nach der Finanzkrise von 2007 Höchstkurse von mehr als 50 Euro im Jahr 2009.

Anschließend kam es jedoch zu einer Talfahrt, die Commerzbank flog 2018 aus dem DAX raus und bewegt sich im September 2021 bei etwa 5,50 Euro. In diesem Zeitraum war die Commerzbank im MDAX, in dem mittelständische Unternehmen gelistet sind, aufgeführt. Seit Anfang 2023 hat es das Unternehmen zurück in den DAX geschafft, wie die Tagesschau im Februar 2023 berichtete.

Der größte einzelne Aktionär der Commerzbank ist die Bundesrepublik, die über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung insgesamt 15 Prozent der Aktien hält. Etwa 42 Prozent der Unternehmensanteile halten institutionelle Anleger, während rund 23 Prozent in den Händen von privaten Aktionären sind. Jeweils 5 Prozent halten Fondsgesellschaften wie BlackRock, Cerberus und Capital Group, einen kleinen Teil von 3 Prozent die Norges Bank.

Krisen und Kritiken

CEO Manfred Knof hat sich vorgenommen, die Commerzbank wieder profitabel zu machen, unter anderem durch ein Zusammenstreichen des Filialnetzes und erhebliche Stellenkürzungen, aber auch durch höhere Gebühren für Privatkunden. Ob sich dieses Ziel umsetzen lässt, wie geplant, ist derzeit noch nicht sicher. Im zweiten Quartal 2021 musste die Bank zudem zusätzliche Ausgaben in Form einer Sonderausschreibung bewältigen, insgesamt über etwa 200 Mio. Euro.

Anlass war das geplante, aber nicht zustande gekommene Outsourcing der Wertpapierabwicklung. Die HSBC sollte die Verwaltung der Verbuchung von Wertpapierorders übernehmen und damit die Commerzbank administrativ entlasten. Zugleich versprach man sich eine Teilhabe an den Gewinnen in Höhe von 20 Prozent. Das grundsätzlich lukrative Projekt wurde allerdings aufgrund möglicher Risiken bei der Verwirklichung gestoppt, stattdessen will die Commerzbank die Abwicklung im Wertpapierhandel selbst weiterführen. Dank des hohen Interesses am börslichen und außerbörslichen Handel erhofft sich die Geschäftsführung gute Renditen, die Kosten für die Sonderausschreibung belasten jedoch einstweilen die Geschäftszahlen.

Urteil gegen die Commerzbank

Weitere Belastungen kommen auf die Bank zu durch die erhöhten Anforderungen an die Einlagensicherung. Diese wurden Kreditinstituten infolge der Insolvenz der Greensill Bank auferlegt und sollen nicht nur das Kapital der Anleger schützen, sondern Finanzdienstleister auch bei eigenen Risikogeschäften ausbremsen. Überdies muss die Bank in naher Zukunft Gebühren erstatten, die in Form einer stillschweigend vorausgesetzten Übereinstimmung der Kunden erhöht wurden. Dabei wurde auf das Einholen der ausdrücklichen Zustimmung verzichtet.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes ist dies nicht statthaft, betroffene Kunden können die zu viel gezahlten Beträge zurückfordern. Nicht nur die Commerzbank, auch zahlreiche andere Banken und Sparkassen müssen mit einer Rückforderungswelle rechnen.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst / dpa

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