VonUlrike Pflüger-Scherbschließen
Eine weitere Metzgerei in Kassel steht vor dem Aus. Ende Juni schließt Prado an der Friedrich-Ebert-Straße. Die Betreiber hoffen noch, einen Nachfolger für das Geschäft zu finden.
Kassel – „Prado in love“ heißt eine Ahle Wurscht mit Chorizo, die in der Metzgerei Prado an der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel verkauft wird. Die Ahle Wurscht aus Nordhessen habe sich in die würzige Wurst aus Spanien verliebt. „Die Geschichte der Wurst ist eigentlich unsere Geschichte“, sagt Monica Rodriguez. Ihr Mann sei aus Spanien nach Kassel gekommen und beide hätten sich verliebt.
Die 48-Jährige ist ebenfalls Spanierin, aber in Kassel geboren. Die Wurst-Liebe geht nun neue Wege. Mit Prado schließt Ende des Monats eine weitere Metzgerei in Kassel.
Metzgerei Prado in Kassel schließt – Ende Juni hören die Besitzer auf
Vor fünfeinhalb Jahren haben die beiden die Metzgerei an der Friedrich-Ebert-Straße 57 übernommen. José Manuel Portela Prado (53) hatte zuvor 26 Jahre lang als Geselle mit Führungsverantwortung in dem Unternehmen gearbeitet. Am 30. Juni öffnet der Laden nun zum letzten Mal. Das Ehepaar hat sich entschieden, zurück nach Galicien im Nordwesten von Spanien zu gehen. Den Partyservice des Unternehmens halten sie noch bis zum 31. Juli aufrecht.
Eigentlich hätten sie schon einen Nachfolger für das Geschäft gefunden gehabt, sagt Monica Rodriguez. Aber der sei kurzfristig abgesprungen. „Aber wir geben die Hoffnung nicht auf. Vielleicht meldet sich noch jemand, der Interesse hat.“
Monica Rodriguez, die gelernte Bürokauffrau ist und sich in das Metzgerei-Metier eingearbeitet hat, macht deutlich, dass sich das Geschäft nur rechnet, wenn man ebenfalls Mittagstisch und Partyservice anbietet. „Von einer Fleischerei allein kann man nicht mehr leben.“ Als sie im Februar 2019 den Laden von Thomas Thiel übernommen haben, da hätten sie noch zwölf Mitarbeiter gehabt. Ein Jahr später kam die Pandemie, der Partyservice fiel komplett weg. „Das war schon schwer“, sagt Rodriguez. Jetzt haben ihr Mann und sie noch vier Mitarbeiter, die Öffnungszeiten wurden auf 11 bis 14 Uhr reduziert. „Das hat sich gerechnet.“
Betreiber von Metzgerei Prado hoffen auf Nachfolger – Metzgerei in Kassel schließt im Juni
Der Laden lebe vor allem von den vielen Stammkunden, die sich jeden Tag ihr Mittagessen hier abholen. Rodriguez schwärmt von den treuen Kunden, mit denen es über die Theke auch viele persönliche Gespräche gegeben hat.
Mit der Schließung von Prado setzt sich ein scheinbar unaufhaltbarer Trend fort. Mittlerweile gibt es laut Dirk Nutschan, Obermeister der Fleischer-Innung Kassel, nur noch sieben Innungsbetriebe in der Stadt und im Landkreis Kassel. Einige dieser Unternehmen haben noch weitere Filialen. Nutschan geht davon aus, dass weitere Metzgereifachgeschäfte schließen werden. „Es gibt keinen Nachwuchs, das ist das Problem. Die Leute wollen alle nicht mehr arbeiten.“ Wie schlecht die Lage beim Nachwuchs ist, macht Nutschan an folgenden Zahlen deutlich: In diesem Jahr haben in Stadt und Landkreis Kassel und im Werra-Meißner-Kreis nur drei Fleischereifachverkäuferinnen sowie zwei Gesellen ihren Abschluss gemacht.
Monica Rodriguez und ihr Mann José Manuel Portela Prado haben sich aus persönlichen Gründen entschlossen, mit den beiden Söhnen (15 und 19) nach Spanien zu gehen. „Bis zur Rente wollten wir nicht warten“, sagt die 48-Jährige. Wer weiß, was alles passiere.
Bekräftigt in ihrer Entscheidung sind die beiden durch den Tod ihres Vorgängers geworden. Metzgermeister Thomas Thiel ist im Mai im Alter von 58 Jahren gestorben. Thiel habe sie immer im Geschäft unterstützt, sagt Rodriguez.
Es gebe den Plan, dass ihr Mann, der aus einer Fleischerfamilie in Spanien stammt, mit einem Cousin einen Partyservice eröffne. „Vielleicht wird sich die Ahle Wurscht in Galicien etablieren.“ (Ulrike Pflüger-Scherb)
Nach Aus für Edeka: Dorfbewohner kaufen sich einen Supermarkt im Kreis Kassel und sichern sich somit die Nahversorgung.
