„War falsch und ist ihm bewusst“

Kasseler Museumschef gibt rassistische Beleidigung zu – Linken-Stadtrat fordert Neubesetzung

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Eine rassistische Äußerung des Direktors von Hessen Kassel Heritage (HKH), Martin Eberle, gegenüber dem Kulturbeiratsvorsitzenden David Zabel könnte Folgen haben.

Kassel – Martin Eberle (56), Direktor von Hessen Kassel Heritage (HKH), hat zugegeben, den Vorsitzenden des Kasseler Kulturbeirats, David Zabel, mit einer rassistischen Äußerung verletzt zu haben. Laut dem 38 Jahre alten Kulturpädagogen sagte Eberle bei einem Treffen am 8. Oktober 2024, als es um die Teilnahme an der nächsten Sitzung des Kulturbeirats ging: „Herr Zabel, ich sag jetzt mal was Rassistisches. Ich komme nicht, aber ich schicke meine Kollegin. Und ich kann ihr ja sagen, dass sie sich Schuhcreme ins Gesicht schmieren soll. Dann fühlen Sie sich bei Kulturbeiratssitzungen nicht so alleine.“

Rassismus-Vorfall in Kassel: „Und ich kann ihr ja sagen, dass sie sich Schuhcreme ins Gesicht schmieren soll“

Zabel, der in Wernigerorde im Harz geboren wurde und ostafrikanische Wurzeln hat, ist das einzige Mitglied im Kulturbeirat mit schwarzer Haut. Blackfacing, bei dem sich weiße Menschen mit dunkler Farbe schminken, ist eine rassistische Praxis, mit der schwarze Menschen abgewertet werden. Trotzdem wird es vereinzelt immer noch praktiziert und oft verharmlost. Eberle erklärte gegenüber der HNA, er habe die Aussage „im Affekt“ getroffen und bei Zabel um Entschuldigung gebeten.

Das alles könnte Folgen für den HKH-Chef haben. Laut Oberbürgermeister und Kulturdezernent Sven Schoeller haben die Äußerungen, „die Herr Eberle getätigt haben soll, einen zutiefst rassistischen Gehalt“. Zudem erklärt der Grünen-Politiker: „Sofern sich der Vorgang so bestätigen sollte, kann ich mir nicht vorstellen, dass Herr Eberle seine derzeitige Funktion weiter fortführen würde.“

Rassismus-Äußerung „im Affekt“ – Kasseler Museumschef bittet um Verzeihung

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) nimmt die Vorwürfe laut einer Sprecherin sehr ernst und arbeitet diese derzeit umfassend auf. Es gebe eine sorgfältige rechtliche Prüfung. Die Anhörung von Eberle werde so bald wie möglich stattfinden. Wegen eines Beinbruchs ist der Kunsthistoriker derzeit krankgeschrieben.

Ist seit 2018 Chef von Hessen Kassel Heritage: Martin Eberle vor dem Kasseler Schloss Wilhelmshöhe.

Zabel hatte Eberle bei seiner Rede am Sonntag während einer Demo für die Brandmauer gegen die AfD auf dem Königsplatz als „rassistischen Landgrafen“ bezeichnet, der sich um die Aufarbeitung der rassistischen Vergangenheit des Bergparks kümmern solle. Mehr sagte er zum Thema Eberle unter dem Applaus von Tausenden Menschen nicht. Gegenüber der HNA wollte sich Zabel nun nicht weiter äußern.

Linken-Stadtrat in Kassel sieht „keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“

Laut der HKH-Sprecherin hatte Zabel bei dem Gespräch eine Neubesetzung von Eberles Vertretungsposition durch eine Person of Colour gefordert, „weil er die Vertretungen mit Migrationskompetenzen im Kulturbeirat erhöhen wollte“. Dem habe der HKH-Direktor „in Rücksichtnahme auf die ihn offiziell vertretende Kollegin nicht stattgeben“. Nach dem Vorfall habe sich Eberle mit einer Entschuldigung und Gesprächseinladung an Zabel gewendet.

Dieses Angebot erneuerte die Sprecherin gestern: „Es war falsch und es ist ihm bewusst, dass er Herrn Zabel mit seinen Worten verletzt hat.“ Damit eine solche Reaktion in Zukunft nicht noch mal passiere, werde Eberle an einer Antidiskriminierungsschulung teilnehmen. Er sei bereits in Kontakt mit einer qualifizierten Agentur.

David Zabel als Redner bei der Demonstration gegen den Fall der Brandmauer.

Unabhängig von dem konkreten Fall erklärte Hessens Kunstminister Timon Gremmels (SPD), dass jede Form von rassistischen Äußerungen von Bediensteten des Landes inakzeptabel und nicht hinnehmbar sei und sanktioniert werde: „Ich erwarte von allen Mitarbeitenden eine klare Haltung, Respekt und Offenheit.“ Linken-Stadtrat Kai Boeddinghaus sieht diese klare Haltung bei Eberle nicht mehr. Er hat für die nächste Magistratssitzung am Montag einen Antrag formuliert, in dem es heißt, der Magistrat sehe „keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“. HKH soll zudem aufgefordert werden, dass jemand anderes als Eberle die Institution im Kulturbeirat vertritt. (Matthias Lohr)

Rubriklistenbild: © Andreas Fischer

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