Sorgenkind ländlicher Raum

Integrationskurse im Landkreis Göttingen: Kein langes Warten in Hann. Münden

+
Auftakt zum regionalen Arbeitskreis Integrationskurse mit Vertretern des Jobcenters Landkreises Göttingen sowie des Landkreises Northeim, der Agentur für Arbeit, des Landkreises Göttingen und des Landkreises Northeim, des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen.
  • schließen

Die Agentur für Arbeit will Integrationskurse im ländlichen Raum in den Kreisen Göttingen und Northeim stärken. Die VHS bietet solche Kurse an, auch in Hann. Münden. Dort gebe es keine langen Wartelisten, heißt es.

Hann. Münden - Die Agentur für Arbeit Göttingen will Integrationskurse im ländlichen Bereich stärken. Vielerorts gebe es nicht die Möglichkeit, Berechtigten zeitnah einen Integrationskurs anzubieten, heißt es in einer Mitteilung. In Hann. Münden seien lange Wartezeiten jedoch kein Problem.

Hann. Münden: Wartelisten für Kurse nicht lang

Migranten müssen derzeit vier bis sechs Wochen auf einen Kurs der Volkshochschule (VHS) Göttingen Osterode warten. „Die Wartelisten sind für allgemeine Integrationskurse an der VHS in Hann. Münden nicht lang und betrifft besonders Personen mit speziellen Bedarfen“, erklärt Haide Faridani von der VHS Göttingen dazu. An den vier Geschäftsstellen gebe es insgesamt 20 Integrationskurse. Davon laufen in Hann. Münden derzeit fünf Allgemeine Integrationskurse (Zielniveau: B1) und ein Integrationskurs mit Alphabetisierung (A2), heißt es von der Volkshochschule weiter. Außerdem bietet die „Sprache und Bildung GmbH“ zusätzlich einen Allgemeinen Integrationskurs an.

Eine berufsbezogene Deutschsprachförderung baue im Regelfall auf einen Allgemeinen Integrationskurs auf und strebe das Zielsprachniveau B2 beziehungsweise C1 an. Der Landkreis Göttingen sei dabei eine sogenannte Region mit geringem Teilnehmerpotenzial, erklärt Nina Winter vom Landkreis. Dabei können Kursträger einen entsprechenden Sprachkurs bereits mit sieben Teilnehmenden starten. Sofern akuter Bedarf bestehe, könne die VHS kurzfristig ein Kursangebot einrichten.

Bei der Mündener Volkshochschule laufen die Kurse an vier bis fünf Wochentagen mit 20 bis 25 Unterrichtsstunden pro Woche. Im Jahr 2023 werden etwa 400 Personen den Deutschtest für Zuwanderer an der VHS Göttingen Osterode ablegen und ihren Integrationskurs absolvieren, heißt es von der VHS. Davon seien etwa 140 Teilnehmende an der Schule in Hann. Münden.

Noch Plätze in Kursen frei

Eine Sprachprüfung erfolgt über den „Deutsch-Test für Zuwanderer“ (DTZ, Niveau A2 bis B1). Der Orientierungskurs schließt mit dem Test „Leben in Deutschland“ (LiD) ab.

Wie auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zu lesen ist, seien derzeit bei den laufenden Kursen sogar noch 27 von 107 Plätzen (fünf Allgemeine Integrationskurse,VHS); vier von 15 Plätzen (Allgemeine Integrationskurse, Sprache und Bildung); sowie ein von 15 Plätzen (Integrationskurs mit Alphabetisierung, VHS) frei.

Integrationskurs dauert etwa acht Monate

Ein Allgemeiner Integrationskurs umfasst 700 Unterrichtsstunden. Diese teilen sich auf in einen Sprachkurs mit 600 Stunden sowie einen Orientierungskurs mit 100 Stunden. Abhängig von der Wochenstundenzahl sind dies durchschnittlich sechs bis acht Monate. Spezielle Kursformen wie der Integrationskurs mit Alphabetisierung, der für Migranten ist, die keine oder ungenügende Kenntnisse im Lesen oder Schreiben haben, umfassen insgesamt 900 Unterrichtsstunden.

Konferenz zum Thema Integration im ländlichen Raum

Wie kann es gelingen, geflüchtete Menschen besser und schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren? Zwei Aspekte seien von besonderer Relevanz: Die Anerkennung vorhandener beruflicher Qualifikationen und Abschlüsse und die Vermittlung ausreichender Sprachkenntnisse. Das teilte Christine Gudd von der Agentur für Arbeit in Göttingen mit.

Doch gerade im ländlichen Raum gelingt es im südlichen Niedersachsen nicht immer optimal, Berechtigten die mehrmonatigen Integrationskurse in ausreichender Zahl und zeitnah anzubieten. Die Integrationskurse dienen in erster Linie dem Spracherwerb und werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert und von Bildungsträgern durchgeführt.

Mit dem Ziel, das Kursangebot auch für den ländlichen Raum zu stärken, hatte Klaudia Silbermann, Chefin der Agentur für Arbeit Göttingen, zu einem Austausch eingeladen. Vertreter des BAMF, der Landkreise Göttingen und Northeim sowie der jeweiligen Jobcenter, der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) und der Agentur für Arbeit kamen zusammen, um die Situation zu analysieren, und an Lösungen zu arbeiten. Schnell wurde deutlich, dass im Altkreis Osterode, insbesondere aber im Landkreis Northeim noch ein hoher Bedarf an Integrationskursen besteht, während sich die Situation beispielsweise in der Stadt Göttingen wesentlich besser darstellt. Dies liege daran, dass die Organisation der Integrationskurse für die Bildungsträger im städtischen Raum wesentlich einfacher sei, beispielsweise mit Blick auf die Gewinnung von Lehrkräften oder der Verfügbarkeit von Räumen.

Auch sei es im ländlichen Raum schwieriger, ausreichende Gruppengrößen zusammenzustellen, da die Teilnehmenden dort häufig nicht so mobil seien.

Nutzung überregionaler Ausgleichsmöglichkeiten

Erste Ideen zur Verbesserung der Situation wurden ausgetauscht und zwischenzeitlich bereits umgesetzt, wie beispielsweise die Nutzung überregionaler Ausgleichsmöglichkeiten. Einig war man sich darüber, den Austausch in Form eines Arbeitskreises fortzuführen und zu intensivieren, um gemeinsam das regionale Angebot bedarfsorientiert weiterzuentwickeln.

Alle am Austausch Beteiligten sehen die große Relevanz der Integrationskurse für die Chancen der Geflüchteten am Arbeitsmarkt, aber auch für das Gelingen der gesellschaftlichen Integration, heißt es von Christine Gudd weiter. Nicht zu vernachlässigen ist der Aspekt, dass auch die regionalen Unternehmen dringend Arbeitskräfte benötigen, um ihren Betrieb fortführen oder gar ausbauen zu können. Entsprechend richtet der Arbeitskreis einen Appell an die Unternehmen, Bewerberinnen und Bewerber, wenn möglich auch mit geringeren Deutschkenntnissen einzustellen. Denn neben der Sprachpraxis, die sich auch im beruflichen Miteinander einübe, könnten zusätzlich beschäftigungsbegleitende Deutschkurse besucht werden. (Kira Müller)

Kommentare