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Kommentar: Politik pro Auto in Darmstadt

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ÖPNV und Fahrrad geraten in Darmstadt immer mehr ins Hintertreffen.
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Oberbürgermeister Hanno Benz versucht in Darmstadt immer mehr, der Politik seinen Stempel aufzudrücken. Ein Kommentar.

Kommentar - Was ist aus der Stadt Darmstadt geworden, die schon seit Jahren nicht nur bei den Wahlen grün geprägt ist? Nachhaltigkeit und Klimaschutz standen immer ganz oben auf der Agenda, die Stadt will bis 2035 klimaneutral werden. Und doch sind die Einsparungen groß, die es in diesem Jahr beim ÖPNV geben soll: Das Rufbus-Angebot Heinerliner wird wohl nicht verlängert, weil die Zuschüsse zum Jahresende wegfallen, das kostenlose Wlan in den Straßenbahnen wurde gestrichen, nachts fahren an den Wochenenden weniger Straßenbahnen und Busse. Und jetzt wollte der OB auch noch das Klimaticket streichen, das quasi eine Werbemaßnahme für den Umstieg auf Bus und Bahn ist.

190000 Euro fürs Klimaticket in Darmstadt sind gut angelegt

3632 Buchungen des Klimatickets in 16 Monaten bedeuten immerhin viele tausend Autofahrten weniger und damit weniger CO2-Belastung und weniger verstopfte Straßen. Auch wenn die jetzt beschlossene abgespeckte Version möglicherweise weniger „Fans“ findet, sind die 190 000 Euro pro Jahr gut angelegt. Denn das Klimaticket ist nicht nur eine Art Probeabo für den ÖPNV, sondern auch ein „Herzlich-willkommen-Ticket“ für die Neubürger und Neubürgerinnen, wie Heike Böhler von den Grünen erklärte.

Dass Oberbürgermeister Hanno Benz mehr das Auto im Blick hat als das Fahrrad und den ÖPNV, ist mittlerweile allseits bekannt. Und obwohl die Grünen zusammen mit der CDU und Volt die Mehrheit haben, scheint es so, als ob er mit seiner Politik Darmstadt mehr und mehr seinen roten Stempel aufdrückt. Der Ton verschärft sich im Moment, der OB nutzt seine Möglichkeiten, um seine Sicht der Dinge darzustellen und sogar gegen Beschlüsse vorzugehen. Ob das auf Dauer zielführend ist, mag bezweifelt werden.

(Annette Schlegl)

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