Rekordwerte

Sommerhitze im Kreis Fulda: Freibäder und kühle Getränke sind so gefragt wie nie

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Am Uniplatz in Fulda hatten Malu (4, von links), Lion (7) und Ella (4) am Montag, 10. Juli, richtig viel Spaß.

Osthessen stöhnt unter der Sommerhitze. Am Wochenende (8. und 9. Juli) wurden im Landkreis Rekordtemperaturen gemessen. Freibäder, kühle Getränke und Wasserspielplätze sind gefragt wie selten.

Kreis Fulda - Eigentlich haben wir es im Juli ja gern sonnig. So soll der Sommer sein. Aber am Wochenende kratzten die Temperaturen in Osthessen schon gleich wieder an Rekordwerten. So heiß mag es nicht jeder. Am Montag, 10. Juli, machte die Hitze eine kleine Pause, ab Dienstag, 11. Juli, wird es wieder richtig tropisch in Osthessen – mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Selbst auf der Wasserkuppe findet man jetzt kaum Abkühlung.

Kreis Fulda in Sommerhitze: Freibäder und kühle Getränke gefragt wie nie

Alles, was Abkühlung bringt, ist es jetzt besonders begehrt. Die Menschen strömen in die Freibäder, sie trinken viel mehr Mineralwasser und auch Bier als sonst, und sie essen mehr Eis. Für ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern wird es besonders wichtig, sich vor der Hitze zu schützen. Immerhin: An einigen Schulen dürfen sich die Schüler jetzt über hitzefrei freuen. Aber das Schuljahr neigt sich ohnehin dem Ende entgegen. Jetzt kommen die Schultage, die sich schon anfühlen wie ein Vorgeschmack auf die Ferien.

Volle Bäder: Vom Saisonstart am 1. Mai bis Sonntag kamen 65.000 Besucher ins Rosenbad in Fulda. Das entspricht ziemlich genau der Zahl von 2022, berichtet die RhönEnergie. Am Samstag, 8. Juli, kamen 3150, am Sonntag, 9. Juli, 4850 Besucher. Beschwerden wegen der durch den neuen Weg an der Fulda etwas verkleinerten Liegewiese gab es laut RhönEnergie nicht.

Im Freibad im Waidesgrund zählte die Gemeinde Petersberg im Mai und Juni insgesamt 33.300 Besucher – 6000 mehr als im Vorjahr. Die guten Zahlen aus dem Juni scheinen sich fortzusetzen: Am Samstag kamen 1800 Menschen, am Sonntag waren es sogar rekordverdächtige 5600.

Kühle Getränke: Mit den Temperaturen steigt bei den Verbrauchern in Osthessen der Durst. Das spüren die Mineralbrunnen Förstina und RhönSprudel und die Hochstift-Brauerei in Fulda am steigenden Absatz.

Bei Förstina in Lütter haben sich die Lieferzeiten verlängert. „Es gibt keinen besseren Verkäufer als tolles Wetter. Weil wir mehr verkaufen, aber Fahrer fehlen, muss der Handel schon einmal drei bis vier Tage auf die Lieferung warten“, sagt Marketingsleiter Peter Seufert.

Bei Festen sind vor allem 0,5 Liter-Flaschen gefragt. Leergut ist hier knapp. Förstina stoppt deshalb vorübergehend das Abfüllen selten gefragter Getränke wie die Apfel-Kirsch-Schorle. „Die Sonne tut uns gut. Insgesamt liegen wir im Absatz über Vorjahresniveau“, berichtet RhönSprudel-Marketingleiter Jürgen Bühler. Er bittet Kunden, zu Hause kein Leergut zu sammeln.

Auch Hochstift-Geschäftsführer Ulrich Klepser strahlt: „Eine stabile Hochdrucklage erhöht den Absatz von Bier. Das Wetter war in diesem Jahr auf unserer Seite. Bei Temperaturen über 30 Grad wird allerdings weniger Bier getrunken.“ Insgesamt leide die Brauereibranche jedoch unter sinkenden Absätzen und steigenden Kosten.

Rekord-Wetter: 37 Grad in Eiterfeld-Arzell, 36,9 Grad in Kleinlüder, 36,5 Grad in Schlitz (Vogelsberg) und in Blankenau, 36,4 Grad in Fulda-Horas – der Sonntag war der bisher heißeste Tag des Jahres. Das sagt Oliver Reuter vom Internetportal osthessen-wetter.de unserer Zeitung. Selbst auf der Wasserkuppe waren es 32,7 Grad am Sonntag, in Seiferts 34,2 und in Tann 33,2 Grad.

Das ist Rekord für dieses Jahr, aber weniger als im vergangenen Jahr. Am 20. Juli 2022 wurden an vielen Orten Allzeit-Rekorde aufgestellt, so in Fulda-Horas mit 38,9 Grad. In Kleinlüder wurden 39,1 Grad gemessen, in Müs 38,7 Grad, in Schlitz 38,6 Grad, in Arzell 38,3 Grad, auf der Wasserkuppe 36,2 Grad, in Seiferts 36,8 und in Tann 36,1 Grad.

Gesundheit strapaziert: Am Wochenende hatten die Notaufnahmen der Krankenhäuser durch die Hitze mehr zu tun. Im Klinikum Fulda kamen zwei Patienten aufgrund hitzebedingter Kreislaufprobleme, auch im Helios St. Elisabeth-Krankenhaus in Hünfeld war die Zahl von Patienten mit Hitzeschäden höher als gewöhnlich, allerdings nicht besorgniserregend.

Der Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda berichtet, dass mehr Patienten kamen – vor allem wegen Kreislaufstörungen, kurzzeitigem Verlust des Bewusstseins, sowie Zuckerentgleisungen und Stürzen. Insbesondere ältere Menschen kleiden sich zu warm und trinken zu wenig.

Die Hitze bedeutet für den menschlichen Körper enormen Stress. Wichtige Tipps zum Umgang mit 35 Grad Hitze sind: Viel, nicht so kaltes Wasser trinken; leichte Kost essen, luftige Kleidung tragen, Räume frühmorgens lüften. Klimaanlagen nicht zu kalt einstellen. Nach Süden gerichtete Räume abdunkeln.

Video: Klima - Tipps bei Rekordtemperatur

Hitzefrei selten: Hitzefrei gibt es an weiterführenden Schulen in Ausnahmefällen. Hierzu gehören etwa der Unterricht im Freien oder die Durchführung von Wander- und Projekttagen. „Wenn wir Hitzefrei verhängen, tun wir das in Absprache mit den anderen Schulen – in unserem Fall mit der Jahnschule. Priorität hat jedoch das Aufrechterhalten des Unterrichtsbetriebs“, erklärt Markus Bente, Schulleiter der Wigbertschule in Hünfeld.

Gleiches gilt auch für die Gymnasien in Fulda, darunter das Domgymnasium, die Freiherr-vom-Stein-Schule und die Winfriedschule. Hier gab es am Montag bereits Hitzefrei. An der Johannes-Kepler-Schule gilt die strikte Vermeidung von Hitzefrei. „Den Unterricht abzusagen ist für uns das letzte Mittel, wenn es nicht mehr anders geht“, berichtet Karin Schneider, Schulleiterin. An Grundschulen gibt es wegen der Betreuungspflicht eher selten Hitzefrei.

„Ein Hitzefrei müssten wir im Voraus planen und die Eltern darüber informieren, damit die ihren Kindern dann erlauben können, nach Hause gehen zu dürfen“, erläutert die Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Schule Gabrielis Steinberger. Dort findet bei Hitzelagen in der sechsten Stunde kein Unterricht statt. „Anstatt des Unterrichts können die Kinder beispielsweise in die Mediathek gehen und ein Buch lesen. Wir lassen die Kinder entscheiden, was sie tun wollen“, ergänzt sie.

Es bleibt heiß: „Nach einem etwas „kühleren“ Montag erreicht uns am Dienstag ein neuerlicher Schwall heißer Subtropikluft, der wieder für kurzzeitige Hitze sorgen wird“, sagt Oliver Reuter von Osthesen-wetter.de. Das bestätigt auch der Deutsche Wetterdienst. „Bei einem Mix aus Sonne und nur wenigen Wolken steigen die Höchsttemperaturen auf 32 bis 34, örtlich erneut knapp 35 Grad an, dazu weht ein mäßiger, örtlich böiger Südwestwind.

Für Gewitter scheint es nach gegenwärtigem Stand tagsüber nicht zu reichen, wenn, dann in der Nacht zum Mittwoch. Ab dann liegen die Maximalwerte auch wieder unter der 30-Grad-Marke. (von Paula Weber, Max Wenisch und Volker Nies)

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