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Sabrina Mehler- Silja Ommert
- Stefan Herr
Der bislang entblößte Schlossturm in Fulda hat nach mehreren Jahrhunderten wieder eine Krone. Am Samstagmorgen wurde die neue Stahlhaube mithilfe eines Krans langsam auf das historische Bauwerk gehoben. Der Vorgang verlief ohne Zwischenfälle und markiert den Abschluss eines lange geplanten Projekts.
Update vom 31. August, 13.56 Uhr: Langsam, mit einer Erhabenheit, schwebte die neue Haube aus Stahl empor und setzte sich auf den Fuldaer Schlossturm, der jahrhundertelang ohne seine Krone auskommen musste. Es war ein Moment, in dem sich alle Augen nach oben richteten, ein Moment, den alle Beteiligten – vom Architektenteam über die Hauben-Konstrukteure bis zur Stadtverwaltung – gebannt verfolgten.
Viel diskutierte Schlossturm-Haube in Fulda montiert
Einzig der Kranführer blieb völlig locker. Ob die Millimeterarbeit eine Herausforderung für ihn sei? „Ach was!“, winkte er lachend ab. Das sei doch ein ganz normaler Arbeitsvorgang.
„Ich bin im Moment schon glücklich, weil ein Stück lange Arbeit zum positiven Ende kommt“, sagte Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos). Froh sei er auch, dass die Haube unfallfrei und ohne Schwierigkeiten nach oben gehievt werden konnte – ohne kritische Windverhältnisse, ohne dass das Stahlkonstrukt die Balustrade des Turms erwischt oder dass irgendetwas verrutscht.
Nun sei der Turm stadtbildprägend, freute er sich: „Und die Fernwirkung wird irre sein.“ Wenn er morgens mit seinem Rad durch die Aue radle, habe er bislang nur Kirchen gesehen, aber kein einziges weltliches Symbol: „Das wird sich jetzt ändern. Der Turm mit seiner Haube ist jetzt von vielen neuralgischen Punkten in der Stadt aus zu sehen.“
Unter den Beobachtern der Kran-Aktion befand sich auch Bernhard Hahner vom gleichnamigen Stahlbau-Unternehmen aus Böckels. „Wir sind froh, dass die Haube jetzt oben ist. Alles hat geklappt.“ Erleichtert zeigte er sich insbesondere, weil der Kran auf dem eigens verdichteten und gewalzten Boden gerade stehen geblieben war. Freudestrahlend verfolgte auch Architekt Jürgen Krieg die Turm-Krönung. Der Entwurf sei ein „Spielen mit Formen“ gewesen, das sich über Jahre entwickelt habe und an dem sein gesamtes Team beteiligt gewesen sei.
Fotostrecke: Schlossturm unter der Haube




Während die Krone zwar vorsichtig Zentimeter für Zentimeter nach oben gehievt wurde, aber dennoch innerhalb von einer Viertelstunde auf dem Bauwerk saß, dauerten die anschließenden Arbeiten noch etwas länger. An acht Punkten wurden die „Krallen“ der Haube befestigt. Voraussichtlich Ende des Jahres soll der Turm, der schon seit Jahren saniert wird, komplett fertiggestellt werden. Dann können die Fuldaer mit einem Aufzug – mit einmal Umsteigen – in die Höhe fahren und ihre Stadt von oben aus betrachten.
Erstmeldung vom 31. August, 9.55 Uhr:
Fulda - Bei strahlendem Sonnenschein ist am Samstagmorgen (31. August) in Fulda die neue Haube auf den Schlossturm gesetzt worden. Ein Kran hat das Flachstahlkonstrukt in Zentimeterarbeit auf den Turm des Stadtschlosses gehoben. Im Vorfeld hatte es Diskussionen rund um das 600.000 Euro teure Projekt gegeben.
Die Firma Hahner Technik aus Böckels hatte die 8,50 Meter breite und 13,75 Meter hohe Haube erstellt. Laut Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) ist sie ein abstraktes Kunstwerk, das dem glockenförmigen Aufbau nachempfunden ist, der den Turm einst in der Renaissance geschmückt hat.
Video: Zentimeterarbeit beim Aufsetzen der Haube
Seitdem das Projekt „Stadtkrone“ öffentlich geworden war, diskutierten Fuldas Bürgerinnen und Bürger rege. Viele wunderten sich über die Höhe der Kosten – die Haube schlägt mit 300.000 Euro zu Buche, die Montage mit noch einmal so viel. Gesamtkosten für die Haube: 600.000 Euro.
Die hohen Kosten führten zudem dazu, dass das Projekt im sogenannten Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler landete, in dem jährlich die unsinnigsten Ausgaben der öffentlichen Hand aufgegriffen werden. Fuldas Schlossturm setze der Steuergeldverschwendung die Krone auf, hieß es damals süffisant.
Stadtbaurat Daniel Schreiner scherte sich jedoch eher wenig um diese Einschätzung: Schließlich sei der Verein weder eine stattliche noch eine neutrale Organisation, erklärte er damals. Der Anlass dafür, dem Turm eine Krone aufzusetzen, waren indes notwendige Sanierungsarbeiten an dem Bauwerk.
Der Schlossturm aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den ältesten Teilen des Stadtschlosses und hatte erhebliche bautechnische Mängel aufgewiesen. Die Sanierung betrachtete die Stadt als einmalige Gelegenheit, die ursprüngliche Proportion des Schlossturms mitsamt Aufsatz zumindest annähernd wiederherzustellen.
Rubriklistenbild: © Jonas Wenzel

