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Briefe brauchten im Osten Kassels länger - Post räumt Verzögerungen ein

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Engpässe zur Ferienzeit: Menschen im Kasseler Osten mussten im Juli länger auf Briefe warten. Personalengpässe sind laut Post aber wieder behoben. Im Bild zu sehen ist das Briefverteilzentrum in der Leipziger Straße.
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Die Post hat Verzögerungen bei der Briefzustellungen im Osten Kassels teilweise eingeräumt. Dass tagelang keine Briefe geliefert wurden, dementiert sie.

Kassel – In vier von fünf Fällen sollte ein Brief von einem auf den nächsten Werktag zugestellt werden. Im Kasseler Osten war dies jedoch laut Briefempfängern im Juli nicht immer der Fall.

Carsten Mumdey berichtet, dass in der Unterneustadt mehrere Tage keine Briefe zugestellt worden seien. Er selbst wohne dort seit 8. Juli. „Über meine Post-App kann ich sehen, dass Briefe kommen sollen, aber die kamen nicht“, erzählt er. „Da wartet man auf wichtige Briefe und bekommt sie nicht.“ Er sei dann kurzerhand selbst in das Postverteilzentrum in der Leipziger Straße gegangen und habe dort seine Post abgeholt. Sieben an ihn adressierte Briefe hätte er bekommen. Ein Mitarbeiter hätte ihm gesagt, es gäbe nicht genug Personal, das die Briefe austragen könnte. Mitarbeiter hätten gekündigt und der Krankenstand sei hoch.

Mehrere Viertel im Osten Kassels waren betroffen

Carsten Mumdey hat die Postleitzahl 34123, die mit Forstfeld, Unterneustadt, Waldau und Bettenhausen große Teile des Kasseler Ostens umfasst. Er ist nicht der einzige, der sich bei unserer Zeitung beschwert. Auch Siegfried Hackstock aus dem Forstfeld berichtet, dass er zwischen 14. und 21. Juli keine Briefe erhalten habe. Ein Zusteller hätte Hackstock gesagt, dass es vier Zustellkräfte zu wenig gäbe.

Die Bundesnetzagentur erklärt auf Anfrage, dass sie im ersten Halbjahr 2023 sechs Beschwerden aus dem Postleitzahl-Gebiet 34123 erhalten habe, davon drei von demselben Adressaten. Daraus ergebe sich keine ausgedehnte Beschwerdelage. Sofern Auffälligkeiten, besonders auch regionale Anhäufungen von Beschwerden festgestellt werden, führe die Bundesnetzagentur sogenannte Anlassprüfungen durch, lässt die Agentur weiter mitteilen. So eine Prüfung hat es laut der Agentur in den vergangenen drei Jahren in Kassel nicht gegeben.

Deutsche Post räumt Personalmangel ein

Die Deutsche Post räumt ein, dass es an einzelnen Tagen zu Verzögerungen wegen kurzfristiger Erkrankungen gekommen sein könnte. Wenn sich wegen Krankheit eine vakante Stelle ergebe, könne es vorkommen, dass an diesem Tag nicht alle Empfänger mit Post beliefert werden können. Am nächsten Tag werde der Ausfall jedoch durch eine Vertretung kompensiert und ein Sendungsrückstau prinzipiell vermieden, weil jeden Tag neue Sendungen hinzukämen. Engpässe im Kasseler Osten seien am Wochenende und am Wochenanfang aber behoben worden und Ausfälle wegen Krankheit und Urlaub hätten sich normalisiert.

Brieflaufzeiten

Die Post-Universaldienstleistungsverordnung enthält Zielvorgaben für die Laufzeiten von Briefsendungen. Von den an einem Werktag eingelieferten inländischen Briefsendungen müssen im Jahresdurchschnitt mindestens 80 Prozent am nächsten Werktag und 95 Prozent bis zum zweiten auf den Einlieferungstag folgenden Werktag zugestellt werden. Diese Zielvorgaben hat die Post laut Bundesnetzagentur in den vergangenen Jahren erfüllt – 2022 allerdings nur knapp. (Johannes Rützel)

Dass aber, wie von den Kunden geschildert, über mehrere Tage keine Post zugestellt worden sei, weist die Post zurück. Ein Nachsendeauftrag würde außerdem jede Sendung um ein bis zwei Tage verzögern.

Weil Briefe keinen Sendungsnachweis haben, sei eine seriöse Aussage über ihre Laufzeiten ohnehin nicht möglich, erklärte der Post-Sprecher weiter. Jede Beschwerde werde ernstgenommen, die Post bedauere die Unannehmlichkeiten und entschuldige sich für etwaige Laufzeitverzögerungen. Die Post weist aber auch darauf hin, dass es bei Standardbriefen gemäß der Allgemeinen Geschäftsbedingungen keine Laufzeitgarantie gebe und somit auch für gewöhnliche Briefe keine Haftung für eine etwaige Laufzeitverzögerung übernommen werde. (Johannes Rützel)

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