Amazon, DHL und Co.

Direkt nach Hause war gestern: Packstationen machen Paket-Versand in Kassel flexibler

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DHL will seine Packstationen ausbauen. Sie sind auch klimafreundlicher als Haustür-Lieferungen. Doch nicht jeder Stadtteil Kassels hat Packstationen.

Kassel – Das Warten auf einen Paketboten, das Richten nach den Öffnungszeiten einer Paket-Annahmestelle: Das ersparen Paket-Automaten den Kunden. Die müssen nur noch den – im Idealfall kurzen – Weg zum Automaten hinter sich bringen. Die DHL nennt sie Packstationen, bei Amazon heißen sie Amazon-Locker (Spind).

24 Packstationen von DHL in Kassel

Hermes hat mit der Hermes-Box ein ähnliches System mit derzeit elf Standorten und GLS hat vor einem halben Jahr seine erste Paketstation in Erding bei München eröffnet. In Kassel haben nach Informationen unserer Zeitung Amazon und DHL Paketstationen.

Sind mittlerweile ein gewohnter Anblick: Diese DHL-Packstation steht auf einem Supermarktparkplatz an der Frankfurter Straße in Kassel.

Laut dem Standortfinder der Deutschen Post gibt es in Kassel 24 Packstationen. Sie sind aber nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt. In Wehlheiden und Mitte gibt es mehrere Stationen, die oft hoch ausgelastet sind. Auch in Wesertor, Fasanenhof, Kirchditmold und Bettenhausen ist die Auslastung der Packstationen oft hoch. Wilhelmshöhe, Südstadt, Brasselsberg und Rothenditmold haben dafür keine Packstation.

In Süsterfeld-Helleböhn setzt sich der Ortsbeirat dafür ein, dass DHL eine Packstation aufstellt. Es ist die einzige Planung, die DHL-Pressesprecher Thomas Kutsch bestätigt. Damit eine Packstation aufgestellt werden kann, müssen Behörden und Grundstückseigentümer zustimmen und auch genug Nachfrage da sein. Die Station selbst könne, sobald man sich einig sei, innerhalb einiger Werktage aufgestellt werden, erklärt Thomas Kutsch weiter.

Grundsätzlich will DHL weiter Packstationen aufstellen. „Die Zahl der Pakete steigt. Ohne die Packstation würden wir die Menge an Sendungen nicht bewerkstelligen können“, sagt der DHL-Sprecher. Auch in Kassel solle Stück für Stück ausgebaut werden.

Die Zustellung an die Häuser wird es immer geben.

Thomas Kutsch, DHL-Pressesprecher

„Den Kunden Empfang und Versenden so einfach wie möglich zu machen – flexibel, unabhängig von Öffnungszeiten“, sei das Ziel, das DHL mit den Packstationen verfolge. Gleichzeitig sagt Thomas Kutsch aber auch: „Die Zustellung an die Häuser wird es immer geben.“

Packstationen: 11 Amazon-Locker in Kassel

Auf Anfrage teilte Amazon keine detaillierten Informationen zu den Amazon-Lockern in Kassel mit. An ihnen können lediglich Sendungen von Produkten empfangen werden, die bei Amazon verkauft und mit Amazon Logistics versendet wurden. Laut Google gibt es elf Amazon-Locker in Kassel, versehen mit Codenamen wie „mutig“, „Keulenlilie“ oder „Brechnuss“.

Dieser Amazon-Locker heißt „Aleid“.

Packstationen in Kassel: So bald wird es keine Hermes-Box geben

Hermes plant derzeit nicht konkret, Paketstationen in Kassel aufzustellen. Stattdessen betont das Unternehmen, dass es in Kassel 54 Paketshops für Hermes-Kunden gebe. Wer Pakete statt an Privatadressen an einen Paketshop versende, bezahle nicht nur weniger Porto, sondern spare so beim Versand bis zu 25 Prozent CO2 ein, teilt das Unternehmen weiter mit.

GLS will Packstationen in Nordhessen vorantreiben

GLS hat laut einem Unternehmenssprecher in Kassel keine Paketstationen, wobei der Ausbau in Nordhessen aber vorangetrieben werden soll. GLS wolle in Zukunft auch auf anbieteroffene Stationen setzen, denn das habe Vorteile für den Kunden, heißt es weiter.

DHL ist Marktführer

Laut einer Studie des Logistikunternehmens Pitney Bowes transportiert DHL in Deutschland 48 Prozent des gesamten Paketvolumens. Es folgt Hermes mit 16, UPS mit zwölf, DPD mit zehn, GLS mit sieben und FedEx mit sechs Prozent Anteil. Laut der Befragung von Pitney Bowes sind die Deutschen im Vergleich zu Engländern und Franzosen Paketstationen zugeneigter und Paketshops gegenüber besonders abgeneigt. Am beliebtesten ist hierzulande die Zustellung direkt nach Hause. (Johannes Rützel)

Alternativen für den Packetversand: Anbieter offene Packstationen

Das österreichische Unternehmen Myflexbox bietet Paketstationen an, die Pakete von unterschiedlichen Logistikern aufnehmen können. Laut einer Unternehmenssprecherin will die Firma auch in Hessen solche offenen Stationen aufstellen – für Gespräche mit Partnern aus der Stadt Kassel sei man offen. Gegenüber einer Haustürzustellung würde die Lieferung an eine Paketstation bis zu 350 Gramm CO2 einsparen, heißt es weiter, das seien bis zu 75 Prozent Einsparpotenzial pro Paket. Lieferbündelung ist der Fachbegriff, unter dem Lieferverkehr und Personalbedarf reduziert werden soll.

In Braunschweig hat Myflexbox schon 13 Stationen aufgestellt, in Kooperation mit GLS und UPS. Das Besondere: Die Stationen stehen vor allem in den Randbezirken der Stadt, und zwar auf Flächen der Wohnungsgesellschaft Nibelungen Wohnbau. Die Boxen werden laut einer Sprecherin von Nibelungen Wohnbau gut angenommen. (Johannes Rützel)

In Kassel ärgert man sich über die vielen Lieferwagen der Paketzusteller, die regelmäßig Bürgersteige blockieren. Diese sind oft sogar als Schulwege ausgewiesen.

Rubriklistenbild: © Johannes Rützel

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