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Die Luft in Hessen sei sauberer geworden, so das Landesamt für Naturschutz. Doch die Deutsche Umwelthilfe mahnt vor unzureichenden Ergebnissen.
Frankfurt – Die hessische Luft wird sauberer. Das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) verkündete am Freitag (5. April) erfreuliche Neuigkeiten über die Luftqualität im Jahr 2023. Im sogenannten lufthygienischen Jahreskurzbericht wurden die geprüften Schadstoffwerte aufgeführt. Das Ergebnis: „Die Luft in Hessen ist im vergangenen Jahr nochmals sauberer geworden.“ Die gemessenen Grenzwerte für Stickstoffdioxid, Feinstaub oder Ozon wurden im Bundesland flächendeckend eingehalten oder sogar unterschritten. Ein positiver Trend, denn bereits seit 2021 werden in Hessen an allen Messstellen kontinuierlich weniger Schadstoffe freigesetzt, so das HLNUG.
Hessens Umweltminister Ingmar Jung (CDU) unterstrich erfreut die grundsätzlich guten Nachrichten. Gesunde Luft verbessere die Lebensqualität der Bürger. „Damit ist Umweltschutz auch Gesundheitsschutz. Wir werden weiter mit Augenmaß daran arbeiten, dass saubere Luft als Standortfaktor zu unserem lebenswerten Hessen beiträgt.“
Sauberere Luft in Hessen: Verbesserungen im Vergleich zu Vorjahren
Am schlechtesten war laut HLNUG-Bericht 2023 die Luft an der Schiede in Limburg und an der Hügelstraße in Darmstadt, zumindest den Stickstoffdioxidwerten nach zu urteilen. 37 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft waren es hier im Jahresmittel. Es ließen sich jedoch an beiden Standorten immerhin leichte Verbesserungen zum Vorjahr feststellen.
Eine Verbesserung war auch an den Straßen mit der dicksten Luft in Gießen, Offenbach und Wiesbaden zu verzeichnen. Noch vor wenigen Jahren war der Stickstoffdioxidgehalt hier deutlich über den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter hinausgewachsen. 2023 wurden nur noch 30 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen.
Glänzen kann Hessen schon seit Jahren bei den Feinstaubwerten. Diese liegen weiterhin unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse ein Erfolg zu sein, doch Anna-Lena Franke von der Deutschen Umwelthilfe e. V. fällt auf Nachfrage dieser Redaktion ein vernichtendes Urteil. „Die Luft in Hessen ist nach wie vor fast flächendeckend gesundheitsschädlich.“ Vor allem die Werte in Limburg und Darmstadt seien für die Gesundheit der Menschen vor Ort „verheerend.“
Natürlich freue es den Verein, wenn Verbesserungen der Luftsauberkeit festgestellt würden, jedoch müssten die Ergebnisse richtig eingeordnet werden, denn „die aktuellen Grenzwerte, an denen das gemessen wird, sind viel zu hoch.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe bereits 2021 neue Luftschadstoff-Richtwerte beschlossen, die ein aussagekräftigeres Bild zuließen. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den vergangenen Jahren könnten diese langfristig eher für eine echte Verbesserung der Luftqualität sorgen. Diese neuen Werte liegen deutlich unter denen, die aktuell nach der europäischen Luftqualitätsrichtlinie der EU in Deutschland gelten.
Legt man die aktuellen WHO-Grenzwerte als Maßstab an, steht Hessen nicht mehr so gut da. 5 statt 25 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter und 10 statt 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter bleibt an der überwiegenden Mehrheit der Messstandorte ein frommer Wunsch. Keine einzige Messstelle in Hessen hält 2023 die aktuelle WHO-Richtlinie in Sachen Feinstaub ein und auch über 80 Prozent erreichen weit höhere Stickstoffdioxid-Werte, als die WHO empfiehlt. „Die Luftqualität in Hessen ist ungenügend. Die Menschen müssen weiterhin gesundheitsgefährdende, krankmachende Luft atmen“, warnt Franke.
Neue Grenzwerte für Luftsauberkeit: EU erarbeitet Kompromiss
Die in Deutschland geltenden Grenzwerte sollen bis 2030 angepasst werden. Ein Kompromiss der EU, der im April noch vom Europäischen Parlament und schließlich den Mitgliedsstaaten angenommen werden muss, soll sich den WHO-Richtwerten annähern. Doch auch diese entsprechen beim Stickstoffdioxid und Feinstaub mit 20 und 10 Mikrogramm pro Kubikmeter dem Doppelten von dem, was die WHO vorschlägt. Damit seien auch die potenziellen neuen Grenzwerte für die Gesundheit der Menschen viel zu hoch, bemängelt die Deutsche Umwelthilfe. Die düstere Bilanz für Hessen: Über 50 % der Messstellen halten auch die voraussichtlich neuen Werte für Stickstoffdioxid nicht ein.
Verbesserung der Luftsauberkeit in Hessen: „Luftqualität geht uns alle an“
Es müsse sich weiterhin aktiv für saubere Luft eingesetzt werden, gibt auch HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid zum Abschluss des Berichts zu bedenken. Er mahnt dazu, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um grundsätzliche Emissionen zu vermindern.
Die Deutsche Umwelthilfe fordert vor allem von staatlicher Seite mehr effektive Maßnahmen zur Luftschadstoffminderung. „Luftqualität geht uns alle an.“, so Franke im Gespräch. Eine Verbesserung könne nur bedingt zu den persönlichen Verantwortlichkeiten der Bevölkerung zählen. Entsprechende strukturelle Vorgaben, vor allem in den Bereichen Verkehr, Energie und Landwirtschaft, seien notwendig, um eine langfristig saubere Luft zu gewährleisten. (Maibrit Schültken)
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