Tarifverhandlungen

Mehr Geld fürs Lufthansa-Bodenpersonal in Frankfurt gefordert

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Die Gewerkschaft Verdi präsentiert ihre Forderungen für die nun anstehende Tarifrunde mit der Lufthansa. Es soll ein „ordentlicher Schluck aus der Pulle“ für die Beschäftigen her.

Frankfurt - Vor der nächsten Tarifrunde, die im Januar startet, hat das Bodenpersonal der Lufthansa die konzernweit höchsten Forderungen aufgestellt. 12,5 Prozent mehr Gehalt sollen es sein, mindestens aber 500 Euro. Die Auszubildenden sollen pro Monat 250 Euro mehr bekommen. Auch die Wiedereinführung einer Schichtzulage, mehr Urlaubsgeld und eine Inflationsausgleichsprämie stehen auf der Liste der Forderungen. „Ja, es sind die höchsten Forderungen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky, „aber am Boden wurde in den letzten Jahren auch viel gespart.“

Deswegen soll jetzt ein „ordentlicher Schluck aus der Pulle“ für die bundesweit rund 25 000 Beschäftigen her. In Frankfurt würden zwischen 10 000 und 15 000 Beschäftigte davon profitieren. Der letzte Tarifabschluss liegt gut 18 Monate zurück; seitdem sei die Welt an den Flughäfen nicht rosiger geworden. Zumindest für das Personal und die Reisenden. Im Management könne man nicht klagen, berichtet die Gewerkschaft Verdi am Montagmittag bei der Präsentation der Forderungen. Die Lufthansa erzielte nach Corona wieder positive Ergebnisse, legte in diesem Jahr gar das zweitbeste Quartal ihrer Geschichte hin. Möglich gemacht hätten das aber die Beschäftigten, wie Reschinsky betont. Auch das Bodenpersonal.

Verdi: An allen Stellen fehlt Personal

Das pfeife aber mitunter aus dem letzten Loch. Die Sparmaßnahmen in der Corona-Zeit machten sich nun bemerkbar. An allen Stellen fehle Personal. Nicht nur Fachkräfte, sondern ganz allgemein Arbeitskräfte. Mit besserer Entlohnung soll dem Schwund entgegengewirkt werden, auch weil die Konkurrenz der Lufthansa längst besser zahlt. „Die Lufthansa muss jetzt nachziehen und ihre Bedingungen verbessern.“

Das Lufthansa-Bodenpersonal ging im vergangenen Jahr für bessere Löhne auf die Straße. Michael Schick

So berichtete am Montag Claudia Witte-Salvoch über den Alltag ihrer Kolleg:innen an den Check-in-Schaltern und am Gate. „Der Ton wird rauer. Wir werden bespuckt und beschimpft. Die Aggressivität hat zugenommen.“ Seit 35 Jahren macht Witte-Salvoch ihren Job bereits. Früher hatte sie mehr Kolleg:innen, es gab mal Zeit zum Durchatmen, und man war nicht allein am Gate. Heute seien Überstunden fast Usus; die Arbeit müsse sich wieder auf mehr Schultern verteilen. „Ich habe der Lufthansa viel zu verdanken. Aber die Lufthansa hat auch mir viel zu verdanken.“ Dafür fordere sie nun Anerkennung.

Christine Springl sprach aus Sicht einer Mechanikerin in München. Auch in ihrem Bereich sei während Corona Personal abgebaut worden. Viele hätten das angebotene Abfindungsprogramm wahrgenommen. Heutzutage fehlten hoch qualifizierte Techniker:innen. Neues Personal müsse erst sechs bis acht Jahre Erfahrung am Flugzeug sammeln, bis man eigenverantwortlich Abnahmen machen könnte. „Wir stehen heute mehr unter Druck“, sagte Springl angesichts der dünnen Personaldecke. Im kommenden Jahr würden 140 technische Kräfte allein am Flughafen München fehlen, erklärte sie.

Verdi fordert Angleichung der Arbeitszeiten von Ost und West

In anderen Bereichen sieht es nicht besser aus. Udo Stoye ist seit zwölf Jahren Crewbusfahrer. Auch dort fehle Personal; zudem würden neue Kolleg:innen zunächst in einer Leihfirma angestellt – für weniger Gehalt. Das müsse sofort beendet werden. Das Geld reiche nicht, um in der Region über die Runden zu kommen.

Riccardo Fröhlich arbeitet bei der Lufthansa-Tochter EFM am Flughafen München. Dort schleppt und enteist man die Maschinen vor den Flügen. „Wir sind die Letzten, die um das Flugzeug noch mal rumgehen. Unser Job ist wichtig“, sagte er. Einen Tarifvertrag habe man trotzdem nicht, werde von den Errungenschaften der kommenden Runde nicht profitieren.

Pierre Bartholomäus ist Teil der Lufthansa-Technik am BER in Berlin. Dort (wie an allen ostdeutschen Standorten) gilt die 40-Stunden-Woche. Man arbeite zweieinhalb Stunden mehr pro Woche als die Kolleg:innen im Westen – für das gleiche Gehalt. Deshalb fordert Verdi in der kommenden Woche die Angleichung der Arbeitszeiten von Ost und West auf 37,5 Stunden. Mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall sei dies mehr als überfällig. (Steven Micksch)

Die Goethe-Uni hat kurz nach Besetzung der früheren Dondorf-Druckerei in Frankfurt Strafantrag gestellt. Das hat sie jetzt betont. Die Besetzer beklagen mangelnde Dialogbereitschaft.

Rubriklistenbild: © Michael Schick

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