VonFlorian Leclercschließen
Die Menschen in Frankfurt laufen weniger als früher. Die neue Fußgängerbeauftragte will das ändern.
Autos, die auf dem Gehweg parken; E-Scooter, die mit Tempo 20 über den Bürgersteig fahren und anschließend dort herumstehen; Bordsteine, die nicht abgesenkt sind; Baustellen, bei denen Menschen zu Fuß oder im Rollstuhl die Straßenseite nicht barrierefrei wechseln können. Die Liste von Problemen im Fußverkehr ist lang.
Das Mobilitätsdezernat in Frankfurt hat nun die neue Fußgängerbeauftragte vorgestellt, die am 1. Februar ihren Dienst angetreten hat. Gladys Vasquez Fauggier ist die erste Ansprechpartnerin für Bürgerinnen und Bürger, wenn es um Probleme im Fußverkehr geht.
Die 35-Jährige wohnt in Darmstadt, hat Architektur studiert und einen Master in Stadtentwicklung gemacht. An der TU Darmstadt war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin. Ihre Dissertation zu aktiver Mobilität in urbanen Räumen hat sie in diesem Jahr fertig geschrieben und verteidigt – sie muss nur noch publiziert werden.
Ohne eigenes Auto unterwegs
„Jeder, der in Frankfurt läuft, sollte das gerne tun und sich dabei sicher fühlen“, sagt sie beim Kennenlerntermin im Mobilitätsdezernat. „Die Menschen sollten mehr und längere Wege zu Fuß gehen.“ Sie selbst gehe viel zu Fuß, fahre Fahrrad, nutze den öffentlichen Nahverkehr, leihe sich ein Auto über Carsharing. „Ein eigenes Auto habe ich nicht.“
Die Probleme im Fußverkehr kenne sie natürlich auch, sagt Vasquez Fauggier, „auch ich ärgere mich manchmal über E-Scooter, die auf dem Gehweg liegen.“ Aber sie sei ein Mensch, der positiv in die Zukunft blicke und Dinge zum Guten verändern wolle.
Ihre nächste Aufgabe wird sein, eine Ausschreibung vorzubereiten, damit ein Büro die „Teilstrategie Fußverkehr im Rahmen des Masterplans Mobilität“ erstellen kann. Wenn die Ausschreibung 2025 erfolgt, könnte die Teilstrategie Fußverkehr Ende 2025 fertig sein. Bürgerinnen und Bürger sowie zivilgesellschaftliche Organisationen sollen beispielsweise über Ortsbegehungen eingebunden werden.
Anteil des Fußverkehrs gesunken
Den 200 Seiten langen Masterplan Mobilität gibt es bereits. Dort steht auf sieben Seiten, worum es in der Teilstrategie Fußverkehr gehen soll: „Ziel ist eine sichere und barrierefreie Stadt der kurzen Wege“.
Die Ausgangslage in Frankfurt fasst Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne) zusammen: Die Frankfurterinnen und Frankfurter hätten zuletzt 70 Prozent ihrer Wege unter einem Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Insgesamt seien sie 26 Prozent aller Wege zu Fuß gegangen. Die Zahlen gehen auf die Studie „Mobilität in Städten“ der TU Dresden von 2018 zurück.
Während der Anteil des Radverkehrs auf etwa 20 Prozent gestiegen ist, sank der Anteil des Fußverkehrs in den vergangenen zwei Jahrzehnten um drei Prozentpunkte. Das Ziel ist nun, den Anteil des Fußverkehrs um drei Punkte auf 29 Prozent der Wege zu erhöhen.
Wege ohne Hindernisse
„Wir brauchen eine systematische Herangehensweise“, sagt Siefert. „Wir müssen systematisch und netzorientiert denken“, sagt auch Vasquez Fauggier. Wie im Radverkehr müssten die Menschen zu Fuß längere Wege ohne Hindernisse zurücklegen können. „Wir müssen die Gehwege freihalten und auf Gehwegen aufräumen“, sagt sie.
Siefert ergänzt, neue Parkscheinautomaten bekämen keinen Platz mehr auf dem Gehweg. Denn die Verkehrsflächen in der Stadt seien ungleich verteilt: Etwa 80 Prozent für den Autoverkehr und 20 Prozent für alle anderen Verkehrsarten. Dabei sei Zufußgehen die platzsparendste Fortbewegungsart – und gut für die Gesundheit.
Kontakt: fussverkehr@stadt-frankfurt.de
