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Ein „Friedensmarsch für Gaza“ am Freitag durch die Frankfurter Innenstadt bleibt nur mühsam friedlich. Die Polizei greift hart durch und nimmt Personalien von Störern auf.
Fankfurt – Zum „Friedensmarsch für Gaza“ mit anschließendem Friedensgebet sind am Freitagnachmittag (3. November) 400 Teilnehmer gekommen, angemeldet waren 50. So friedlich war es aber auf dem Weg vom Rathenauplatz durch die Freßgass’ bis zum Kaisersack nicht. Die Sprechchöre „Kindermörder Israel“ werden ebenso scharf von der Polizei unterbunden wie Plakate mit der Aufschrift „From the River to the Sea, Palestine will be free“.
Die Durchsagen werden mit „Buh-Rufen“ quittiert und dem Ruf „Blut an euren Händen“ Richtung Polizei. Erst nach vielfachen Bitten der Anmelderin, alle Plakate zu entfernen, darf der Zug unter riesigem Polizeiaufgebot losziehen. Nicht weit, denn nach wenigen Metern fällt den Beamten ein Plakat mit „SS-Runen“ auf und sie stoppen den Zug.
Hetze gegen Juden bei Gaza-Demo in Frankfurt am Freitag
Was nicht wirklich friedlich anfing, bleibt es auch nicht. Dabei sollte es darum gehen, dass der Krieg beendet wird und Menschenrechte gewahrt werden. Unerwähnt bleibt die Terrororganisation Hamas, die am 7. Oktober ihren barbarischen Angriff auf Israel startete. Die Anmelderin fordert die Teilnehmer unterwegs auf, Pressevertreter zu fotografieren und zu filmen, „da sie ja auch fleißig Fotos machen“. Einige Journalisten werden scharf gebeten, „nicht einseitig zu berichten“.
Die meisten Teilnehmer wollten sich aber wohl für Frieden einsetzen. Plakate mit der Aufschrift „Eines Tages werden Kinder aus Gaza mit Kindern aus Nazareth in Jerusalem spielen“ sind Indiz dafür. Anders sieht das bei Schildern wie „Es ist kein Konflikt, wenn die eine Seite ein Gewehr hat, die andere betet“. Eine Frau, die zwei als blutende Kinder dargestellte Kissen im Arm hält, muss ebenso auf ihren Protest verzichten wie viele andere, die Israel ihr Existenzrecht absprechen oder gegen Juden hetzen. Die Polizei hat während der fast anderthalb Stunden dauernden Kundgebung alle Hände voll zu tun, um die 400 Teilnehmer im Zaum zu halten.
Störer von Polizei kontrolliert – „Friedensmarsch für Gaza“ bleibt nur mühsam friedlich
Mit Mühe schafft es die Anmelderin mit ihren Ordnern, dass Israel-feindliche Flyer nicht mehr verteilt werden, und sie bitten sogar einmal die Beamten um Hilfe, da eine der Personen immer wieder auf dem Rathenauplatz auftaucht. Aus den Rufen „Stoppt den Kindermord“ wird „Stoppt den Krieg. Waffenstillstand jetzt“. Rufe wie „Stoppt den Genozid in Gaza“ verstummen nach Ermahnungen der Polizei. Die Menge entscheidet sich schließlich, einen „Friedensmarsch“ zu machen. Friedlich. Wohl deswegen, weil die Störer von der Polizei ausgemacht wurden und ihre Personalien aufgenommen wurden. Wie viele Strafverfahren eingeleitet wurden, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.
Auch am Samstag ist mit mehreren Kundgebungen in der Innenstadt zu rechnen, die sich das Thema Palästina auf die Fahnen geschrieben haben. (Sabine Schramek)
Großdemonstration in Essen mit rund 3000 Teilnehmern: Dort gab es Forderungen nach einem Kalifat und islamistische Banner – weitere Proteste werden erwartet.