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Am 28. Juni jährte sich die Polizei-Razzia in der New Yorker Christopher Street – und damit der Ursprung des weltweiten CSD. Auch in Hessen stehen Demos an.
Update vom Montag, 30. Juni, 9.45 Uhr: Für Vielfalt eintreten, ein Zeichen gegen den Rechtsruck der Gesellschaft setzen, war Motivation für viele der mehreren Hundert Demonstranten, sich dem Zug durch Hanau anzuschließen. „Ich erlebe es im Kindergarten häufig, dass Eltern ihren Kindern erzählen, Beziehungen zwischen Frauen und Frauen, Männer und Männern seien nicht in Ordnung“, sagte eine Erzieherin dem Hanauer Anzeiger.
Für Christoph Degen, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur und Redner auf der Kundgebung am Freiheitsplatz, sei zwar tatsächlich vieles erreicht worden, wie etwa die Ehe für alle und das Selbstbestimmungsgesetz, das es transgeschlechtlichen, intergeschlechtlichen und nichtbinären Personen ermöglicht, ihren Geschlechtseintrag und ihre Vornamen einfacher ändern zu lassen.
Deutschland sei hier, im internationalen Vergleich, auch mit Blick nach Ungarn und den USA, eine Insel, sagte Degen. Doch auch bei uns gebe es starke Kräfte, die diese Entwicklungen zurückdrehen wollten. Die Arbeit für Vielfalt innerhalb der Gesellschaft fange daher erst an, so Degen, der hier auch besonders den ländlichen Raum im Blick hatte.
Flagge zeigen, im wahrsten Sinne des Wortes, war somit ein weiteres Anliegen der Teilnehmer, die auch aus dem Umland nach Hanau angereist waren und an der Spitze des Zuges eine überdimensionierte Regenbogenflagge vor sich hertrugen. Sichtbar für alle.
CSD-Events in Hessen stehen an – Frankfurt mit neuer Location
Erstmeldung vom Freitag, 27. Juni, 6 Uhr: Hessen – Am 28. Juni 1969 stürmten New Yorker Polizeikräfte bei einer Razzia die Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street. Wie das LSBT*IQ-Netzwerk Südhessen zum sich jährenden Anlass in Erinnerung ruft, durchsuchten sie die Gäste, verlangten Ausweispapiere und nahmen Personen fest, die sie für homosexuell hielten oder deren Kleidung nicht den stereotypen Geschlechterrollen entsprach. Wann genau der Aufstand in der Christopher Street begann, wird demzufolge unterschiedlich eingeschätzt. Doch eins ist sicher: Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bis heute wird um diesen Tag herum der Christopher Street Day (CSD) gefeiert.
Auch die hessischen queeren Communitys bereiten sich aktuell vielerorts auf Demonstrationen und Feierlichkeiten vor. Der nächste ist der CSD in Hanau. Laut dem Verein CSD Hanau startet am Samstag, 28. Juni, um 15 Uhr eine Demo am Hauptbahnhof. Im Anschluss gibt es ein „Get Together“ und eine Party.
Frankfurt feiert mehrere Tage lang CSD am Mainufer
Weitere zeitnahe CSD-Termine in Hessen sind beispielsweise der 5. Juli in Bad Homburg und Marburg, der 12. Juli in Fulda und der 16. August in Darmstadt.
Frankfurt feiert den CSD dieses Jahr vom 17. bis 20. Juli. Der Verein CSD Frankfurt e. V. hat jedoch einen Ortswechsel angekündigt: Die Veranstaltung zieht von der Konstablerwache an das Frankfurter Mainufer zwischen dem Eisernen Steg und der Untermainbrücke auf der nördlichen Mainseite. Neben Infoständen wird es dort auch mehrere Bühnen geben. Die Demonstration startet am Samstag, dem 19. Juli, um 12:30 Uhr auf dem Römerberg und endet am Schaumainkai.
Die Gründe für den Umzug sind vielfältig, so die Organisator*innen. Letztendlich sei es aber der nun neu zur Verfügung stehende Platz gewesen. Sie versprechen sich davon mehr Freiraum, bessere Luft und mehr Schatten am Fluss. Eine Neuerung, die der Umzug ermöglicht hat, ist ein Familien- und Kinderbereich beim Straßenfest und bei der Demonstration.
So lief der erste CSD in Witzenhausen




Zunehmend Bedrohungen gegen queere Communities zu vernehmen
Doch Veranstaltungen für Vielfalt sehen sich im Moment auch vermehrt Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt. So sind etwa kurz vor einer Kundgebung für Vielfalt im Juni im ostbrandenburgischen Bad Freienwalde Beteiligte – teils aus der queeren Community – von mutmaßlichen Neonazis angegriffen worden. Zwei Personen wurden leicht verletzt. Rechtsextreme Gruppen nutzen laut Behörden zunehmend Veranstaltungen rund um den Christopher Street Day zur Mobilisierung.
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