VonAnnette Schleglschließen
Traurige Kunde aus Trebur: 1800 Hausschweine müssen getötet werden, weil in dem Stall ein Fall von Afrikanischer Schweinepest aufgetreten ist.
Update vom 30. Juli, 16:18 Uhr: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist jetzt in einem riesigen Schweinebestand in Trebur (Kreis Groß-Gerau) aufgetreten. Wie die Kreisverwaltung am Dienstag, 30. Juli, mitteilte, müssen rund 1800 Zucht- und Mastschweine getötet werden – so viele wie noch nie seit dem ersten Auftreten der Tierseuche in Hessen.
Der Landwirt hatte der Veterinärbehörde am Sonntag, 28. Juli, den Fund eines toten Tieres mitgeteilt. Proben wurden entnommen, die vom Hessischen Landeslabor untersucht wurden. Am Montagabend die Gewissheit: Das tote Hausschwein war ASP-positiv. Der Stall, der an der Landesstraße zwischen Groß-Gerau-Wallerstädten und dem Treburer Ortsteil Geinsheim liegt, ist damit der achte betroffene Betrieb im Kreis Groß-Gerau.
Landesstraße und Zufahrt zur Rheinfähre Kornsand werden gesperrt
Eine Spezialfirma wurde mit der Tötung der Hausschweine beauftragt, für die sie Platz und „mindestens zwei Tage braucht“, so die Kreis-Pressestelle. Die Landesstraße 3094 muss deshalb genauso wie der straßenbegleitende Radweg zwischen Wallerstädten und Geinsheim von Mittwochmorgen an bis voraussichtlich Freitagnachmittag gesperrt werden.
Davon ist auch die Zufahrt zur Rheinfähre am Kornsand betroffen. Eine Umleitung für den Auto- und Radverkehr über Trebur wird eingerichtet. Auch die lokalen Buslinien sind von der Sperrung betroffen. . Aktuelle Informationen werden kurzfristig auf der Seite des Verkehrsbetriebes LNVG Kreis Groß-Gerau veröffentlicht: www.lnvg-gg.de.
Auch im Frankfurter Stadtwald wird nach Kadavern gesucht
Auf Frankfurter Gemarkung sind nach Angaben der Stadt dagegen bisher keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest festgestellt worden. Nach Angaben des Ordnungsamt hatte es von Montag bis Mittwoch vergangener Woche im Stadtwald eine intensive Suche nach verendeten Tieren gegeben, bei der Drohnen und Suchhunde zum Einsatz kamen. Alle entdeckten Kadaver waren virusfrei. Im südwestlichen Teil des Stadtwalds, der zur vom Land festgesetzten Restriktionszone liegt, gilt laut Stadt weiter die Anleinpflicht für Hunde und ein Jagdverbot.
Noch mehr Hausschweine im Kreis Groß-Gerau infiziert
Erstmeldung vom 23. Juli, 17.57 Uhr: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) greift nicht nur bei den Wildschweinen, sondern auch in den Ställen immer mehr um sich. Jetzt ist der Erreger in zwei weiteren Mastbetrieben im südlichen Kreisgebiet von Groß-Gerau festgestellt worden. Die Betriebe halten 17 und 170 Schweine in ihren Beständen, teilte das Landwirtschaftsministerium am Dienstagnachmittag mit. Seit Anfang Juli ist das Virus nun in insgesamt vier Schweinemastbetrieben im Kreis Groß-Gerau ausgebrochen; erst am Freitag und Samstag musste ein Landwirt in Stockstadt seine 1100 Tiere töten lassen, und Anfang Juli mussten schon neun Hausschweine in einem Bestand bei Biebesheim wegen der Tierseuche ihr Leben lassen. Mitte Juni war nahe einer Landstraße südlich von Rüsselsheim der erste ASP-Fall bei einem Wildschwein entdeckt worden.
Wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt, hatte der Halter des kleineren Hausschweinbestandes dem Veterinäramt des Kreises Groß-Gerau am Montag ein totes Tier gemeldet. In dem größeren Betrieb sei dem Landwirt aufgefallen, dass einige seiner Tiere auffällig schwach waren und verstärkt versuchten, sich zu kühlen, was für ein Fieber sprach. Das Kreisveterinäramt nahm sofort Proben, die noch am Abend vom Landeslabor als positiv bestätigt wurden.
Am Dienstag und Mittwoch Tötung sämtlicher Hausschweine wegen der Seuche
Man habe einige kranke Tiere in Nottötungen schon gleich einschläfern müssen, um ihnen unnötiges Leiden zu ersparen, hieß es. Die anderen Hausschweine müssen jedoch ebenfalls aus Gründen der Seuchenbekämpfung ihr Leben lassen; das Töten geschieht mit Elektrozangen. Am Dienstag wurde schon der Bestand des kleineren Hofs getötet, an diesem Mittwoch kommt eine Fremdfirma für die Tötung auf den größeren Hof.
Wie es zu dem Eintrag in die Schweineställe kam, ist erneut unklar. „Selbst die Fachleute sind am Forschen und überprüfen alle Möglichkeiten“, hieß es am Dienstag auf FR-Nachfrage aus der Pressestelle des Kreises Groß-Gerau. Die betroffenen Mastbetriebe liegen im Hessischen Ried. Wo genau, wollte der Kreis Groß-Gerau am Dienstag nicht preisgeben, um einen Massenauflauf zu vermeiden.
Infizierte Mastbetriebe liegen alle im Süden des Landkreises Groß-Gerau
Die wiederholten Ausbrüche in Hausschweinbeständen würden sich stark auf den südlichen Kreis Groß-Gerau konzentrieren, hieß es aus dem Ministerium. In einem Gebiet rund um die Knoblochsaue und den Kühkopf gebe es anscheinend eine hohe Viruslast, die aber nicht überraschend komme. Sie sei bereits von der EU-Veterinärmission vorhergesagt worden, die sich vor rund zwei Wochen bei Ortsterminen ein Bild von der Krisenarbeit in Hessen und Rheinland-Pfalz gemacht hatte.
Um das Seuchengeschehen auch künftig möglichst regional zu begrenzen, bitten die Behörden die Bürger und Bürgerinnen eindringlich, die Wege im freien Gelände nicht zu verlassen und ihre Hunde anzuleinen. Darüber hinaus müssen alle schweinehaltenden Betriebe zwingend strenge Schutz- und Hygieneregeln einhalten und ihre Bestände fortlaufend kontrollieren.
43 Wildschweinkadaver waren bisher mit Schweinepest-Virus infiziert
Bisher wurden 247 Wildschweinkadaver beprobt und 43 positiv getestet – allesamt im Kreis Groß-Gerau. Suchtrupps mit speziellen Kadaversuchhunden und Drohnen haben bereits eine Fläche von rund 17 000 Hektar abgesucht. Entlang des Kerngebiets stehen kniehohe Elektrozäune, die leicht versetzbar sind und angrenzende Gebiete vor dem Virus schützen sollen. In absehbarer Zukunft werden, so heißt es aus dem Ministerium, auch feste Gitter-Wildzäune aufgestellt, die für eine klare Abgrenzung zu nicht infizierten Regionen sorgen.
Um die Mastbetriebe, in denen die Schweinepest ausgebrochen ist, wurde eine Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern sowie eine Überwachungszone von zehn Kilometern Radius eingerichtet. Diese Zonen erstrecken sich teilweise bis in den Landkreis Darmstadt-Dieburg. Innerhalb dieser Zonen ist der Handel mit lebenden Schweinen grundsätzlich verboten. Auch für Produkte aus Schweine- und Wildschweinfleisch gelten starke Einschränkungen. Außerdem dürfen Gülle, Mist und benutzte Einstreu nicht aus der Schutzzone transportiert werden.
