Dubai-Schokolade in Kassel

Hype um die Luxusleckerei: Wie die Dubai-Schokolade nun auch Kassel erobert

Die Dubai-Schokolade ist dieser Tage auch in Kassel in aller Munde – nicht nur wortwörtlich. Doch was steckt dahinter? Kassel Chocolatiers klären auf.

Kassel – Bevor die Kasseler Konditormeisterin Amanda Dahl die flüssige Schokolade in die schon bereit liegenden Tafelförmchen gießen kann, muss sie diese durch stetes Rühren auf unter 30 Grad bringen – sonst bekäme die Schokolade einen gräulichen Farbton.

30 Grad – Diese Temperatur wird in Dubai während der Sommermonate nur ganz selten mal unterschritten. Die Millionenstadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten dürfte bei vielen wohl vor allem das Bild von Wolkenkratzern und Luxusgeschäften hervorrufen. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet von dort aus ein bei Hitze äußerst schmelzanfälliges Produkt über Social-Media-Plattformen wie Tiktok und Instagram nun die ganze Welt erobert. Die Rede ist von der Dubai-Schokolade.

Goldene Farbsprenkler sorgen für einen edlen Look: In der Kasseler Schokoladenmanufaktur „Schmunzelgeist“ werden derzeit jede Woche rund 50 Tafeln Dubai-Schokolade hergestellt.

Dubai-Schokolade wird auch von Kasseler Manufaktur hergestellt

Hierbei handelt es sich um eine Vollmilchschokolade mit einer Füllung aus Pistaziencreme und Kadayif – dünnen Teigfäden, die aufgrund ihres goldenen Aussehens auch unter dem Namen Engelshaar bekannt sind. Geziert wird das fertige Produkt von edel anmutenden Farbsprenklern auf der Oberseite. So simpel, so luxuriös – und dementsprechend auch nicht ganz billig.

13 Euro kostet die 100-Gramm-Tafel in der Schokoladenmanufaktur „Schmunzelgeist“ in der Kasseler Gilsastraße, wo Amanda Dahl und Tessa Bingemann das seit Monaten zunehmend gehypte Produkt jetzt auch selbst herstellen. „Ich finde die Kombination wirklich interessant, denn durch das Engelshaar bekommt die Schokolade eine sehr knusprige Konsistenz“, sagt Dahl, die die Pistazien für ihre eigene Version aus Sizilien bezieht.

Kasseler Chocolatier: Hype um Dubai-Schokolade wird vergehen

Der Kasseler Chocolatier Thomas Ernst von der „Pralinenwerkstatt“ in der Friedrich-Ebert-Straße hält vom aktuellen Trend hingegen nicht besonders viel. Er berichtet von explodierenden Pistazienpreisen, seit die Industriekonzerne auf den Zug aus Dubai aufgesprungen sind.

Für Kleinunternehmer wie ihn stelle die Entwicklung eine echte Herausforderung dar, zumal der Kakaopreis im Welthandel seit diesem Jahr ohnehin schon einen deutlichen Anstieg um derzeit über 100 Prozent zu verzeichnen hatte. Eine eigene Version der Dubai-Schokolade will Ernst daher nicht herstellen: „Wie jeder Hype wird auch dieser vergehen, und gegen Konzerne wie Lindt anzutreten ist sowieso aussichtslos. Deshalb konzentrieren wir uns lieber auf unser Kerngeschäft: Pralinen und weißer Nougat.“

Pistaziencreme und Engelshaar: Konditormeisterin Amanda Dahl verstreicht die cremig-knusprige Füllung der Dubai-Schokolade.

Dubai-Schokolade ist bei vielen Händlern in Kassel erhältlich

Dass die Nachfrage jedoch auch in kleineren Geschäften hoch ist, bestätigt Irfan Gülsahin, Inhaber von „House of Sweets“ in der Oberen Königsstraße. In seinem Süßwarengeschäft laufe der Verkauf sehr gut. Die 220-Gramm-Tafel kostet bei ihm 25 Euro und wird tatsächlich direkt in Dubai produziert.

Ob es sich bei der Luxusleckerei nur um einen kurzfristigen Hype handelt oder ob sie sich tatsächlich als Dauerbrenner in den Verkaufsregalen von Süßwarengeschäften, Supermärkten und Schokoladenmanufakturen etablieren kann, wird sich zeigen. Wer noch nicht probiert hat, bekommt die Schokolade derzeit jedenfalls bei immer mehr Händlern – sofern sie nicht vergriffen ist. (von Jan Neurath)

Von Dubai in die ganze Welt

Ihren Ursprung hat die Schokolade in Dubai: 2021 gründete die britisch-ägyptische Unternehmerin Sarah Hamouda dort ihre Firma „Fix Dessert Chocolatier“, die sich auf orientalisch angehauchte Schokoladenkreationen spezialisiert hat. Die Idee für die Kombination in der Dubai-Schokolade kam Hamouda durch die Gelüste, die sie während ihrer Schwangerschaft verspürte und war im weitesten Sinne angelehnt an die Süßspeisen, die ihre Mutter früher zubereitet hatte.

Doch so richtig durch die Decke geht die Luxusschokolade erst seit diesem Jahr. Ende 2023 postete die Influencerin Maria Vehera ein Video auf Tiktok, in dem sie die Kreation von „Fix Dessert Chocolatier“ begeistert verkostete. Das Video ging viral – der Hype war losgetreten. Über 98 Millionen Mal wurde der Clip inzwischen angeschaut.

Und so wollen Menschen auf der ganzen Welt nun auch einmal in den Geschmack dieser zweifellos besonderen Schokolade kommen. Marken wie Lindt und auch die großen Supermarkt-Ketten wie etwa Rewe haben das Verkaufspotenzial erkannt und vertreiben inzwischen Dubai-Schokoladen mit verschiedenen Rezepturen.

„Müssen auf 10.000 Tafeln pro Tag gehen“: Unternehmerinnen aus Hessen nutzen Hype um Dubai-Schokolade. Der derzeit größte Süßigkeiten-Trend weltweit, erobert heimische Supermärkte.

Rubriklistenbild: © Jan Neurath

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