Nahversorgung auf dem Land

Online-Anbieter myEnso will Supermarkt im Kreis Kassel eröffnen

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Der Helsaer Ortsteil Eschenstruth hofft schon seit Langem auf einen Supermarkt im Ort. Nun könnte ein neuer Lebensmittelladen wahr werden – wenn sich für das Projekt 300 Teilhaber finden.

Helsa – Einkaufen um die Ecke bei Tante Enso statt bei Tante Emma könnte es bald in Eschenstruth im Kreis Kassel heißen. Der ehemalige Edeka-Markt am Welleroder Weg steht seit dem plötzlichen Tod des Betreibers vor vier Jahren leer. Mehrere Versuche, das Gebäude von der Verwaltung zu kaufen, scheiterten an den Förderbedingungen, dann konnte sich die Erbengemeinschaft nicht einigen.

Gemeinde will mit Online-Supermarkt-Anbieter zusammenarbeiten

Schließlich konnte die Gemeinde im vergangenen Dezember den rund 800 Quadratmeter großen Markt erwerben. Die genaue Nutzung schien lange ungewiss. Jetzt ist klar, dass dort wieder ein Lebensmittelmarkt einziehen soll.

Dafür will die Gemeinde mit dem Online-Supermarkt-Anbieter myEnso zusammenarbeiten. Das Unternehmen aus Bremen setzt auf eine Mischung aus einem kleineren, durchgängig geöffneten Supermarkt und Selbstbedienungsladen – basierend auf einem Genossenschaftsmodell. Das heißt: Die potenziellen Kunden können Anteile kaufen.

Bürgermeister Andreas Schönemann (von links), Raoul Gerhold, Doris Ott und Heiko Köneke setzen sich für einen Tante-Enso-Markt im Ort ein.

„Das Modell ist sehr reizvoll“, sagt Bürgermeister Andreas Schönemann (SPD). Die Nahversorgung im ländlichen Raum sei schwierig. Früher habe es zwei Lebensmittelläden in Eschenstruth gegeben. Der abgelegene Standort des Edeka-Marktes habe viele Investoren abgeschreckt, für große Ketten sei das Dorf nicht rentabel genug. Das Konzept von myEnso sieht Schönemann also als beste Option für den Ort.

myEnso in Eschenstruth: Genossenschaftsmodell setzt auf Identifikation

Das könnte bald anders aussehen. Seit 2020 ist der ehemalige Edeka-Markt in Eschenstruth geschlossen.

Der Wunsch und Bedarf nach einem neuen Lebensmittelmarkt sei definitiv da, bestätigt Doris Ott aus Eschenstruth. Besonders für die älteren Bürger sei ein zu Fuß erreichbarer Supermarkt viel wert – auch als sozialer Treffpunkt. Ebenso profitiere die nahe gelegene Eschenwaldschule von einem neuen Lebensmittelgeschäft. „Der Ort stirbt sonst aus“, so Ott.

Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist über vier Kilometer entfernt in Helsa. Gemeinsam mit Heiko Köneke und Raoul Gerhold hat sich Doris Ott zur Aufgabe gemacht, das Tante-Enso-Projekt zu unterstützen. Eine Website, ein eigens erstellter Kampagnen-Film und eine Bürgerversammlung sollen die Eschenstruther zum Thema abholen.

Ein Anteil gibt es für 100 Euro - 300 Anteile für Markt nötig

Damit sich der Markt tatsächlich etabliert, muss das gesetzte Ziel von mindestens 300 Anteilseignern bis zum 5. Juni erreicht werden. Ab heute können Interessierte das Geschäft mit jeweils 100 Euro mitfinanzieren. Die Voraussetzung: Sie müssen in Eschenstruth oder in einem Umkreis von drei Kilometern wohnen.

Das Unternehmen wirbt damit, dass Anteilseigner Rabatte sowie Einkaufsgutscheine erhalten. Zudem können sie das Produktangebot und die Öffnungszeiten mitbestimmen. Das Sortiment von Tante Enso umfasse 3000 Artikel. „Alles, was man so braucht“, sagt Schönemann. Fehle etwas, könne man die Ware online bestellen und zum Geschäft liefern lassen.

Info

Die Bürgerversammlung findet am Montag, 13. Mai, um 19 Uhr in der Turnhalle der Eschenwaldschule statt. Weitere Infos und das Antragsformular unter: eschenstruth.tanteenso.de

Nur auf eine Frischetheke müssten die Eschenstruther künftig verzichten. Mit einer Chipkarte erhalten registrierte Kunden rund um die Uhr Zugang zum Laden. Während der regulären Öffnungszeiten setze myEnso Personal ein, erklärt Schönemann. Und die Preise? Die seien mit regulären Supermärkten vergleichbar. Es gebe jedoch keine Sonderangebote.

Neuer Supermarkt in Eschenstruth soll rund um die Uhr auf haben

Die Gruppe um Doris Ott ist überzeugt, dass es sich lohnt, in die bestehende Infrastruktur zu investieren und diese wiederherzustellen. Streichen, Trennwände ausbauen, Elektronik installieren – der potenzielle Umbau des Marktes sei „überschaubar und leistbar“, sagt Schönemann. Wenn alles klappt und die Eschenstruther mitziehen, könnte Tante Enso womöglich schon im Herbst eröffnen.

Info: Die Bürgerversammlung findet am Montag, 13. Mai, um 19 Uhr in der Turnhalle der Eschenwaldschule statt. Weitere Infos und das Antragsformular unter: eschenstruth.tanteenso.de.

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