Klimawandel ist mögliche Ursache

Pollenflug beginnt immer früher: Experten geben Tipps für Allergiker

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Für viele Allergiker sind die Pollen der Hasel eine Plage: Ihre Hauptsaison hat sie zwischen Februar und April. Im März ist die Belastung durch die Hasel am höchsten.
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Verstopfte Nase, gerötete Augen oder ein Kratzen im Hals: All diese Symptome kennt man von klassischen Krankheiten. Allerdings kann auch eine Allergie dahinter stecken.

Kreis Kassel – Der Pollenflug im Landkreis Kassel hat bereits begonnen. Der Nabu, ein Arzt und der Deutsche Wetterdienst berichten, welche Pollen schon fliegen und wie Allergiker Symptome bekämpfen können.

Nabu: Klimawandel kann Phasen des Pollenflugs vermutlich verschieben

Martin Lange vom Naturschutzbund (Nabu) Kaufungen/Lohfelden geht davon aus, dass der Klimawandel die Phasen des Pollenflugs vermutlich jahreszeitlich verschieben und ausdehnen kann. „Denkbar erscheint auch das begünstigte Auftreten von weiteren, bisher unbekannten Baum- und Grasarten im Zusammenhang mit den steigenden Temperaturen, die andere allergene Pollen freisetzen.“

Durch die steigende Jahresdurchschnittstemperatur in der Atmosphäre beginne die Blühsaison immer früher im Jahr. Ausgelöst wird die Pollenallergie meist durch den Eiweißanteil, der sich in den Pollen befindet. „Dieser löst in der Regel die entzündliche Immunantwort aus.“

Besonders häufig treten Baumpollen und Gräser als Verursacher auf. „Sie werden ausschließlich über die Luft und den Wind verbreitet. Derzeit blühen die Haselnusssträucher sowie Erlen.“ Birken, Eichen und Koniferen folgen in den nächsten Monaten. Während warme Luftmassen und Trockenheit den Pollenflug verstärken, vermindern ihn Kühle und Regen. „Der Regen führt zur Auswaschung der Pollen aus der Luft“, sagt Lange.

Deutscher Wetterdienst: Blühbeginn von Hasel und Erle bereits im Januar

Dass der Pollenflug immer früher beginnt, bestätigt auch der Deutsche Wetterdienst (DWD), der eine Wetterstation in Schauenburg-Elgershausen besitzt. Von dort aus werden Wetterdaten für die Region erfasst und in die ganze Welt geschickt. „In den vergangenen zehn Jahren häuften sich die Fälle, in denen der Blühbeginn von Hasel und Erle bereits im Januar einsetzte“, sagt Dr. Christina Endler vom Deutschen Wetterdienst.

Bei der Erle sei es vor allem die Purpurerle, die die Erlenpollensaison schneller beginnen lässt. Diese Art ist vor allem in Städten anzutreffen. „Das Belastungsniveau ist infolge der aufkommenden Niederschläge allerdings aktuell eher gering“, teilt Endler weiter mit. In der nächsten Zeit werde bei den Pollenflugvorhersagen des Deutschen Wetterdiensts weiter die Erle im Fokus stehen. „Gefolgt von Esche und Birke im Frühjahr.“

Tipps für Allergiker

Wer an einer Pollenallergie leidet, muss nicht all seine Pflanzen aus dem Garten verbannen. „Nur bei sicher nachgewiesenen, schweren spezifizierten Allergien sollte aus Naturschutzsicht auf Pflanzen verzichtet werden“, sagt Martin Lange, erster Vorsitzender der Nabu-Gruppe Kaufungen/Lohfelden. Sterile Züchtungen, die einige Gärtnereien speziell für Allergiker anbieten, sollten hingegen besser nicht gekauft werden. „Sie erfüllen die ökologische Funktion im Hausgarten nicht, da sie wenig Insektennahrung liefern“, erklärt Martin Lange.

Das Tragen von Atemschutzmasken, medikamentöse Unterstützung oder eine Hyposensibilisierung kann hingegen die Schwere der Symptome lindern, so der Experte. Seine Empfehlung: „Durch gezieltes Lüften der Wohn- und Aufenthaltsräume in den pollenflugarmen Nachtstunden kann die Pollenlast vermindert werden.“

Arzt: Wenige Patienten kommen momentan mit Allergie-Symptomen in die Praxis

Bei Allgemeinmediziner Gunter Lehmann aus Ihringshausen kommen derzeit noch sehr wenige Patienten mit allergischen Symptomen in die Praxis. „Im Moment regnet es andauernd. Als das Wetter kurzzeitig etwas schöner war, hatten wir ein paar Patienten mit Allergie.“

Wegen der Vielzahl an regnerischen Tage waren bisher insgesamt weniger Patienten als im vergangenen Jahr zu dieser Zeit von Allergiesymptomen betroffen.

Allergietest kann Klarheit bringen

Lehmann geht davon aus, dass Allergien im Frühjahr wieder verstärkt auftreten werden. Wer sich unsicher ist, ob er an einer Allergie leidet, sollte einen Test machen. „Da bekommen die Patienten einen Stempel auf den Unterarm, in dem sich die verschiedenen Substanzen befinden.“ Reagiert der Mensch allergisch, entsteht eine Quaddel auf der Haut. Daran kann abgelesen werden, wie stark ausgeprägt die Allergie ist. Ein solcher Test kann zu jeder Jahreszeit gemacht werden.

Die Hauptmethode, mit der die Allergie bekämpft werden kann, ist die Desensibilisierung. „Hier wird den Allergikern für drei Jahre einmal im Monat der Allergieauslöser (zum Beispiel Gräser) unter die Haut gespritzt.“ Dadurch soll sich der Körper an die Pollen gewöhnen.

Methode erweist sich als erfolgreich

Die Methode ist bei etwa 80 Prozent der Patienten erfolgreich. Als Alternative zur Desensibilisierung ist es auch möglich, Tabletten einzunehmen. „Die wirken auch, aber nicht so gut“, so Lehmann. Bei besonders stark ausgeprägten Allergieanfällen kann auch Kortison verschrieben werden. (Annika Beckmann)

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