VonMatthias Lohrschließen
Erneut wurden Radbügel in Kassel durch Unbekannte entfernt. Die Aufregung lässt nicht nach. Dabei setzen viele deutsche Städte auf die Variante, die in Kassel kritisiert wird - mit Erfolg.
Kassel – Erneut sind in Kassel Radbügel von Unbekannten demontiert worden – offenbar aus Protest gegen die umstrittenen Radständer, über die seit Monaten in der Stadt hitzig gestritten wird. Im Kiefernweg am Jungfernkopf wurden in der Nacht zu Sonntag vier Radbügel entfernt, die in Bodenhülsen festgeschraubt waren. Ein Ständer ist verschwunden.
Fahrradbügel in Kassel: Diskussionen und Vandalismus rund um die Ständer
Es ist in diesem Jahr bereits die dritte Aktion gegen Radbügel. Im März sowie Anfang August hatten Unbekannte Radbügel im Vorderen Westen demontiert. Wie schon damals, gab es auch für das Entfernen der Ständer in Jungfernkopf von manchen Lob. So schrieb ein Facebook-Nutzer: Es sei „typisch Ideologen-Schwachsinn, wenn sich der Bügel so einfach entfernen lässt. Die Fahrradstellplätze werden nicht benutzt, weil sie komplett untauglich sind.“ Zuvor hatten Unbekannte die Bügel im Kiefernweg mit bunten Bändern versehen, auf denen Botschaften standen wie: „1 Jahr ungenutzt! Jubiläum!?“
Viele Kasseler ärgern sich über die Radständer, weil sie angeblich nicht genutzt werden. Die Stadt will die Standorte überprüfen. Zudem wird das am Jungfernkopf verwendete Modell kritisiert. Diese Bügelvariante kann etwa für Straßenfeste und Kranaufstellungen einfach entfernt werden, indem die Gewinderinge gelöst werden. Darüber machte sich das NDR-Satireformat „Extra 3“ in einem Beitrag lustig, der im Netz mehr als 300.000 Mal abgerufen wurde. Der ZDF-„Länderspiegel“ nannte den Fall den „Hammer der Woche“. Die demontierbaren Radbügel aus Kassel sind im Netz zur Lachnummer geworden. Dabei stehen sie in der ganzen Republik.
Andere Städte nutzen ähnliche Fahrradständer wie Kassel
So werden Radbügel, die mit einer Hülse im Boden verschraubt werden, etwa in Mainz, München und Paderborn verwendet. Auch in Karlsruhe, wegen seiner Fortschritte als deutsches Kopenhagen gepriesen, setzt man auf diese Variante, die von Herstellern als „Kreuzberger Bügel“ beworben wird.
Auf Anfrage weist ein Sprecher der Stadt Kassel darauf hin, dass alle seit Ende 2021 über das aktuelle Förderprogramm errichteten Radständer mit einem zusätzlichen Querholm versehen sind. Raddiebe, die laut Kritikern bei der Kasseler Variante leichtes Spiel haben, müssten demnach neben dem Velo auch den Ständer klauen, weil das Schloss nicht vom Bügel gezogen werden kann.
Den Verantwortlichen im Rathaus ist „kein einziger Diebstahl bekannt, der auf die Befestigung der Bügel zurückzuführen ist“. Auch bei der Polizei kennt man einen solchen Fall nicht. (Matthias Lohr)
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