- VonTobias Stückschließen
In Eschwege und Wehretal gibt es Repair-Cafés. In unserer Serie „Zu schade zum Wegwerfen“ stellen wir die Arbeit der Ehrenamtlichen vor Ort vor.
Eschwege – Die Kunden geben sich die Klinke in die Hand. Samstagmorgens, wenn nebenan auf dem Wochenmarkt ordentlich Trubel ist, ist auch im benachbarten Tagwerk am Marktplatz 20 immer was los. Hier ein kaputter Staubsauger, dort ein fehlendes Kabel oder auch einmal den Saum eines Rocks umnähen oder das lockere Stuhlbein reparieren. Im Repair-Café in Eschwege bekommt man nicht nur schnell und unkompliziert Hilfe, hier kann man auch für einen Schnack verweilen und einen Kaffee bekommen und hat am Ende des Tages im besten Fall ein gutes Stück vor der Müllpresse gerettet.
Repair-Cafés liegen voll im Trend und werden immer mehr. Die Idee schwappte aus den Niederlanden zu den deutschen Nachbarn herüber. Mehr als 500 dieser Selbsthilfe-Werkstätten gibt es mittlerweile in Deutschland. Die ersten im Kreis hatten sich 2015 in Bad Sooden-Allendorf, später in Witzenhausen gegründet. Seit vergangenem Jahr zieht ein Repair-Café Monat für Monat durch einen anderen Ortsteil von Wehretal. In Eschwege hat das Repair-Café im September 2019 geöffnet.
Neben Aufwind haben sich die evangelische Familienbildungsstätte Werra-Meißner mit Omnibus – die Freiwilligenagentur, die Nachbarschaftshilfe Eschwege, das Seniorenforum Eschwege, die Stadt Eschwege, der Förderverein Arbeit, Recycling und Design sowie die Awo Werra-Meißner dafür stark gemacht, diese Initiative zu gründen. Aufwind stellt dabei mit dem Tagwerk die Räumlichkeiten zur Verfügung. In den hinteren Räumen befinden sich die Werkstätten. Hier sind ehemalige Fachleute am Werk. Manche haben gleich mehrere Ausbildungen absolviert und wollen sich jetzt ehrenamtlich betätigen. Dass das Angebot keine Konkurrenz für ansässige Unternehmen darstellt, habe man zuvor geprüft.
Das Konzept kommt an und wurde bereits ausgezeichnet. Vom Werra-Meißner-Kreis wurde 2020 der Umweltpreis verliehen. „Durch das Angebot des Repair-Cafés können wir dazu beitragen, Müll zu vermeiden und wertvolle Rohstoffe zu erhalten“, sagt Kathrin Beyer von der Freiwilligenagentur Omnibus der evangelischen Familienbildungsstätte. Zusammen mit Ralf Fischbach vom Verein Aufwind leitet sie das Projekt, in dem Lieblingsstücke gerettet werden.
Repair-Cafés sind aber mehr als bloße Werkstätten, in denen man für kleines Geld Altes wieder flottbekommt. „Es geht auch um Begegnung“, sagt Ralf Fischbach vom Verein Aufwind. Die Besucher sollen die Möglichkeit haben, bei der Reparatur zuzusehen und Fragen an die Ehrenamtlichen zu stellen, aber auch bei Kaffee und Kuchen mit anderen beim Warten ins Gespräch kommen. Und auch für die ehrenamtlichen Helfer ist immer etwas zu tun. Diejenigen, die nicht reparieren, kümmern sich um die Warenannahme und -ausgabe, plaudern mit den Besuchern oder kümmern sich um die Verpflegung der anderen. Wenn um 13 Uhr die Pforte schließt, wird es gemütlich. Dann sitzen alle beieinander und lassen den Tag beim gemeinsamen Mittagessen Revue passieren. In den vergangenen vier Jahren und auch über die Pandemie hinweg hat sich ein Stamm von knapp 30 Freiwilligen zusammengefunden – und das, obwohl zwischenzeitlich wegen der Infektionsgefahr geschlossen war. Das Konzept hat sich aber durchgesetzt.
Nächste Termine
An jedem ersten Samstag im Monat, 10 bis 13 Uhr, öffnet das Repair-Café Eschwege im Tagwerk, Marktplatz 20, seine Türen. Der nächste Termin ist der 6. Januar. In Wehretal geht es am 20. Januar im Gemeinderaum von Vierbach weiter. Auch hier wird von 10 bis 13 Uhr geöffnet sein. Kontakt: Weitere Informationen zu den Repair-Cafés gibt es bei der Evangelischen Familienbildungsstätte – Mehrgenerationenhaus Werra-Meißner/Wehretal vereint, Telefon 0 56 51/3 33 23 78 (ts)
Auch in Wehretal ist man auf den Geschmack gekommen. Das Repair-Café Wehretal startete am 21. Oktober, im evangelischen Gemeindehaus von Reichensachsen. Die Initiative „Wehretal vereint“ hatte von Beginn an die Idee verfolgt und wurde von der evangelischen Familienbildungsstätte bei der Gründung unterstützt. Neun Ehrenamtliche haben den Schritt gewagt. Unterstützung haben sie auch von erfahrenen Helfern aus Eschwege wie Gisela Adam erfahren. Laut Kathrin Beyer ist auch ein Austausch zwischen Eschwege und Wehretal möglich. Die Angebote sollen nicht in gegenseitiger Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig bereichern. Während in Eschwege an jedem ersten Samstag im Monat geöffnet ist, wird in Wehretal am dritten Samstag repariert – in beiden Fällen von 10 bis 13 Uhr. Und eines ist gewiss. Selbst, wenn das Lieblingsstück nicht mehr zu retten ist, hat man einen schönen Vormittag mit netten Menschen verbracht. (Tobias Stück)
