Rottwilm (SPD) schafft Sprung in den Bundestag – Drama um CDU-Kandidatin
VonJörg Paulus
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Maja Yüce
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Wirbel um Wahlrechtsreform: Rottwilm zieht trotz Platz zwei über die SPD-Landesliste in den Bundestag, Bischof (CDU) trotz Sieg ohne Mandat in Nordhessen.
Waldeck-Frankenberg - Klare Stärkung der CDU, dramatischer Bedeutungsverlust für SPD und FDP und riesiger Erfolg für die AfD - das ist die Bilanz der Bundestagswahl im Wahlkreis 169 Schwalm-Eder. Dennoch gibt es für die SPD eine gute Nachricht: Dr. Philipp Rottwilm (Neuental), der im Wahlkreis mit 28,3 Prozent der Erststimmen nur die zweitmeisten Stimmen erhalten hat, zieht überraschend über die Landesliste der SPD (Platz 9) in den Bundestag ein. „Es fühlt sich noch ganz surreal an“, sagt Rottwilm im HNA-Gespräch.
Dagegen trifft Anna-Maria Bischof (CDU) ein bitteres Schicksal: Sie gewinnt zwar das Direktmandat mit 30,1 Prozent, doch aufgrund der Wahlrechtsreform von 2023, durch die der Bundestag verkleinert werden soll, erhält sie kein Mandat in Berlin. Denn Bischof hat mit 30,1 Prozent ein schlechteres Prozent-Ergebnis als andere CDU-Direktkandidaten. Sie wird auch nicht über die CDU-Landesliste (Platz 4) in den Bundestag kommen.
In Hessen trifft vier weitere CDU-Direktkandidaten das gleiche Schicksal wie Anna-Maria Bischof. „Ich bin sehr dankbar, dass wir diesen historischen Sieg im Wahlkreis einfahren konnten. Noch nie wurde dieser Wahlkreis von der CDU gewonnen. Umso ärgerlicher ist es, dass durch eine undemokratische Wahlrechtsreform dieser Sieg zu nichts führt“, sagt Bischof. Die Verkleinerung des Bundestages war notwendig, allerdings hätte dies nicht zu Lasten der Demokratie passieren dürfen, ergänzt sie. Wer vor Ort gewinnt und das Vertrauen der Wähler bekommen habe, müsse auch in den Bundestag einziehen.
Zweitstärkste Kraft im nordhessischen Wahlkreis ist die AfD
Nicht nur bei den Erststimmen, auch bei den Zweitstimmen siegte die CDU: Sie setzte sich mit 27,4 Prozent klar an die Spitze (Afd: 23,7 Prozent und SPD: 22,4 Prozent) und profitierte von dem bundesweiten Trend. 86,1 Prozent der 182.432 Wahlberechtigten gaben ihre Stimmen ab.
Erststimmen bei der Bundestagswahl: Das sind die Wahlkreissieger in Hessen
Größte Entwicklung: Die AfD kommt auf 23,7 Prozent und ist zweitstärkste Kraft im Wahlkreis. Den Zweitstimmenanteil hat sie im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 mehr als verdoppelt. Insgesamt wählten 36.109 Menschen die in Teilen rechtsradikale Partei. AfD-Hochburgen sind Borken, Knüllwald, Frielendorf, Homberg und Schwalmstadt, dort setzte sich die Partei an die Spitze. Und: Mit 24 Prozent der Erststimmen landet Renate Glaser auf dem dritten Platz.
„Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagt Rottwilm. Da sei Freude über den Einzug in den Bundestag, aber auch Enttäuschung, weil die SPD erheblich an Boden verloren hat und die AfD zweitstärkste Kraft ist.