Trotz Sieg im Wahlkreis: CDU-Kandidatin nicht im Bundestag – der Zweitplatzierte schon
VonJörg Paulus
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Die CDU-Kandidatin Anna-Maria Bischof gewann ihren Wahlkreis. Doch statt ihr zieht der Zweitplatzierte von der SPD in den Bundestag ein.
Waldeck-Frankenberg - CDU-Kandidatin Anna-Maria Bischof hat zwar das Direktmandat im Wahlkreis Schwalm-Eder/Frankenberg gewonnen. Wegen der Wahlrechtsreform wird sie aber nicht in den Bundestag einziehen.
Das geht aus der Übersicht hervor, die die Bundeswahlleiterin in der Wahlnacht veröffentlicht hat. Anna-Maria Bischof (Fritzlar) hat den Wahlkreis 169 (Schwalm-Eder/Frankenberg) mit 30,1 Prozent der Erststimmen gewonnen, wird nun aber ein Opfer der Wahlrechtsreform von 2023, durch die der Bundestag verkleinert werden soll. Mit ihren 30,1 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis hat Bischof weniger Prozente bekommen als die hessischen CDU-Direktkandidaten, die in den Bundestag kommen.
„23 Bewerberinnen und Bewerber haben zwar die meisten Erststimmen in den Wahlkreisen erhalten, allerdings sind ihre Sitze nicht durch den Zweitstimmenanteil ihrer Parteien im jeweiligen Bundesland gedeckt“, heißt es dazu von der Bundeswahlleiterin. Anna-Maria Bischof wird auch nicht über die Landesliste der CDU in den Bundestag kommen, auf der Liste steht sie auf Platz 4. Anders als bei den anderen Parteien in Hessen erhält die hessische CDU über ihre Landesliste keinen Sitz im Bundestag, da sie bis auf zwei alle Wahlkreise in Hessen per Direktmandat gewonnen hat.
Kandidat mit zweitmeisten Stimmen für Nordhessen im Bundestag
Kurios: Dr. Philipp Rottwilm von der SPD, der im Wahlkreis Schwalm-Eder/Frankenberg mit 28,3 Prozent nur die zweitmeisten Stimmen bekommen hat, kommt in den Bundestag – nämlich über die Landesliste der SPD, auf der er auf Platz 9 steht. Das gilt auch für seine SPD-Kollegin Esther Dilcher (Platz 6). Dilcher landete bei den Erststimmen im Nachbarwahlkreis 169 (Waldeck/Kreis Kassel) auf Platz 2. Hier holte Jan-Wilhelm Pohlmann (Korbach) von der CDU mit 31,1 Prozent das Direktmandat.
Anders als Anna-Maria Bischof zieht er darüber in den Bundestag ein. Aus dem Wahlkreis 166 kommt auch Direktkandidat Jan Nolte (AfD) erneut in den Bundestag, er steht auf der Landesliste der AfD auf Platz 1. Die Grünen-Direktkandidaten Ilka Deutschendorf (Wahlkreis 166) und Maximilian Kohler (169) schaffen es über ihre Plätze 11 und 12 auf der Grünen-Landesliste nicht in den Bundestag.
Erststimmen bei der Bundestagswahl: Das sind die Wahlkreissieger in Hessen
In Hessen trifft vier weitere CDU-Direktkandidaten das gleiche Schicksal wie Anna-Maria Bischof. „Dieses Wahlrecht der Ampel ist den Wählerinnen und Wählern nicht vermittelbar. Dass direkt gewählte Bundestagskandidaten nicht in den Deutschen Bundestag einziehen dürfen, ist ein Unding“, monierte deshalb Ministerpräsident Boris Rhein als hessischer CDU-Landeschef. „Wer vor Ort gewinnt und das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler bekommen hat, muss auch in den Deutschen Bundestag einziehen.“
Dabei war die Freude bei der CDU in den beiden Waldeck-Frankenberger Wahlkreisen am Sonntagabend noch groß gewesen: Denn erst zum zweiten Mal seit der ersten Bundestagswahl 1949 hat die CDU die beiden Direktmandate gewonnen; fast immer lag die SPD vorne; zuletzt durch Dr. Edgar Franke (Wahlkreis 169) und Esther Dilcher (166). (Jörg Paulus)