Airline in der Krise

Der kränkelnde Kranich: Wie Lufthansa den wirtschaftlichen Absturz verhindern will

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Lufthansa-Vorstand plant Kernsanierung des angeschlagenen Konzerns. CEO Carsten Spohr stellt radikales Konzept vor und setzt auf Stellenabbau, Komfort und KI.

Frankfurt – Die Lufthansa steht derzeit unter erheblichem Druck. Nach der Pandemie hatte sich der Konzern am Flughafen Frankfurt kurzzeitig erholt, doch mittlerweile plagen ihn wieder schwerwiegende Probleme: schwächelnde Kundenzufriedenheit, operative Herausforderungen und wirtschaftliche Einbußen. Wie das Manager Magazin berichtet, arbeitet der Vorstand der Lufthansa, allen voran CEO Carsten Spohr, derzeit an einem radikalen Sanierungskonzept. Ziel ist es mit der Neuausrichtung endlich den Sinkflug des Unternehmens abzufangen. „Turnaround“ nennt der Vorstand die neue Agenda. Es gilt nicht nur die Folgen der Pandemie zu überwinden, sondern auch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben – und damit einem möglichen Abstieg wie im Fall von Volkswagen zu entgehen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr stellt umfangreiche Sanierungspläne für den Konzern vor. (Archivbild)

Der alarmierende Zustand des Unternehmens wird anhand der wirtschaftlichen Kennzahlen der Kern-Airline Lufthansa Airlines deutlich. Das operative Ergebnis wird 2024 voraussichtlich ein Drittel niedriger ausfallen als im Vorjahr, und für 2026 warnt eine interne Hochrechnung vor einem Verlust von 800 Millionen Euro. Während Lufthansa Airlines 2019 noch 61 Prozent des Konzerngewinns erwirtschaftete, lag ihr Anteil 2023 nur noch bei 32 Prozent.

Flughafen Frankfurt: Lufthansa steht auch vor externen Herausforderungen

Zu den externen Herausforderungen gehören gestörte Lieferketten bei Flugzeugherstellern wie Boeing, hohe Gebühren am Standort Deutschland, und die Sperrung des russischen Luftraums wegen des andauernden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Doch auch unternehmensinterne Versäumnisse – wie zu tief greifende Sparmaßnahmen während der Pandemie, Personalabbau von Fachkräften und veraltete IT-Systeme – tragen maßgeblich zur Krise bei, heißt es im Manager Magazin weiter.

Zur Überwindung der Krise hat Lufthansa-Chef Spohr gemeinsam mit weiteren Vorstandsmitgliedern einen sogenannten „Turnaround“-Plan vorgelegt. Dieser soll die Probleme des Konzerns gleich auf mehreren Ebenen angehen und bis 2028 eine Ergebnisverbesserung von 2,5 Milliarden Euro erzielen.

„Turnaround“ – Sechs Punkte, um die Lufthansa wieder wettbewerbsfähig zu machen

  • Kostensenkung und Effizienzsteigerung in der Verwaltung: 20 Prozent des Verwaltungspersonals – das entspräche etwa 400 Stellen – soll mittels Automatisierung und „natürlicher Fluktuation“ abgebaut werden.
  • Einnahmesteigerung im Flugbetrieb: Attraktivere Angebote für Geschäftsreisende und einer diversifizierten Businessclass, sowie Investitionen in den Komfort der Passagiere sind geplant. Außerdem sind Streichungen unrentabler Strecken möglich.
  • Mehr Pünktlichkeit durch stabilere Abläufe: Eine größere Reserveflotte und längere Umsteigezeiten sollen Verspätungen reduzieren – im Vergleich mit acht führenden Wettbewerbern, die ebenfalls Umsteigeverkehr anbieten, ist die Lufthansa aktuell die unpünktlichste Airline.
  • Vereinfachung von Vorschriften: Die rund 1500 Vorschriften und Regelungen zur Crewzusammensetzung sollen vereinfacht werden. Die konzerninterne Regel- und Vorschriftvielfalt soll damit übersichtlicher werden und den Verwaltungsaufwand minimieren.
  • KI-gestützte Optimierungen: Besonders bei der Flugplanung soll bei Lufthansa in Zukunft auf künstliche Intelligenz gesetzt werden. Das entsprechende Programm dazu, eine Zusammenarbeit von Google und Lufthansa, wird bereits erfolgreich in Zürich getestet.
  • Straffung des Markenportfolios: Bis 2028 will der Konzern von sieben auf vier Airlines reduzieren. Es blieben dann Lufthansa, Discover Airlines, City Airlines sowie ein weiterer strategischer Partner im Portfolio des Konzerns.
  • Reformen im Betriebsablauf: Neue IT-Systeme sollen die Organisation der Crewzusammensetzung vereinfachen. Außerdem soll die Überspezialisierung von Mechanikern und Technikern zugunsten breiterer Qualifikationen aufgelöst werden, um künftig Ausfällen durch fehlende Fachkräfte besser vorzubeugen.

Kernsanierung bei der Lufthansa: Gegenwind aus Betriebsräten und Gewerkschaften erwartet

Die Umsetzung des Programms wird jedoch nicht einfach. Die Zustimmung der Betriebsräte und Gewerkschaften ist essenziell – und bei der Lufthansa traditionell schwer zu gewinnen. Die geplante Schließung von Lufthansa Cityline und die Integration von Tochtergesellschaften stoßen bereits jetzt auf Widerstand, berichtet das Manager Magazin.

Zudem mangelt es dem Konzern an moderner Flottentechnik. Mit einem Durchschnittsalter der Flugzeuge von 13,8 Jahren gehört die Lufthansa zu den Nachzüglern. Trotz Rekordinvestitionen in 250 neue Flugzeuge, werden viele Maschinen erst in den kommenden Jahren geliefert.

Lufthansa-Chef Spohr: Kundenzufriedenheit ist die Priorität

Spohr hat laut Manager Magazin versichert, dass trotz Einsparungen, Stellenabbau in der Verwaltung und betriebsinterner Effizienzsteigerungen am Kundenservice nicht gespart werden soll. Neben der Einführung der neuen Businessclass investiere Lufthansa jährlich 150 Millionen Euro in Komfortverbesserungen.

In diesem Zuge wurde kürzlich auch ein neuer Sitz für die First Class entwickelt. Dieser ist jedoch so schwer, dass nach einem Einbau zum Gewichtsausgleich das Heck des Flugzeugs mit Bleigewichten bestückt werden müsste. In Zeiten der Klimakrise ein wenig subtiles Sinnbild für fehlgeleitetes Entwicklungspotential. Es wird nach Alternativen gesucht. Diese braucht die Lufthansa jetzt an vielen Stellschrauben, um das selbsterklärte Ziel zu erreichen, das Vertrauen der Reisenden zurückzugewinnen und damit den kränkelnden Kranich wieder in wirtschaftliche Aufwinde zu steuern. (Paul Eisbach)

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