- VonLinda Scherdinschließen
Auf stolzen 22 Hektar betreibt Christoph Münker die wohl größte Holunderplantage in Hessen. Was einst aus einer Notlage entstand, versorgt jetzt eine ganze Familie. Der Hof im Hosenfelder Ortsteil Schletzenhausen hat eine lange Geschichte.
Schletzenhausen - Christoph Münker, 40 Jahre alt, ist der Kopf hinter dem Biohof Münker. Mit seiner Familie hat er sich ganz dem Holunder und anderen Beeren verschrieben. „1989 suchte unsere Familie nach Alternativen zum Getreideanbau. Die Preise waren einfach zu niedrig“, erzählt er.
Biohof Münker betreibt Holunderplantage auf 22 Hektar
Daraufhin kam es zur Gründung der Beerenobstgemeinschaft Rhön-Vogelsberg, zusammen mit fünf weiteren landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region. Mittlerweile arbeiten alle in zweiter Generation. Das legte den Grundstein für den Anbau von Johannisbeeren und später auch von Holunder. Heute erstreckt sich allein die Plantage des Geschäftsführers der Gemeinschaft, Münker, imposant groß und damit beerenstark rund um Schletzenhausen.
„Anfangs hatten wir nur 4 Hektar Johannisbeeren und 2 Hektar Holunder. Heute bewirtschaften wir 22 Hektar Holunder sowie 2 Hektar Johannisbeeren und Quitten“, berichtet Münker stolz; die wohl größte Plantage in Hessen. Mehr als 30 Fußballfelder könnten mit den Bäumen bepflanzt werden. Die ursprüngliche Absicht, die Früchte für die Farbindustrie zu nutzen, änderte sich, als sich die Vermarktung über eine externe Firma nicht realisieren ließ.
So fand die Familie einen neuen Weg in die Direktvermarktung. Mittlerweile umfasst das Sortiment der Beerenobstgemeinschaft über 20 verschiedene Produkte. Diese sind regional in Hessen sowie überregional in verschiedenen Supermärkten erhältlich. „Wir sind auch jedes Jahr auf dem Fuldaer Weihnachtsmarkt vertreten“, sagt Münker. „Da verkaufen wir nicht nur Glühwein, sondern auch unseren beliebten Glühgin!“
Produktvielfalt und Regionalität: Ein Familienbetrieb im Aufschwung
Die Auswahl an den Beerenprodukten ist riesig: Sirup, Likör, Wein und vieles mehr. „Uns liegt die Regionalität am Herzen. Wir wollen die lokale Wirtschaft unterstützen“, erklärt der Vorsitzende der Gemeinschaft. Bei der Ernte helfen viele lokale Hausfrauen. So bleibt alles in der Region!“ Die Verarbeitung der Produkte findet im nahegelegenen Flieden statt. „Das sorgt für kurze Transportwege und garantiert frische Produkte“, fügt er hinzu.
Der Biohof verzichtet auf chemische Düngemittel und setzt stattdessen auf nachhaltige Praktiken. „Wir nutzen Zwischenfrüchte wie Klee, um die Böden zu verbessern“, erklärt Münker. „Das Beste ist, wir haben fast keine Schädlinge. Ab und zu müssen wir uns nur um ein paar Wühlmäuse kümmern, für die wir schon Fallen aufgestellt haben.“
Die rund 13.200 Holunderbäume auf den Feldern um Schletzenhausen herum, erfordern viel Pflege. Äste, die Beeren trugen, werden laut Münker im Herbst abgeschnitten, da sie im Folgejahr nur noch unzureichend Früchte ausbilden. Für diese Aufgabe benötigt er eine elektrische Gartenschere, gutes Wetter und zwei bis drei Wochen Zeit. Aktuell beschneidet er die Holunderpflanzen.
Aufwendige Pflege und ehrgeizige Pläne: Quereinsteiger setzt auf Holunderanbau
„Das ist wichtig für die Vitalität der Pflanzen. Es erfordert viel Arbeit“, sagt er. Die Holunderblüte beginnt Anfang Juni und dauert etwa zwei bis drei Wochen.. „Ich bin ständig in den Plantagen aktiv und sorge dafür, dass alles in bester Ordnung bleibt“, fügt der Plantagenbesitzer hinzu.
Wissenswertes
Holunderblüten und Beeren werden gerne für verschiedene Leckereien verwendet wie:Sirup, Gelee oder Saft. Liköre und Weine sind ebenfalls beliebt. Holunderblüten enthalten ätherische Öle, wohingegen die Beeren des Baumes wahre Vitaminbomben sind mit einem hohen Gehalt an Vitamin C und B2. Die Beeren sind allerdings botanisch gesehen keine Beeren, sondern Steinfrüchte.
In Deutschland sind drei Sorten heimisch: Schwarzer Holunder, Roter Holunder und Zwerg-Holunder. Dabei ist Vorsicht geboten. Der Zwerg-Holunder ist giftig und nicht zum Verzehr geeignet. Ebenfalls zu beachten ist bei Schwarzem und Rotem Holunder, dass die Beeren nur gekocht verzehrt werden dürfen.
Münker, ein Quereinsteiger aus der Konstruktionstechnik, sieht großes Potenzial für die Zukunft. „Wir haben schon ein breites Sortiment, aber ich denke, wir könnten den Anbau von Johannisbeeren weiter ausbauen“, überlegt er. Dabei gibt es allerdings Herausforderungen, die passenden Flächen zu finden. „Ich wünsche mir, dass meine Kinder eines Tages das Familienunternehmen übernehmen“, sagt er hoffnungsvoll.
Die Apfelernte 2024 wurde im September eine schlechte Ernte erwartet. Christoph Jestädt, Vorstandsmitglied der Rhöner Apfelinitiative und ebensfalls Mitglied der Beerenobstgemeinschaft, geht von Wetter-bedingten Einbußen um 90 Prozent aus.
