Apfelregion Rhön

Frost-Opfer: Apfelbauern rechnen mit bis zu 90 Prozent weniger Ernte

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Christoph Jestädt und Antje Schwanke von der Rhöner Apfelinitiative stehen vor Bäumen, die nur wenige Äpfel tragen.
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Die Rhön ist eine Apfelregion. Schon vor einigen Hundert Jahren wurden Streuobstwiesen kultiviert, wodurch etwa 500 verschiedene Apfelsorten in der Mittelgebirgsregion entstanden. 2024 wird allerdings eine schlechte Ernte erwartet.

Fulda - Christoph Jestädt, Vorstandsmitglied der Rhöner Apfelinitiative, geht von Wetter-bedingten Einbußen um 90 Prozent aus. „Durch die hohen Temperaturen haben die Bäume bereits im März und April Blüten getrieben – was vergleichsweise früh ist. Das Problem war, dass Mitte April Frost kam.“

Das sei schon häufiger vorgekommen, aber nie so extrem wie in diesem Jahr. Außerhalb der Rhön sehe es nicht anders aus. Christoph Jestädt vermutet, dass der Großteil von Mitteleuropa betroffen ist. Auch die Prognose der World Apple and Pear Association (WAPA) geht von einem Rückgang der Apfelernte von 11,3 Prozent in Europa, im Vergleich zum Vorjahr aus.

Apfelernte könnte 2024 bis zu 90 Prozent geringer ausfallen

Die diesjährige Ernte liege 13,6 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten drei Jahre. Christoph Jestädt habe schon Anfragen von Initiativen und Keltereien aus anderen Regionen bekommen, ob er Apfelsaft abgeben könne. „Leider musste ich verneinen. Unseren eigenen Bedarf decken wir durch die Ernte des letzten Jahres.“

„Wir haben noch genügend Saft in Tanks eingelagert. Wenn die Erträge nächstes Jahr wieder so mau ausfällt, könnte es allerdings eng werden“, sagt der Bio-Apfelbauer. Die Apfelernte ist in einem Jahr ertragreich, im darauffolgenden eher weniger – Experten sprechen von Alternanz.

An den Bäumen hängen in diesem Jahr nur eine Handvoll Äpfel.

„Dieser Rhythmus war bisher normal. Die Bäume brauchten ein Jahr, um sich zu erholen“, erklärt Jürgen Krenzer, Kelterer und Betreiber des Rhönschaf-Hotels. „Wahrscheinlich können wir uns in Zukunft auf die Alternanz, aufgrund der Temperaturschwankungen wegen des Klimawandels, nicht mehr verlassen.“

Krenzer, der ebenfalls Vorstandsmitglied der Rhöner Apfelinitiative ist, nimmt aber an, dass sich die Bäume auf lange Sicht umstellen werden. Auch Jürgen Krenzer hat noch genügend Reserven vom letzten Jahr, von denen er zehren kann.

Die schlechte Ernte könnte sich auf die Preise für Äpfel und Apfelprodukte auswirken

Antje Schwanke, Geschäftsführerin der Rhöner Apfelinitiative, zeigt sich zuversichtlich. „Die verschiedenen Sorten, die wir in der Rhön haben, geben uns ein gewisses Maß an Sicherheit – ist die Ernte bei einer Sorte schlecht, ist sie bei einer anderen besser“, sagt sie. Antje Schwanke vergleicht es mit einem Aktiendepot, bei dem auf Vielfalt gesetzt wird, um das Risiko zu verteilen.

Bei den Produkten der Marke „Wiesenkiez“ – unter anderem Obstbrände und -saftschorlen – von Christoph Jestädt ist mit keiner Preisanpassung wegen der Ernteeinbußen zu rechnen.

„Wir zahlen unseren Apfelbauern einen konstanten und fairen Preis, unabhängig von der Ernte. Darum bleibt auch der Verkaufspreis unserer Produkte stabil“, erzählt Christoph Jestädt. Deswegen sei bei seinen Produkten aus der Rhön keine Preiserhöhung zu erwarten.

Geschäftsführerin Antje Schwanke schätzt es anders bei Äpfeln und Apfelprodukten ein, die im industriellen Stil angebaut werden. Hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Darum sei mit Preissteigerungen in diesem Jahr aufgrund des Ernteausfalls zu rechnen.

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„Auch bei Johannisbeeren, Rhabarber, Zwetschgen und Kirschen ist mit einer schlechten Ernte zu rechnen“, schätzt Christopj Jestädt. Hier seien die Blüten ebenfalls vom Frost zerstört worden. Dem Rhabarber wurde der Regen zum Verhängnis, der die Wurzeln hat faulen lassen.

„Das erste Halbjahr 2024 war das feuchteste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es ist höchste Zeit, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Zum Beispiel, indem man auf regionale Bioprodukte setzt und damit den CO2-Ausstoß durch weite Transportwege schmälert“, sagt Antje Schwanke besorgt.

So geht die Rhönsprudel Gruppe mit den Einbußen bei der Obsternte um

Aufgrund langjähriger Partnerschaften mit Lieferanten konnten die benötigten Jahresmengen an Apfelsaft gesichert werden. Alle RhönSprudel und Förstina-Produkte, die Apfelsaft enthalten, werden erhältlich sein. Da die Obsternte noch nicht vollständig abgeschlossen ist, können jedoch aktuell keine Aussagen zu etwaigen Preisänderungen getroffen werden.

Auch bei anderen Obstsorten, zum Beispiel Kirschen und Johannisbeeren, bestätigt die RhönSprudel Gruppe schlechte Ernten. Es sei dennoch möglich gewesen, genügend Obst zu erhalten. Ob hier Preisänderungen erfolgen, kann zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht eingeschätzt werden.

Unterdessen ist Mitte September 2024 die Kartoffelernte in der Region Fulda im östlichen Hessen in vollem Gang. Der größte Anbauer ist der antonius Hof in Haimbach. Dort zeigt man sich „vorsichtig optimistisch“, was die Ernteerträge in diesem Jahr betrifft.

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