Jetzt zertifiziert

Wie Parmaschinken und Tiroler Speck: Nordhessische Ahle Wurscht ist jetzt Kulturgut - Erste Schutzsiegel vergeben

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Sie dürfen die Nordhessische Ahle Wurscht herstellen und verkaufen: (von links) Felix Köhler, Regierungspräsident Christoph Ullrich (Gießen), Daniel Wagner, Jakob Beck, Stefan Völker, Fritz Kästel, Volker Luckhardt, Janosch Beck, Katharina Koch, Regierungspräsident Mark Weinmeister (Kassel) und Sabine Döring (Wurst Wiegand).
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Die Nordhessische Ahle Wurscht steht jetzt mit dem Tiroler Speck und dem Parmaschinken auf einer Stufe. Nur zehn Metzgereien dürfen sie unter dem Schutzsiegel verkaufen.

Kassel – Am Freitag, 8. September, wurde das europäische Schutzsiegel „Geschützte geografische Angabe (g.g.A.)“ an die ersten zehn Metzgereien aus Nordhessen verliehen. Nur sie dürfen offiziell die Nordhessische Ahle Wurscht verkaufen. Denn Ahle Wurscht ist nicht gleich Ahle Wurscht. Das Regierungspräsidium Gießen, das für die Zertifizierung zuständig ist, prüft die Metzgereien: Die Nordhessische Ahle Wurscht muss von der Schlachtung bis zur Reifung in Nordhessen hergestellt worden sein.

Außerdem darf die Transportzeit vom Bauernhof zum Schlachthof maximal zwei Stunden betragen, das Fleisch vom schweren Schwein muss warm verarbeitet werden, also muss nach der Schlachtung innerhalb von zwölf Stunden das Wurstbrät hergestellt worden sein. Reifebeschleuniger dürfen nicht eingesetzt werden. „Darauf kann sich der Verbraucher verlassen“, sagte Gießens Regierungspräsident Christoph Ullrich.

Die zertifizierte „Nordhessische Ahle Wurscht“ gibt es aktuell nur in zehn Metzgereien

16 Jahre hat es gedauert von der ersten Initiative durch zwei Fördervereine bis zur Verleihung des europäischen Schutzsiegels. Der Weg führte auch über die EU-Kommission in Brüssel, der der heutige Regierungspräsident Mark Weinmeister und Fritz Kästel vom Verein zur Förderung und Erhaltung traditioneller nordhessischer Wurscht ebensolche zur Verköstigung mitbrachten. Und der einzigartige Geschmack überzeugte die EU-Kommissare.

Weinmeister sagte: „Die Nordhessische Ahle Wurscht ist nicht nur ein Lebensmittel, sondern ein Kulturgut, das eine Region verbindet.“ Sein Amtskollege aus Gießen betonte, dass es mit den aktuell zehn Metzgereien mehr Betriebe gebe als bei anderen hessischen geschützten Lebensmitteln, etwa der Frankfurter Grünen Soße und dem Hessischen Handkäs’. Zwei weitere Betriebe aus Nordhessen befinden sich aktuell noch im Prüfverfahren, hieß es, mit weiteren werde gerechnet.

Ahle Wurscht aus Nordhessen „einmalig in Europa“

Metzger Fritz Kästel aus Trockenerfurth (Schwalm-Eder-Kreis) sagte: „Die Ahle Wurscht ist die Identität von Nordhessen, genau wie der Herkules.“ Der Schutz des Wurscht-Kulturerbes sei genauso wichtig wie der Artenschutz und der Denkmalschutz. Die Einführung des europäischen Schutzsiegels solle auch dazu führen, dass das Fachwissen der Metzger für die regionalen Produkte nicht verloren gehe. „Sonst muss man irgendwann in Deutschland eine Einheitswurst machen.“ Dabei habe seine Branche mit der Nordhessischen Ahle Wurscht etwas vorzuweisen, das einmalig in Europa sei, „und das gibt es nur hier aus der Region.“ (Claudia Feser)

Die Nordhessische Ahle Wurscht darf offiziell von folgenden Metzgereien aus der Region hergestellt und vertrieben werden:

Schwalm-Eder-Kreis:

. Fleischerei Kohl Kramer aus Borken-Trockenerfurth

. Wurst Wiegand aus Wabern-Harle

. Landmetzgerei Völker aus Willingshausen-Zella

. Landmetzgerei Luckhardt aus Neukirchen-Seigertshausen

. Fleischerei Bechtel aus Willingshausen-Zella

Landkreis Kassel

. Fleischerei Feinkost Köhler aus Hofgeismar

. Landfleischerei Koch aus Calden

Werra-Meißner-Kreis

. Beck Fleischwaren aus Waldkappel-Bischhausen

. Landfleischerei Neumeier aus Hessisch Lichtenau-Walburg

Kreis Hersfeld-Rotenburg

. Wagner aus Rotenburg-Seifertshausen

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