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Nach dem ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest in Hessen soll nun ein Elektrozaun die Ausbreitung des Virus verhindern. Auch eine Tierkadaver-Sammelstelle ist schon eingerichtet.
Nauheim – Bei Nauheim (Kreis Groß-Gerau) wurde ein Wildschwein gefunden, das mit Afrikanischer Schweinepest infiziert war. Ein Elektrozaun soll jetzt die Ausbreitung verhindern. Erleichterung am Montag: Zu Hessens erstem Fall von Afrikanischer Schweinepest kam kein zweiter hinzu. Das infizierte Exemplar vom Wochenende war südlich von Rüsselsheim gefunden worden. Zwar gab es in unmittelbarer Nähe zwei weitere Wildschweinkadaver, doch deren Beprobung war negativ, sie waren also virusfrei. Die Behörden sind jedoch alarmiert.
Afrikanische Schweinepest in Hessen: Elektroschock für Wildschweine
Am Montag errichtete eine vom Land beauftragte Gießener Zaunbaufirma bei Nauheim/Trebur (Kreis Groß-Gerau) einen 15 Kilometer langen Elektrozaun mit 7.000 Volt Spannung rund um den Fundort. Er soll Wildschweine „deutlich zurückschrecken lassen“, erklärte Firmeninhaber Wilfried Hillebrand. Der Zaun wird täglich kontrolliert und soll eine mögliche Ausbreitung der nur für Schweine gefährlichen Seuche in Richtung Süden stoppen.
Landwirte dürfen nicht maschinell ernten – Afrikanische Schweinepest für Hunde ungefährlich
Innerhalb eines 15-Kilometer-Radius – der sogenannten Restriktionszone – gilt ein Jagdverbot für Drückjagden. Außerdem dürfen die Landwirt:innen ihre Felder nicht maschinell bewirtschaften. So soll verhindert werden, dass die Wildschweine aufgeschreckt werden.
Das geräuschlose Ernten von Erdbeeren, Spargel oder Obst könne aber weitergehen, so Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) bei einem Vorort-Termin beim Zaunbau in Nauheim. Hunde müssen in der Restriktionszone angeleint werden – auch wenn das Virus für sie ungefährlich ist. Trotzdem können sie das Virus weiterschleppen.
Autobahnen und der Rhein begrenzen Ausbreitung des Schweinepest-Virus
Im Norden und Westen gelten die Autobahnen A60 und A67 als unüberwindbare Hindernisse für potenzielle Virusträger, im Osten das Hochwasser des Rheins. Angesichts dessen sind Mainz-Bingen und Mainz seit Montag nicht mehr Teil der Restriktionszone. Für Wildschweine sind Flüsse zwar kein unüberwindbares Hindernis, sie können schwimmen. Aktuell ist die Strömung aber zu stark. „Die kommen nicht über den Rhein hinaus“, so Olaf Streubig, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Wasserunterführungen an den Autobahnen werden mit Baustahlmatten versperrt.
Dass erstmals in Hessen ein Wildschwein positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet wurde, hatte sich am Samstag bestätigt. Das Tier sei südlich von Rüsselsheim nahe einer Landstraße aufgefallen, weil es abgemagert, verwirrt und zutraulich gewesen sei, hieß es am Montag. Nachdem es der Jagdpächter erschossen hatte, wurden im Labor fünf Proben genommen, die sämtlich positiv auf Afrikanische Schweinepest waren.
Tierkadaversammelstelle ist in Groß-Gerau schon eingerichtet
Das Ministerium richtete unverzüglich eine Koordinationsgruppe sowie einen Tierseuchenstab ein. Oberstes Ziel: eine Ausbreitung zu verhindern. Kommunen innerhalb des 15-Kilometer-Radius wurden angewiesen, Allgemeinverfügungen zu veröffentlichen. Das betrifft die Landkreise Groß-Gerau, Main-Taunus, Darmstadt-Dieburg und Offenbach sowie die Städte Frankfurt und Wiesbaden. Die Restriktionen regeln unter anderem das Verbringen von Schweinen und deren Haltung, den Umgang mit tierischen Produkten und das Ausbringen von Gülle.
Die betroffenen Veterinärbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte hatten noch am Wochenende damit begonnen, die Suche, Beprobung, Bergung und Entsorgung von Fallwild zu organisieren und Kadaver-Sammelplätze einzurichten. Am Montagvormittag stand gleich neben dem Veterinäramt in Groß-Gerau schon eine solche Tierkadaver-Sammelstelle mit Desinfektionsschleuse, die in einem Zelt eingerichtet ist.
Bis zum frühen Montagnachmittag war noch kein totes Tier dorthin gebracht worden. Eingeschaltet ist auch ein epidemiologisches Expertenteam des Friedrich-Loeffler-Instituts. Über die aktuelle Lage und die weiteren Schritte will der Landkreis Groß-Gerau an diesem Dienstagvormittag im Landratsamt informieren. (Annette Schlegl, Jutta Rippegather)
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