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Hessens Regierung will Gender-Verbot in Schulen und Unis – Ministerpräsident Rhein sieht keinen „Kulturkampf“

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Ein Gender-Verbot in hessischen Schulen und Unis könnte die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD beeinflussen. Die Jusos drohen bereits mit Konsequenzen.

Wiesbaden – Das Gendern spaltet die Nation. Während das eine Lager mit der gendergerechten Sprache alle Menschen einschließen und gleichstellen möchte, sieht das andere Lager darin eine Verhunzung der deutschen Sprache. Sogar auf höchster Ebene wird darüber heftig diskutiert. In Hessen wollen CDU und SPD die Gender-Sprache an Universitäten und Schulen verbieten.

Boris Rhein, Hessens Ministerpräsident und CDU-Vorsitzender, hat das geplante Verbot bekräftigt. Er betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden, dass es ihm nicht um Identitätsdebatten oder Kulturkriege gehe. Vielmehr verweist er auf die vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagenen Regeln, die Texte leichter lesbar machen.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) will Gender-Sprache in Schulen und Unis verbieten.

Neue Koalition in Hessen: Gender-Sprache soll aus Bildungseinrichtungen verschwinden

Aktuell befinden sich CDU und SPD in Verhandlungen über eine neue Koalition in Hessen. Ein gemeinsames Eckpunktepapier sieht vor, dass in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Universitäten und im Rundfunk auf gendergerechte Sprache verzichtet wird. Dabei orientieren sie sich an den Vorgaben des Rats für deutsche Rechtschreibung.

Boris Rhein
Geburtstag2. Januar 1972
GeburtsortFrankfurt am Main
ParteiCDU
Ministerpräsident seit31. Mai 2022

Rhein betonte, dass er niemandem vorschreiben wolle, wie er zu sprechen hat. Allerdings hält er es für wichtig, dass Studierende oder Schüler keine schlechteren Noten bekommen, wenn sie auf das Gendersternchen verzichten. Er sieht eine große Zustimmung für diesen Standpunkt in der Bevölkerung.

Gender-Verbot in Hessen geplant: Jusos wollen Koalitionsvertrag nicht unterstützen

Das geplante Gender-Verbot in Hessen trifft jedoch auch auf erheblichen Widerstand. Die Jusos zum Beispiel drohen damit, einen Koalitionsvertrag von CDU und SPD aus diesem Grund nicht zu unterstützen. Die SPD war bisher nicht für ihre Unterstützung von Gender-Verboten bekannt.

Boris Rhein: Werdegang, Wahlen und Skandale des hessischen Ministerpräsidenten

Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen
Boris Rhein galt schon früh als Überflieger und Hoffnungsträger der hessischen CDU. Bereits im Alter von 27 Jahren wurde der Jurist erstmals in den hessischen Landtag gewählt. Mit 38 Jahren übernahm Rhein das Amt des hessischen Innenministers. Im Jahr 2014 wurde der zweifache Vater zum Wissenschaftsminister in die schwarz-grüne Landesregierung berufen. Seit Januar 2019 war er Präsident des hessischen Landtags - inzwischen führt er die schwarz-grüne Regierung an. © Frank Rumpenhorst/dpa
Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen und Volker Bouffier
Den Respekt, den sich Rhein in seiner Amtszeit als Landtagspräsident erarbeitet hat, galt als ein entscheidender Punkt für die Nachfolge von Volker Bouffier als hessischer Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender. Dass Bouffier noch während der laufenden Legislaturperiode abtrat, hatte vor allem den Grund, seinem Nachfolger die Chance auf einen Amtsbonus zu geben. Als Vertrauter von Bouffier gilt Rhein nicht.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Die Frankfurter Goethe Universität
Rhein wurde als Sohn des früheren Frankfurter Schuldezernenten Peter Rhein geboren. Nach dem Abitur am Lessing-Gymnasium in Frankfurt im Jahr 1991 studierte er Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Studium schloss er im Jahr 1997 mit dem Ersten Staatsexamen ab. Nach dem Zivildienst, den er als Betreuer in einem Wohnheim für Schwerbehinderte (Praunheimer Werkstätten) absolvierte, folgte im Jahr 2000 das zweite Staatsexamen. Danach war er bis zu seiner Berufung zum Minister als Rechtsanwalt tätig. © Heike Lyding/Imago
Michel Friedmann
1996 sorgte Rhein als Vertreter der Jungen Union Frankfurt mit einem verbalen Angriff gegen seinen Parteikollegen Michel Friedman für Wirbel. Anlass war die scharfe Kritik des damaligen CDU-Vorstandsmitglieds am rechten Flügel der hessischen CDU. Friedman sei eine „Belastung für die Frankfurter CDU“, sagte Rhein, der Friedman indirekt zum Parteiaustritt und zum Verlassen der Stadt Frankfurt aufforderte. SPD und Grüne missbilligten die Aussage als „skandalöse Entgleisung“. © Thomas Koehler/Imago
Rockergruppe "Hells Angels"
Im Jahr 2011 wurden Vorwürfe gegen Rhein laut, er habe Kontakte zu der Rockergruppe Hells Angels. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte über ein Telefonat berichtet, bei dem ein Mitglied der Rockergruppe Rheins Hilfe bei Auseinandersetzungen um die Straßenprostitution im Frankfurter Bahnhofsviertel gelobt habe. Rhein wies die Vorwürfe weit von sich. „Ich habe weder Kontakte zu den Hells Angels, noch unterstütze ich diese Gruppierung oder treffe Absprachen mit ihnen“, sagte er damals. Im September 2011 erließ er ein Verbot gegen zwei Hells-Angels-Vereine. © Fredrik von Erichsen/dpa
Peter feldmann
Nur wenige Monate später musste Boris Rhein den ersten großen Rückschlag seiner politischen Karriere verkraften. Dass sein Weg nicht fortwährend steil nach oben führte, lag ausgerechnet an den Wahlberechtigten in seiner Heimatstadt. Bei der Wahl um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten erreichte Rhein im ersten Wahlgang zwar das beste Ergebnis, musste sich dann aber in der Stichwahl am 25. März 2012 deutlich seinem SPD-Kontrahenten Peter Feldmann geschlagen geben.  © Andreas Arnold/dpa
Fußballfans Frankfurt
Die Wahlniederlage könnte auch mit den Frankfurter Fußballfans zu tun haben. Selten hatten sich wohl so viele von ihnen an einer politischen Wahl beteiligt wie an jener um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters. Und warum? Um zu verhindern, dass Rhein neues Stadtoberhaupt wurde. Ihre Abneigung machten sie auch auf dem Platz deutlich. „Ob SGE, ob FSV, Boris Rhein will keine Sau“, hieß es da gerne. Und auf Flugblättern der Ultras war zu lesen: „Rhein raus – häng deine Nase ned in Dinge, von denen du keine Ahnung hast!“ Zuvor hatte Rhein „eine härtere Gangart gegen gewaltbereite Problemfans“ angekündigt.  © Imago
Frankfurter Opernplatz
In den Jahren danach präsentierte sich Boris Rhein ohnehin gerne als Vertreter von Recht und Ordnung. Als Innenminister forderte er eine Verschärfung des Strafgesetzbuches, um Gewalttaten gegen die Polizei besonders zu ahnden. „Die Beamten, die täglich ihre Gesundheit für das Allgemeinwohl aufs Spiel setzen, brauchen mehr Schutz“, sagte er 2013. „Die zunehmende Eskalation der Gewalt muss für die Täter besondere Konsequenzen nach sich ziehen.“ Rhein fasste seine Vorstellungen unter dem Stichwort „Schutzparagraf für Schutzleute“ zusammen. © Frank Rumpenhorst/dpa
Blockupy-Proteste in Frankfurt am Main
Für großes Entsetzen sorgten die Vorfälle vom 1. Juni 2013, als die Polizei in Frankfurt massiv gegen eine genehmigte Demonstration der Blockupy-Bewegung vorging. Als damaliger Innenminister verteidigte Rhein die Entscheidung, einen Kessel um rund 1000 Menschen zu ziehen. Dies sei „nachvollziehbar, richtig und vom Gesetz gedeckt“. Schließlich habe es massive Verstöße gegen das Versammlungsrecht gegeben. Im Grundrechte-Report 2013 hingegen war von einem „verfassungsrechtlichen Skandal“ die Rede.  © Boris Roessler/dpa
Ehemaliges Poilzeigefängnis Klapperfeld
Hohn und Spott erntete Boris Rhein im Oktober 2017, als er einmal am späten Abend mit einer Gruppe von teils offenbar angetrunkenen Begleitern mal eben Einlass ins „Klapperfeld“ in Frankfurt verlangt hatte - das alternative Kulturzentrum werde schließlich mit Steuergeld unterstützt. Diejenigen, die im Haus waren, verwiesen auf das Hausrecht der Initiative „Faites votre jeu!“ und die regulären Öffnungszeiten – aus der Besichtigung wurde nichts. Im Netz wurde darüber unter dem Hashtag #Rheinwillrein gelacht.  © Imago

Rhein gibt zu, dass er es schwierig findet, Genderformen zu lesen oder zu hören. Er bevorzugt herkömmliche Paarformen wie „Bürgerinnen und Bürger“. Mit komplizierten Genderformen fühlen sich laut Rhein viele Menschen ausgegrenzt. Er sieht darin das genaue Gegenteil von Inklusion.

Rat für deutsche Rechtschreibung sieht Gendern nicht als regulär an

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat im Juli vorläufig entschieden, Genderzeichen nicht als zentralen Bestandteil der deutschen Orthografie anzusehen. Eine neue Ergänzung des Rates führt allerdings das Gendern im Wortinneren - Doppelpunkt, Unterstrich und Sternchen - auf. Reguläre Zeichen sind diese jedoch weiterhin nicht. (esa/dpa)

Der Redakteur hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.

Auch in Bayern will Ministerpräsident Markus Söder das Gendern in Schulen untersagen.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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