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Der Betreiber von zwei Altenpflegeheimen in Kassel ist insolvent. Der Betrieb soll aber „uneingeschränkt fortgeführt“ werden.
Kassel – Das Sozialwerk der Christengemeinschaft Hessen hat beim Amtsgericht Kassel einen Antrag auf Eröffnung eines sogenannten „Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung“ gestellt. Der Verein ist der Betreiber von zwei Pflegeheimen in Kassel, dem Albert-Kolbe-Heim an der Hansteinstraße und den Hausgemeinschaften Am Heimbach, der Tagespflege Hermannstraße, sowie des Waldorfkindergartens in der Goetheanlage. Betroffen sind insgesamt rund 150 Mitarbeitende.
Die vorläufige Eigenverwaltung ist am 4. Dezember angeordnet worden. Das Amtsgericht hat die Melsunger Rechtsanwältin Jutta Rüdlin zur Sachwalterin bestellt. Hintergrund für den Antrag sind finanzielle Schwierigkeiten, in die das Sozialwerk geraten ist. Jutta Rüdlin nennt als Grund schriftlich: „unter anderem Kostensteigerungen, die die Pflegebranche aktuell bundesweit massiv belasten“.
Betreiber von zwei Altenheimen in Kassel ist insolvent
In allen Häusern des Sozialwerks werde aber der Betrieb uneingeschränkt fortgeführt, so die Sachwalterin. Die Mitarbeitenden seien für einen Zeitraum von drei Monaten über die Zahlung von Insolvenzgeld, das dem Nettogehalt entspricht, durch die Bundesarbeitsagentur abgesichert. Weitere als diese schriftlichen Informationen wollte Rüdlin nicht geben.
Aktuell gelte es erst einmal, „in dem vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren die Mitarbeiter, die Bewohner und ihre Angehörigen sowie die Beteiligten aus dem Kindergartenbereich über das Verfahren und die geplante Sanierung zu informieren“. Nach den drei Monaten und der Überbrückung durch die Bundesarbeitsagentur, so die Hoffnung, werde sich das Sozialwerk wieder konsolidiert haben.
Betrieb soll in allen Häusern des Sozialwerks der Christengemeinschaft fortgeführt werden
Derweil heißt es aus Kreisen der Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden wollen, dass diese Entwicklung wenig überraschend gekommen sei. Seitdem vor zwei Jahren eine neue Geschäftsführung ihre Arbeit aufgenommen hatte, waren vielfach dunkle Wolken im Kolbe-Heim aufgezogen, hatte sich Unsicherheit und Unruhe in der Belegschaft gebildet.
Sowohl die Pflegedienstleitung als auch die langjährige Heimleitung haben gekündigt. Andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Haus abhandengekommen sind, wurden durch Zeitarbeitspersonal ersetzt. Mit der Eigeninsolvenz, so die Befürchtung, könnten weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Pflegeheime verlassen. „Das Gesamtdrama im Sozialwerk spielt sich auf mehreren Ebenen ab“, sagte eine Mitarbeiterin. (Christina Hein)
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