VonMelanie Zimmermannschließen
Mitglieder der „Letzten Generation“ blockieren am Freitag (14. Juli) in Göttingen eine zentrale Kreuzung. Die Polizei greift ein.
+++ Update vom Freitag, 14. Juli, 18.25 Uhr: Nach den Sitzblockaden der „Letzten Generation“ am Weender Tor in Göttingen hat die Polizei sechs Beteiligte abgeführt, um weitere Blockaden zu verhindern. Die drei Frauen und drei Männer sollten bis zum späten Nachmittag in Gewahrsam bleiben, so der zuständige Bereitschaftsrichter des Amtsgerichts Göttingen.
Insgesamt hatten sich sechs Aktivisten am Asphalt festgeklebt und wurden von der Berufsfeuerwehr befreit. Die Einsatzkräfte mussten zudem elf Personen von der Straße tragen, die sich weigerten, ihren Protest freiwillig aufzugeben. Die hohen Temperaturen am Freitag machten den Aktivisten zusätzlich zu schaffen. Ein Gruppenmitglied wurde wegen Kreislaufproblemen in dem von der Polizei vorsorglich bestellten Rettungswagen versorgt.
Nach ersten Blockaden: „Letzte Generation“ lässt nicht locker in Göttingen
Die Aktivisten ließen sich von der Polizei nicht einschüchtern. Noch während der Identitätskontrolle bekundeten sie ihr Vorhaben, die Kreuzung erneut blockieren zu wollen. Mehrere Versuche wurden von der Polizei unterbunden. Wiederholte Platzverweise und Drohung auf Ingewahrsamnahme zeigten keinen Effekt. Am Mittag löste die Polizei die Demonstration dann vollständig auf.
Aktuell laufen 14 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Nötigung.
+++ Erstmeldung vom Freitag, 14. Juli, 11.25 Uhr: Auf den Tag genau vor vier Monaten haben Mitglieder der „Letzten Generation“ in Göttingen das letzte Mal eine Kreuzung durch Sitzblockaden und Festkleben blockiert und den Straßenverkehr so zum Erliegen gebracht. Nun war es mal wieder soweit.
Am Freitag, 14. Juli, blockierte die „Letzte Generation“ am Weender Tor in Göttingen die Kreuzung gleich in beide Fahrtrichtungen. Mit Insgesamt 14 Aktivisten war das Bündnis an diesem Morgen vor Ort, mehrere von ihnen klebten sich erneut mit Sekundenkleber auf der Fahrbahn fest. Bundesweit hat die „Letzte Generation“ an diesem Freitag unter dem Motto „Wir brechen das Gesetz!“ in 36 Städten Blockaden eingerichtet. Erst einen Tag zuvor hatten Aktivisten die Flughäfen in Hamburg und Düsseldorf gestört - dafür drohen jetzt Millionenstrafen.
„Letzte Generation“ blockiert Weender Tor in Göttingen - Autofahrer rollt auf Aktivistin zu
Es ging fast nichts mehr kurz nach neun Uhr an diesem Freitagmorgen. Mitglieder der „Letzten Generation“ aus Göttingen blockierten in schwarzen und dunkelgrauen Anzügen und verkleidet als Bundeskanzler Olaf Scholz, Verkehrsminister Volker Wissing und Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck an zwei Stellen das Weender Tor.
Wer vom Nikolausberger Weg kommend in Richtung Innenstadt unterwegs war, für den war auf Höhe des Fitnessstudios „Fitness First“ Schluss. Und auch für die Autofahrer, die vom Bahnhof kommend Richtung Auditorium unterwegs waren, endete die Fahrt an der Kreuzung auf Höhe des Vapianos.
„Letzte Generation“: Sitzblockade in Göttingen als Scholz, Habeck und Wissing verkleidet
Zum ersten Mal machten die Mitglieder des Bündnisses die zentrale Kreuzung gleichzeitig in zwei Fahrtrichtungen dicht - sehr zum Unmut der zum Warten gezwungenen Autofahrer. Gleich mehrere stiegen aus ihren Fahrzeugen aus, gingen auf die Aktivisten zu und erkundigten sich, wie lang die Aktion denn wohl noch andauern solle.
„Letzte Generation“: Sitzblockade in Göttingen als Scholz, Habeck und Wissing verkleidet




Das sagt die „Letzte Generation“ in Göttingen
„Wir machen heute darauf aufmerksam, dass die Bundesregierung gerade ihre eigenen Gesetze bricht. Bis Montag hatte das Verkehrsministerium von Volker Wissing die Aufgabe, dass Klimaschutzgesetz nachzubessern. Dem kommt er nicht nach, wissentlich unter der Erlaubnis von Bundeskanzler Scholz. Wir sind quasi als ‚Selbstanzeige‘ der Bundesregierung heute auf der Straße“, erklärt Rosa Reinisch, Aktivistin der „Letzten Generation“ aus Göttingen. (mzi)
Die Antwort „Das wird hier noch eine längere Weile dauern“ führte zu Augenrollen, Unverständnis - und bei dem ein oder anderen auch zu aggressivem Verhalten. Auf Höhe des Vapiano rollte ein in erster Reihe wartender, ungeduldiger Autofahrer mit seinem BMW-Kombi erst bis auf ganz wenige Zentimeter auf eine Aktivistin heran, ehe er aus dem Wagen ausstieg und versuchte, sie von der Straße zu zerren.
Aktivisten blockieren Weender Tor in Göttingen: Polizei nimmt zahlreiche Personalien auf
In seinem Vorhaben gestoppt wurde er von einer älteren Passantin, die die gesamte Aktion vom Straßenrand aus verfolgte und sich vehement dafür einsetzte, dass der aufgebrachte Mann von der Klimaaktivistin abließ und sich stattdessen mit ihr in einer zunächst recht hitzigen Diskussion auseinandersetzte.
„Ich habe sie zwei, dreimal freundlich gefragt, ob sie bitte zur Seite gehen könne, damit ich durchfahren kann. Aber die antworten einem ja nicht mal. Deswegen wollte ich sie dann hochnehmen. Ich habe jetzt schon zwei Termine verpasst, das geht doch nicht“, rechtfertigte der Mann sein Verhalten im Gespräch mit unserer Zeitung.
Grundsätzlich sei er sogar für die Sache, für die die „Letzte Generation“ sich einsetze. „Aber doch nicht so! Versteckt euch auch noch hinter Masken. Wer soll euch denn so bitte ernst nehmen?“.
Protestaktion der „Letzten Generation“ in Göttingen dauert deutlich länger als sonst.
Die nach rund 20 Minuten eingetroffenen Polizeibeamten nahmen dieses Mal nicht nur die Personalien der Aktivisten auf, sondern auch von vielen wartenden Autofahrern. Dies mache man zum einen, um Zeugen benennen zu können, zum anderen für den Fall, dass einige der Wartenden Anzeige wegen Nötigung stellen wollen, erklärte ein Beamter vor Ort.
Insgesamt dauerte die Aktion der „Letzen Generation“ deutlich länger als vorangegangene Male. Selbst, nachdem die festgeklebten Mitglieder von der Fahrbahn gelöst waren, versuchten einige wenige immer wieder, sich erneut auf die Fahrbahn zu setzen. (Melanie Zimmermann/Maibrit Schültken)


