Bundestagswahl am 23. Februar

Winterwahlkampf: Wie gut sind Kassels Behörden und Parteien vorbereitet?

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Auf sie kommt es an: Noch 2100 Wahlhelfer werden in Kassel für die vorgezogene Bundestagswahl gesucht
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Am 23. Februar 2025 soll ein neuer Bundestag gewählt werden. Reicht die Zeit für den Wahlkampf? Sind die Behörden gegen Pannen gewappnet?

Kassel – In gut 100 Tagen sollen die Deutschen einen neuen Bundestag wählen. Welche Bundesregierung das Land nach dem 23. Februar bekommt, wird auch im Wahlkreis Kassel mitentschieden. Etwa 220.000 Menschen sind hier stimmberechtigt.

Neben der Stadt Kassel umfasst der Wahlkreis 167 (früher 168) die Stadt Vellmar sowie die Gemeinden Ahnatal, Espenau, Fuldabrück, Fuldatal, Helsa, Kaufungen, Lohfelden, Nieste, Niestetal und Söhrewald.

Doch ist Kassel für die vorgezogene Neuwahl gewappnet? Entscheidend komme es auf die Unterstützung Ehrenamtlicher an, sagt ein Sprecher der Stadt. „Kurzfristig ausreichend freiwillige Wahlhelferinnen und Wahlhelfer zu finden, ist sicherlich eine der größten Herausforderungen bei der vorgezogenen Bundestagswahl.“

Kassel sucht noch 2100 Wahlhelfer

2100 von ihnen würden in der Stadt noch benötigt, sagt die Kasseler Wahlleiterin Anja Morell. Sie baut darauf, einen Großteil der Helfer der letzten Landtags- und Bundestagswahl zu gewinnen. Zugleich appelliert die Stadt an die Bevölkerung: „Für die Wahlbehörde wäre es eine große Hilfe, wenn sich viele Menschen bereits im Vorfeld aktiv bewerben.“ Interessierte sollen sich dafür im Netz registrieren unter kassel.de/wahlhelfer. Wer mitmacht, der bekommt ein sogenanntes Erfrischungsgeld. Das liegt je nach Tätigkeit zwischen 35 und 50 Euro.

Anja Morell, Wahlleiterin Wahlkreis Kassel

Insgesamt sieht man sich bei der Stadt den organisatorischen Fragen gewachsen. Allerdings dürfte eine hohe Zahl an Briefwählern aufgrund verkürzter Fristen Probleme bereiten. Die Wähler könnten zu einem reibungslosen Wahltag beitragen, „indem sie verstärkt die Urnenwahl nutzen oder den Online-Service zur Anforderung von Briefwahlunterlagen in Anspruch nehmen“, sagt Wahlleiterin Morell. Sie schätzt, dass sich die Öffnungszeiten der Briefwahlbüros auf zwei bis drei Wochen halbieren.

Warnung vor Extremisten: Demokratie müsse „wasserdicht“ sein

Die Kasseler Initiative „Offen für Vielfalt“ warnt indes, Behördenpannen könnten der Demokratie schaden. „Es besteht keine Frage, dass freie Wahlen gut organisiert und vorbereitet werden müssen. Weil immer mehr Extremisten auch auf dem Rechtsweg versuchen, nachträglich einzelne Wahlergebnisse anzufechten“, sagt Vorstandsmitglied Michael Sasse. Eine Bundestagswahl müsse deshalb „wasserdicht“ sein.

Klar ist: Ein „Wahl-Schlamassel“ wie im Jahr 2002 soll sich in Kassel nicht wiederholen. Damals war nur die Hälfte der rund 300 Wahlhelfer zur Auszählung der Briefwahlbezirke erschienen. Erst am nächsten Tag mittags waren alle Stimmen ausgezählt. Kassel ging als letzter Wahlkreis ohne Ergebnis bundesweit durch die Medien.

Wie sind die Parteien im Wahlkreis Kassel aufgestellt?

Nicht nur die Behörden, vor allem die Parteien müssen jetzt schnell in den Wahlkampfmodus schalten. Welche Kandidaten treten an, welche Parteien müssen ihre Wahlkreisbewerber noch nominieren? Und was heißt es, im Winter um Wähler zu werben? Eine Übersicht.

SPD

Bei der SPD gibt man sich optimistisch. „Das wird zeitlich eine große Herausforderung, aber wir kriegen das schon hin“, sagt Tim Herbst, Geschäftsführer der nordhessischen SPD. Daniel Bettermann soll als SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Kassel am 23. November in Niestetal nominiert werden. Die Aufstellung der hessischen SPD-Landesliste steht noch aus. Nach HNA-Informationen soll das am 21. Dezember passieren.

CDU

In der CDU ist die Kandidatenfrage noch offen. Erneut tritt der Kasseler Zahnarzt Maik Behschad an. Aber auch Michael Aufenanger, CDU-Vorsitzender im Landkreis, kandidiert. „Ich gehe von einem Votum für Maik Behschad aus“, sagt der Kasseler CDU-Vorsitzende Maximilian Bathon. Am 14. Dezember soll die Entscheidung fallen.

Aber wie will man um Stimmen werben, wenn das Gesicht für den Wahlkampf erst in einem Monat feststeht? „Was wir unabhängig vom Kandidaten tun können, machen wir“, so Bathon. Die CDU habe bei der Stadt bereits Info-Stände angefragt. Man wolle auch auf den Weihnachtsmärkten präsent sein. Die ehrenamtlichen Helfer müssten nun „schnell ins Arbeiten kommen“.

Grüne

„Wir Grüne sind ready“, sagt Boris Mijatovic, der als Kasseler Bundestagsabgeordneter wieder antritt. Aber: „Ein Winterwahlkampf ist eine besondere Herausforderung.“ Es sei „anstrengender, bei Frost in der Innenstadt zu stehen als bei 25 Grad.“ Bis das gesamte Wahlkampfmaterial fertig sei, dürfte es Januar werden, so Mijatovic. Dann soll die heiße Phase anlaufen, inklusive Haustürwahlkampf. Über die Landesliste der Grünen entscheidet der Landesparteitag am 14. Dezember in Marburg.

FDP

Die FDP gab ihren Wahlkreiskandidaten bereits Anfang Oktober bekannt: Der Kaufunger Jan Terborg tritt für die Liberalen an. „Die Demokratie ist es wert, auch bei Wind und Wetter Wahlkampf zu machen“, meint Matthias Nölke, Vorsitzender der Kasseler FDP.

Linke, AfD und Sonstige

Die Linkspartei kündigt an, ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin am 28. November nominieren zu wollen. Mehrere Personen seien dafür im Gespräch, berichtet ein Sprecher des Kreisverbands. Die hessische Landesliste soll bis zum Jahresende stehen.

Wer für die AfD im Wahlkreis ins Rennen geht, soll nach Angaben des Kreisvorstands im Dezember entschieden werden. Die AfD-Landesliste liegt bereits seit Anfang September vor. Darauf findet sich jedoch kein AfD-Mitglied aus der Stadt oder dem Landkreis Kassel.

Kleinstparteien dürfte die Neuwahl vor besondere Probleme stellen. Ihnen bleibt wenig Zeit, um die nötigen Unterschriften zu sammeln. Unklar ist, wie sich das BSW in Kassel aufstellen will. Den Landesverband gibt es erst seit einem Monat.

Während 2100 Wahlhelfer gesucht werden, sucht das Schulamt Kassel Lehrer.

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