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Durch den Baustopp an der A 44 befürchtet die Sontraer Stadtverordnetenversammlung eine erhebliche Mehrbelastung der Bewohner des Ulfetals und wirtschaftlichen Schaden für die Stadt.
Sontra – Ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen durch den Baustopp der A 44 und dadurch mehr Lärm, Gefahr und Straßenschäden: Das beschäftigt die Stadt Sontra mit ihren Stadtteilen. Einstimmig haben die 22 anwesenden Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend eine Resolution verabschiedet. SPD- und CDU-Fraktion sowie die Fraktion „Bürger für Sontra“ fordern darin den zeitnahen Weiterbau der Autobahn im Bereich Sontra.
Sontra fordert Weiterbau der A 44
Detlef Nizold (SPD) betonte, dass Sontra vor einem großen Problem stehe, wenn es dazu kommt, dass sich der Weiterbau zwischen Sontra-West und dem Bereich Riedmühle verzögert. „Der Verkehr auf der Straße hat mit jedem Teilabschnitt, der eröffnet worden ist, merklich zugenommen“, so Nizold. Sowohl im Ulfetal als auch in der Husarenallee in der Kernstadt, an der Kinder und Jugendliche betroffen seien, erlebten die Bürger bereits, was dann noch stärker auf sie zukommen könnte, wenn der Autobahnverkehr zukünftig ab Wichmannshausen oder Wölfterode von der Autobahn abfährt, um das fehlende Teilstück über die Bundesstraße 400 zu umfahren.
„Es ist eine riesengroße Sauerei, was man in Berlin meint, mit uns machen zu können“, sagte Marco Haukwitz (CDU) über die Situation. Das Verhalten der Bundes- und Landesregierung gegenüber der Stadt und ihren Bürgern sei an Verantwortungslosigkeit nicht zu übertreffen. Seine Worte trafen auf große Zustimmung. Auf der Sitzung, zu der auch knapp 30 Gäste erschienen waren, herrschte große Einigkeit darüber, dass etwas passieren müsse. „Die Bevölkerung verliert auch ein wenig den Glauben an die Politik“, sagte Jorias Bach (Bürger für Sontra) auch mit Blick auf den Grund hinter dem Baustopp. Berlin habe nun die Chance zu zeigen, dass die Verantwortlichen das besser machen können. Er werde sich an vorderster Stelle dafür einsetzen, dass die Resolution schnell beantwortet werde.
Sontraer Stadtverordnetenversammlung verabschiedet Resolution
In der Resolution fordern alle drei Fraktionen des Sontraer Parlaments das Bundesministerium für Digitales und Verkehr als Verantwortliche zu drei wesentlichen Punkten auf. Es soll die Planung und Vergabe der zu beauftragenden Leistungen für den Teilbereich Sontra-Nord bis Talbrücke Riedmühle beschleunigen, die Umsetzung dieser Maßnahme priorisieren und alle weiteren Verzögerungen vermeiden. Das schreiben die drei Fraktionen in dem gemeinsamen Schriftstück.
Zudem fordern sie, dass das Ministerium und die Deutsche Autobahn Gesellschaft (Deges) Stellung zu fünf Fragen beziehen:
. Wann erfolgt die erneute Ausschreibung für den Bauabschnitt Sonta-West bis Talbrücke Riedmühle?
. Wann ist mit der Vergabe zu rechnen?
. Wann ist mit der Freigabe des Abschnitts zu rechnen?
. Welche Entlastungsmaßnahmen sind für die Bürger im Ulfetal und der Stadt vorgesehen?
. Wer ist für die Folgeschäden auf den Straßen verantwortlich?
Adressaten sind unter anderem das Bundesministerium der Finanzen, das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, mehrere Landtagsabgeordnete und der Werra-Meißner-Kreis. Bürgermeister Thomas Eckhardt sagte mit Blick auf Gewerbegebiete, dass das Verkehrsprojekt für die Region immense Bedeutung habe. Die Resolution sei auch ein Startschuss für Solidaritätsbekundungen anderer Kommunen. „Diese Resolution und das Ansinnen, was sich dahinter verbirgt, darf nicht verpuffen“, so Eckhardt. Dieses Signal werde man Berlin deutlich senden.
Das sagen die Ortsvorsteher des Ulfetals
Lothar Asbrand, Ortsvorsteher Breitau: „Massiv werden wir davon beeinträchtigt werden“, sagt Asbrand. In Breitau gibt es landwirtschaftliche Betriebe in Vollerwerb. Es bestehe die Angst, dass ihre Maschinen nicht über die B 400 kommen, wenn der Verkehr weiter zunimmt. Beschädigt sei die im Bereich Breitau ursprünglich als Landes- und später zur Bundesstraße hochgestufte Fahrbahn bereits. Weitere sechs bis zehn Jahre halte sie nicht aus. Laut Asbrand hätte die Ausschreibung des Holstein-Tunnels deutlich früher geklärt werden müssen.
Horst Linhose, Ortsvorsteher Krauthausen: Die B 400 verläuft durch Krauthausen. Man sei zwar glücklich über die Fußgängerampel, die werde allerdings auch von Lkw-Fahrern zum Teil missachtet. Ein Problem bereite laut Linhose auch das Linksabbiegen an der Kreuzung. „Wir haben gehofft, dass das jetzt schnell geht“, sagt er mit Blick auf das Ende dieser Situation durch die Freigabe der A 44. Durch das ungewisse Ende der Lärmbelastung verlören auch Häuser an Wert. Trauerfeiern auf dem Friedhof sind nur mit Verstärker möglich.
Michael Stein, Ortsvorsteher Ulfen: Schon in den vergangenen Monaten hat Stein erlebt, dass mehr Verkehr, insbesondere Lkw, durch Ulfen fährt. Den seit etwa 20 Jahren geforderte Fußgängerüberweg über die B 400 wünsche er sich jetzt – zumindest vorübergehend. Denn 35 Einwohner müssen die Straße zu Fuß queren. Wenn sich Lkw auf der Brücke in der Ortslage begegnen, komme es oft zu Schwierigkeiten. Stein sieht den Grund für den Stopp in den hohen Umweltstandards, ohne die die A 44 seit zehn Jahren befahrbar wäre.
Herbert Cebulla, Ortsvorsteher Wichmannshausen: „Die Unzufriedenheit ist enorm groß“, erlebt Cebulla. Viele Einwohner des Stadtteils seien enttäuscht. Der mit viel Aufwand gebaute Tunnel Boyneburg bleibe durch den Stopp ohne Nutzen, dafür wird der Verkehr durch das Ulfetal geleitet. Je stärker der Verkehr auf der B 27 wird, umso schwieriger werde es für die Bewohner an der Straße „Alter Graben“ auf der anderen Seite der Bundesstraße. Gefährlich sei zudem, dass Fahrradfahrer den Verkehr derzeit an mehreren Stellen kreuzen müssen.
Von Eden Sophie Rimbach

