Zukunftsprojekte

Intelligente Straßenlaternen und Mülleimer: Das plant Eichenzell mit dem Smart-City-Projekt

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Eichenzell will von herkömmlichen Lichtern zu intelligenten Straßenleuchten wechseln. Diese geben Licht über LEDs ab und können mit integrierten Sensoren zudem verschiedene Daten überliefern.
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Straßenlaternen, die Energie einsparen und gleichzeitig Verkehrs- und Umweltdaten übermitteln; Sensoren, die anzeigen, welche Abfallcontainer oder Mülleimer wie voll sind: Diese Projekte sollen im Zuge von Smart City nun in Eichenzell vorangetrieben werden.

Eichenzell - Das benötigte Budget in Höhe mehrerer Hunderttausend Euro für die Zukunftsprojekte, welche die Gemeinde Eichenzell noch digitaler und Abläufe noch effizienter machen sollen, haben die Mitglieder des Digital- und Smart-City-Ausschusses am Montagabend freigegeben. Das Projektteam hatte die Projekte und deren Funktionsweisen im Schlösschen vorab vorgestellt. Ein Überblick:

Intelligente Straßenbeleuchtung: Eines der großen Projekte des zeitweise umstrittenen Smart-City-Teams in Eichenzell ist die Umrüstung von insgesamt 900 Straßenlaternen im Gemeindegebiet von herkömmlichen Lichtern zu intelligenten Straßenleuchten, die Licht über LEDs abgegeben und mit integrierten Sensoren zudem verschiedene Daten überliefern können. In einem Pilotprojekt sind derzeit bereits drei Laternen (zwei in Welkers, eine in Eichenzell) im Gemeindegebiet mit der neuen Technik ausgestattet. Die Umrüstung der 900 Laternen kostet rund 500.000 Euro - jeweils 25 Prozent (127.000 Euro) sollen mit Förderprogrammen von Bund und Land finanziert werden.

Eichenzell wird noch digitaler: Sensoren an Laternen und Mülleimern

Projektmitarbeiter Michael Kottusch erklärte die Funktionsweise der smarten Masten: „Alte Leuchten, die derzeit noch vielerorts verbaut sind, strahlen das Licht überall hin, die LED-Leuchten tun dies gezielt.“ Zudem könne man bei den intelligenten Straßenlaternen von „bewegtem Licht“ sprechen. Heißt konkret: „Wenn niemand an der Laterne vorbeikommt, strahlt das Licht nur zu 20 Prozent. Läuft jemand vorbei, schaltet die Beleuchtung der Laterne und der drei auf dem Weg folgenden auf 100 Prozent.“ Auch bei Schnee oder Nebel kann die Lichtintensität erhöht werden. Das Prinzip ist auch auf den Straßenverkehr übertragbar. Und: Die Beleuchtung soll „nachtfreundlich“ im Sinne des Sternenparks Rhön werden.

Mit dieser Technik könnten bis zu 80.000 Euro der Energiekosten für die Straßenbeleuchtung im Jahr eingespart werden. Derzeit überweist die Gemeinde rund 300.000 Euro im Jahr an die RhönEnergie als zuständigen Energieversorger.

Doch die smarten Straßenlaternen können deutlich mehr, wie Kottusch schilderte: Im Mast verbaute Sensoren können Daten über die Wetterverhältnisse sowie die Luftqualität liefern und erkennen, ob Personen oder Fahrzeuge in der Nähe sind. Dadurch ist es möglich, Verkehrsdaten zu erhalten und aufzuzeigen, wie die Parkplätze im Umfeld der Leuchte belegt sind. Und: Über die Sensoren kann zudem Lärmbelästigung identifiziert werden. Nico Schleicher, Leiter des Bauamts in Eichenzell, betonte: „Das, was wir vorhaben, ist fast einmalig in Deutschland. Es kann eine wegweisende Technik sein. Auch für Themen wie autonomes Fahren.“ Denn: Die Lichtmasten können ans Internet angeschlossen werden und so direkt Daten mit den Fahrzeugen austauschen. An den Masten können zudem digitale Informationstafeln angebracht werden.

Der Freigabe des Budgets (120.000 Euro für die Umstellung auf Dauerspannung und 185.000 Euro für die Kommunikation und Steuerung der Technik) stimmten die Ausschuss-Mitglieder mehrheitlich zu. 65 Prozent der Kosten werden durch Fördermittel getragen.

Mülleimer und Altglas-Container bekommen Sensoren

Sensoren an Altglascontainern und Mülleimern: Sämtliche öffentliche Mülleimer und Altglas-Container im Gemeindegebiet sollen mit Sensoren ausgestattet werden, die Informationen über den Füllstand der Behälter über die gemeindeweite Übertragungstechnik „LoRaWAN“ liefern. Smart-City-Projektmitarbeiter Kottusch erklärte: „Per App kann dann angezeigt werden, welcher Container schon befüllt ist und welcher nicht.“ Damit könne verhindert werden, dass Container - wie es derzeit häufig vorkomme - überlaufen.

„Gemeindemitarbeiter fahren in regelmäßigen Abständen alle Mülleimer in der Gemeinde ab. Vor allem abseits gelegene Behälter sind selten voll. Mülleimer an Spielplätzen müssen dagegen häufiger geleert werden. Mithilfe der Sensoren haben die Mitarbeiter jederzeit Informationen über die Füllstände und können die Stellen gezielt anfahren.“ Das System sei ohne Probleme auch auf andere Kommunen übertragbar. Der Ausschuss-Vorsitzende Viktor Baumann zeigte sich begeistert: „Das ist genau das, was ich unter einer Smart-City-Lösung verstehe.“

Die Installation der Sensoren kostet pro Stück knapp 300 Euro, die Installation der Software jeweils knapp 500 Euro. Auch hier stimmte der Ausschuss der Freigabe des Gesamtbudgets (Ausstattung der Altglas-Container und Mülleimer 10.000 Euro, Integration der Software 20.000 Euro) mehrheitlich zu. 65 Prozent der Kosten werden gefördert.

Sensoren sollen Bauhofmitarbeitern helfen

Winterdienst und Bewässerung von Grasflächen steuern: Nicht nur das Abfallmanagement soll mit Sensoren und der Übermittlungen von Daten effizienter werden, auch die Arbeit des Bauhofs soll mit dem System zielgerichteter werden. Abhilfe kann in Sachen Winterdienst und Bewässerung im Sommer geschaffen werden: Unter anderem können die Füllstände der Zisternen und der Salzsilos der Gemeinden mithilfe der Sensoren überwacht werden - genauso wie insgesamt 87 Gießpunkte und 16 Sportplätze in Eichenzell.

„Im Sommer können die Bauhofmitarbeiter so sehen, wo und wie viel auf Grünflächen, an Bäumen und Fußballplätzen gewässert werden kann“, erklärt Kottusch. Mit Sensoren an Straßen könne in Wintermonaten zudem gemessen werden, ob und wie viel Eis und Schnee sich auf einer Straße befindet - „der Räumdienst kann dementsprechend dann gezielt eingesetzt werden“.

Die Kosten für diesen Projektteil, die ebenfalls mehrheitlich freigegeben wurden, setzen sich wie folgt zusammen: 5000 Euro für die Überwachung der Füllstände, 70.000 Euro für das Bewässerungsmanagement sowie 40.000 Euro für die Integration in die Software. 65 Prozent der Kosten werden auch hier gefördert.

Starkregenfrühwarnsystem; „Wir haben immer häufiger mit Extremwetter und Starkregen zu kämpfen. Dafür wollen wir uns rüsten“, sagte Kottusch. Eichenzell ist zwar bereits Teil des Starkregenprojekts des Landkreises Fulda, wo an verschiedenen Stellen Gewässerpegel mit Sensoren gemessen werden und Warnmeldungen herausgegeben werden können, doch die Gemeinde und das Smart-City-Team wollen noch mehr tun: „Derzeit werden sechs Pegelstände überwacht. Ziel ist es, weitere Stellen mit Sensoren zu überwachen und im Katastrophenfall gezielter reagieren zu können“, so Kottusch. Die Kosten hierfür belaufen sich mit der Sensor-Installation - bei einem Förderanteil von 65 Prozent - auf 60.000 Euro.

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