Religion

Rechter Shitstorm wegen „Happy-Ramadan“-Dekoration in Frankfurt

+
„Happy Ramadan“. Der Schriftzug hängt über der Frankfurter Freßgass und wird ab Sonntag illuminiert.
  • schließen

Frankfurt hängt erstmals Ramadan-Beleuchtung auf. Die AfD und viele ihrer Anhänger stören sich an der Dekoration auf der Freßgass.

Frankfurt - Wenige Tage vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan erfährt die Stadt Frankfurt massive Angriffe aus der rechten und rechtspopulistischen Szene. Grund ist die Ramadan-Beleuchtung auf der Freßgass, die aus Sternen, Kugeln und Halbmonden sowie dem Schriftzug „Happy Ramadan“ besteht. Aufgehängt wurde der Schmuck am Montag. Seitdem haben sich in den sozialen Medien dazu Hunderte Kommentare angesammelt.

Unter Hashtags wie „Frankfurt“ oder „Unterwerfung“ finden sich zahlreiche Pöbeleien und immer wieder die These, der Ramadan gehöre nicht zur deutschen Kultur und dürfe deshalb nicht im öffentlichen Raum begangen werden. Auch AfD-Politiker, allen voran Björn Höcke aus Thüringen, meldeten sich zu Wort. Höcke nutzte die Debatte über die Ramadan-Beleuchtung, um Wahlwerbung zu machen. Derweil sprach die AfD-Fraktion im Hessischen Landtag von der „schrittweisen Islamisierung unseres Landes“.

Ramadan-Beleuchtung: Stadt Frankfurt sieht sich in Vorreiterrolle

Die Frankfurter Stadtverordnete Hilime Arslaner (Grüne) hatte mit der Debatte in dieser Schärfe gerechnet. „Es nutzen jetzt viele die Gelegenheit, um auf Muslime und den Islam zu schimpfen“, sagte sie im Gespräch mit der FR. In den sozialen Medien finde sich aber nur ein kleiner Ausschnitt der Diskussion. „Wir erhalten auch viel Zuspruch und Unterstützung“, sagte Arslaner. Die Stadt Frankfurt nehme eine Vorreiterrolle ein, indem sie als erste Kommune in Deutschland eine Beleuchtung zu Ramadan anbringe. In den Straßen von London gibt es Schmuck im Fastenmonat schon länger.

Die Ramadan-Beleuchtung sei „ein Zeichen des Miteinanders“, sagte Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne): „Klar gibt es bei uns immer auch kritische Stimmen, aber wichtiger ist, dass wir uns gemeinsam gegen Rassismus, gegen Muslimfeindlichkeit, gegen Antisemitismus stellen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Ramadan

Der muslimische Fastenmonat richtet sich nach dem Mondkalender. In diesem Jahr beginnt er am 10. März.

In dieser Zeit verzichten Menschen muslimischen Glaubens von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf das Essen, Trinken und Rauchen. Ausnahmen gelten für Kinder, kranke und gebrechliche Menschen, aber auch für Leistungssportler. Werte wie Besinnung, Gemeinschaft, Solidarität und Spiritualität sollen im Ramadan im Mittelpunkt stehen. Mit dem Zuckerfest am 9. April endet der Ramadan. geo

Dass die Freßgass im Ramadan beleuchtet wird, hatten die Stadtverordneten im Juni beschlossen. Über den Etatantrag der Koalition, der 100 000 Euro für den Schmuck vorsieht, war in öffentlicher Sitzung nicht größer diskutiert worden.

Der Frankfurter Koordinationsrat der Moscheen dankte den Stadtverordneten. Die Aktion sei ein Novum in Deutschland und symbolisiere „nicht nur die Wertschätzung und Anerkennung kultureller und religiöser Vielfalt unserer internationalen Stadt, sondern fördert damit auch das Verständnis und die Harmonie zwischen den Gemeinschaften“.

Illumination in Frankfurt auch zu Zucker- und Opferfest

Wann die Stadt Frankfurt den nächsten Shitstorm von rechts erlebt, dürfte indes schon feststehen. Gemäß dem Antrag der Koalition wird der Römer während des Zuckerfestes (9. und 10. April) und des Opferfestes (16. bis 20. Juni) mit den arabischen Worten „Eid Mubarak“ illuminiert, die auf Deutsch „Gesegnetes Fest“ bedeuten. (Georg Leppert)

Kommentare