VonFlorian Leclercschließen
In Deutschland leiden 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler an einer psychischen Erkrankung. Suizid-Prävention ist Thema beim Städtetag sowie ein neuer Pakt für Gesundheitsämter.
Alix Puhl war vier Jahre lang Vorsitzende des Frankfurter Stadtelternbeirats. 2020 nahm sich Emil, eines ihrer vier Kinder, mit 16 Jahren das Leben. Mit ihrem Mann Oliver Puhl gründete Alix Puhl das Suizid-Präventionsprojekt Tomoni Mental Health, das sie auf Einladung von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) bei der Tagung des Deutschen Städtetags in Frankfurt vorstellte.
Sie hätten bislang mehr als 2000 Lehrerinnen und Lehrer in allen 16 Bundesländern geschult, sagt sie. „Damit haben wir über die Lehrkräfte etwa 60 000 bis 70 000 Schülerinnen und Schüler erreicht.“ Der Bedarf sei enorm. „Die Menschen kommen auf uns zu, wir müssen nicht in die Schulen gehen, um für das Programm zu werben.“
Erkrankung oft vor dem 15. Lebensjahr
In Deutschland litten etwa 20 Prozent der 13 Millionen Schülerinnen und Schüler an einer psychischen Erkrankung, führt Mike Josef aus. Oft beginne diese schon vor dem 15. Lebensjahr. „Es gibt aber eine gute Nachricht: Psychische Erkrankungen sind behandelbar“, sagt er. „Wir wollen das Thema aus der Tabuzone holen.“
Um Erkrankungen zu erkennen, zu behandeln und ihnen bestenfalls präventiv zu begegnen, seien gut aufgestellte Gesundheitsämter wichtig, führt Katja Dörner (Grüne), Oberbürgermeisterin in Bonn und Vize-Präsidentin des Deutschen Städtetags, aus. Sie wirbt für die Fortführung des „Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst.“ Dieser wurde infolge der Pandemie geschnürt und läuft von 2021 bis 2026.
Er sieht Geld für Personal, Digitalisierung, Forschung, Evaluierung und ein elektronisches Meldesystem vor. „Wir brauchen eine Anschlussfinanzierung, wenn der Pakt ausläuft, sonst bleiben die Prozesse auf halber Strecke liegen“, so Dörner.
Darunter würde dann auch präventive Arbeit leiden: etwa in Schulen, Kitas und Pflegeheimen. Der alte Pakt sei stark auf den Infektionsschutz ausgerichtet gewesen. Ein neuer sollte ganzheitlicher aufgestellt sein. Dafür brauche es ein neues Leitbild. Hier sollte der Bund auf die Expertise der kommunalen Spitzenverbände zurückgreifen.
Vorläufige Haushaltsführung
Städtetagspräsident Markus Lewe (CDU) sieht schon Anzeichen, dass das geschieht. „Wir durften bei der Jahreskonferenz der Ministerpräsidenten teilnehmen und sind in ein paar Tagen beim Bundeskanzler,“ sagt er. Auch mit dem neuen Bundesfinanzminister Jörg Kukies (SPD) stehe der Städtetag im Austausch über die vorläufige Haushaltsführung – „so etwas kennen wir aus den vergangenen Jahren nicht“.
Wichtig sei es, jetzt Entscheidungen zu treffen. Bis sich der neue Bundestag zusammensetze, könne es Herbst 2025 geworden sein.
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