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Die Stadt hat sich mit der Fraspa und der Helaba geeinigt. Das Schauspiel soll an der Neuen Mainzer Straße gebaut werden, die Oper am Willy-Brandt-Platz.
Frankfurt - Die Stadt Frankfurt hat sich mit der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) und der Hessischen Landesbank (Helaba) auf den Neubau des Schauspiels an der Neuen Mainzer Straße 47-51 geeinigt.
Man habe eine Absichtserklärung unterzeichnet, die ein Jahr lang bis Juli 2024 Bestand habe, sagte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Die Entscheidung fällen die Stadtverordneten. Sie hatten ihren Beschluss zuvor auf die Zeit nach der Sommerpause vertagt.
Helaba und Sparkasse bauen 160-Meter-Turm in Frankfurt
Josef warb für die sogenannte umgekehrte Variante der Kulturmeile. Dabei wird das Schauspiel an der Neuen Mainzer Straße gebaut, die Oper am Willy-Brandt-Platz. „Es wird keinen Eingriff in die Wallanlage geben“, hob er hervor.
Das sei ein klarer Vorteil gegenüber der Spiegellösung mit dem Schauspiel in den Wallanlagen gegenüber der Oper am Willy-Brandt-Platz sowie der regulären Kulturmeile mit dem Opernbau an der Neuen Mainzer Straße und dem Schauspiel am Willy-Brandt-Platz.
Für das Schauspielhaus stehe an der Neuen Mainzer Straße ein 5500 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung, führte Josef aus. Dort befindet sich aktuell das Hauptgebäude der Frankfurter Sparkasse neben dem 115 Meter hohen Japan Center.
Auf der Nordseite des Sparkassen-Geländes könnten die Frankfurter Sparkasse und die Helaba den Angaben zufolge ein 160 Meter hohes Hochhaus errichten. Das Grundstück ist etwa 4000 Quadratmeter groß. Der Turm hätte eine Geschossfläche von 63 500 Quadratmetern.
Er wäre 30 Meter höher als derzeit geplant und böte unter anderem Platz für eine Tiefgarage. In unmittelbarer Nachbarschaft im Norden wird derzeit der Central Business Tower an der Neuen Mainzer Straße 59 gebaut, der 205 Meter hoch werden soll.
Mit Fraspa und Helaba sei ein Erbbauzinsvertrag für das Grundstück vereinbart worden, führte Josef aus. Die Stadt zahle einmalig 35 Millionen Euro und in der Folge 1,99 Millionen Euro pro Jahr. Die Laufzeit betrage 199 Jahre. Der Erbbauzins von 2,17 Prozent sei für die Stadt ein guter Deal, so Josef.
An der Neuen Mainzer Straße könnte ein 700 Quadratmeter großer und langgestreckter Platz zwischen dem Japan Center und dem neuen Schauspiel entstehen, mit einem Zugang von der Straße in die Wallanlage, hob Josef hervor.
Ein städtebaulicher Wettbewerb für diesen Platz könnte ab Sommer 2024 ausgeschrieben werden. Ein Abriss des Sparkassen-Hauptgebäudes wäre 2027 möglich. Beim Schauspiel rechnet Josef mit einer Bauzeit bis 2031. Die Oper am Willy-Brandt-Platz soll demnach 2037 fertig sein. „Aus meiner Sicht könnten die Stadtverordneten im September oder Oktober 2023 einen Beschluss fassen“, sagte er.
Schauspielhaus in Frankfurt könnte bis 2031 fertig sein
„Die Zeit der Prüfungen ist vorbei“, hielt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) fest. Sie führte aus, die Oper könnte 2031 interimsweise in das neue Schauspiel einziehen, auch wenn es weniger Sitzplätze haben werde als die Oper derzeit. Das Gebäude bekomme einen Orchestergraben.
Das Schauspiel soll den Angaben zufolge bis 2037 übergangsweise im Bockenheimer Depot unterkommen. Hartwig sah in der veränderten Kulturmeile und auch in der Spiegelvariante gute Lösungen für den Bühnen-Neubau. Sie lobte, dass an der Wallanlage „ein Solitär“ für das Schauspiel entstehen würde, kein gemischtes Bank-und-Bühnen-Gebäude.
Frankfurt: Hartwig sieht Doppelanlage als schlechteste Lösung
Gegen eine Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz habe sich der Betriebsrat der Städtischen Bühnen ausgesprochen, sagte Hartwig. Dort ließen sich keine Werkstätten oder Probebühnen unterbringen. „Es ist die schlechteste Lösung.“
Mathias Hölzinger, Leiter der Stabsstelle Zukunft Städtische Bühnen, erklärte auf Nachfrage, eine Stapelung der Dekorationswerkstätten, wie es sie bisher gebe, habe den Nachteil, dass Kulissen und Requisiten per Aufzug durch das Gebäude transportiert werden müssten. Wenn ein Aufzug ausfalle, gebe es ein Problem.
Josef ging mit der Spiegelvariante kritisch ins Gericht. Der ehemalige Planungsdezernent rechnet dort mit vier bis fünf Jahren, um Baurecht zu schaffen. Hinzu komme ein substanzieller Eingriff in die Wallanlage, wobei zahlreiche alte Bäume gefällt werden müssten.
Er warb beim Bühnen-Neubau für einen internationalen Architekturwettbewerb, der ein nachhaltiges, offenes und zukunftsfähiges Gebäude im Sinn haben soll.
Die Frankfurter Sparkasse und die Helaba hatten ihre Beschäftigten am Mittwochvormittag über die Absichtserklärung, das „Memorandum of Understanding“, informiert.
Die Einigung bringe den Kulturstandort voran und sei finanziell zufriedenstellend, sagte Helaba-Geschäftsführer Thomas Groß. Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, teilte mit, die Frankfurter Sparkasse habe nun die Perspektive, das Grundstück in zentraler Lage attraktiv zu entwickeln. (Florian Leclerc/Georg Leppert)
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