Hunderte Menschen steckten stundenlang in Staus auf Autobahnen fest: Schnee und glatte Straßen haben in der Nacht zum Donnerstag zu erheblichen Behinderungen auf Straßen in Teilen Deutschlands geführt. Betroffen waren vor allem die Autobahnen 3, 4, 5 und 7. Besonders in Osthessen gab es lange Staus.
Fulda - Als der 44-jährige Markus aus Marbach am Mittwochabend gegen 22 Uhr ans Stauende fährt, ist ihm gleich klar: „Da geht nicht mehr viel.“ Er ist auf der A7 in Richtung Süden unterwegs. 500 Meter vor ihm in der Nähe von Homberg (Efze) stehen drei Lastwagen quer. „Autos sind da noch vorbei gekommen, aber ich war mit einem Sprinter und einem Anhänger unterwegs, da kam ich nicht durch“, sagt er.
Stau auf Autobahnen: Sprinter-Fahrer verbringt Nacht im Schnee
Noch bis Mitternacht habe er sich die Zeit mit Telefonieren vertrieben, danach sei er eingedöst. „Richtig schlafen kann man nicht. Es fallen einem immer wieder die Augen zu, aber es ist unbequem und kalt. Anders als in den Lkws hat unser Sprinter keine Standheizung. Ich hatte zum Glück Jacke, Mütze und Handschuhe dabei und habe das Auto auch immer wieder angemacht, damit es etwas wärmer wird. Aber ich musste Benzin sparen, sonst wäre ich nicht mehr bis nach Hause gekommen.“
Mit den Lastwagenfahrern, die mit ihm im Stau stehen, hat er kaum Kontakt. „Aber es kamen immer mal wieder Leute vorbei und haben geschaut, ob sie durchfahren können“, sagt er. „Von der Feuerwehr bin ich gefragt worden, ob ich lebende Tiere im Auto habe. Weiter hinten im Stau musste ein Viehtransport gewesen sein und sie haben den Tieren dann Wasser gegeben.“
In den Morgenstunden sei die Feuerwehr auch mit Tee vorbei gekommen. „Und um 9 Uhr haben sie mir eine Decke gebracht“, sagt der 44-Jährige. Auch ein Mittagessen hatten die Einsatzkräfte angekündigt: „Sie wollten gegen 13.30 Uhr nochmal kommen. Das war aber leider nicht so.“ So kommt es, dass der Marbacher bis zum Nachmittag nichts gegessen hat.
Richtig schlafen kann man nicht. Es fallen einem immer wieder die Augen zu, aber es ist unbequem und kalt.
Immerhin löst sich der Stau gegen 16 Uhr endlich auf. „Weil sich den ganzen Tag kaum was bewegt hat, hatte ich schon Sorge, dass ich noch eine Nacht auf der Autobahn verbringen muss – und diese Nacht wäre noch kälter geworden.“ Ein Sprecher des hessischen Schwalm-Eder-Kreises drückt es so aus: „Auf der A7 ist wirklich Alarm.“ Die Lastwagen seien teils wegen Glätte, teils wegen technischer Defekte hängen geblieben.
Nicht alle Fahrer hatten genug Sprit dabei. Die meisten im Stau gefangenen Menschen hatten stundenlang das Auto laufen lassen, damit sie nicht frieren. Die Helfer „waren teilweise zu Fuß unterwegs, um die Menschen in den Fahrzeugen zu versorgen und zu betreuen“, berichtete die Polizei in Fulda.
Betreuungszüge des Deutschen Roten Kreuzes und der Malteser verteilten heiße Getränke auf der A7, aber auch auf der A3, wo sich die Fahrzeuge auf 50 Kilometer stauten und laut Polizei etwa 2000 Menschen festsaßen. Einige Verkehrsteilnehmer, etwa Lkw-Fahrer Wolfram Mai, warteten statt auf der Autobahn lieber auf einem Rastplatz, wie hna.de berichtet.
Video: Stillstand auf der Autobahn: Schnee sorgt für erhebliche Verkehrsbehinderungen
„Da waren Menschen dabei, die waren einfach froh, dass sie mal einen warmen Kaffee bekommen haben, weil sie schon vier Stunden im Stau standen“, sagte Tim Wessel von den Feuerwehren der Verbandsgemeinde Asbach. Wem der Kraftstoff ausging oder die Batterie versagte, durfte in den Mannschaftswagen, „damit sie im Warmen sitzen konnten“, so Wessel.
„Vereinzelt mussten Menschen mit Medikamenten versorgt werden, zum Beispiel Diabetiker“, berichtete der Kreissprecher über den Einsatz auf der A7. Auch heißes Wasser für Babybrei wurde angerührt. Im Stau befanden sich laut Polizeipräsidium Osthessen zwei Schwangere, die von Einsatzkräften durch die Rettungsgasse begleitet wurden.
Medizinische Notfälle gab es auch auf der A3: „Wir hatten etwa eine Unterzuckerung und eine Panikattacke“, sagte der Polizeisprecher. Probleme hatten auch die Streufahrzeuge, die auf der A3 nicht immer vorankamen. „Wie uns berichtet wird, kommen stellenweise weder Einsatzkräfte noch Streufahrzeuge durch“, hieß es bei der Polizei in Mainz. Auf der A5 bei Hattenbach gingen die Helfer sogar dazu über, mit der Hand zu streuen. (dan)