Die 679 Kilometer lange Erdgas-Leitung Mitte-Deutschland-Anbindungsleitung (Midal) soll nach dem Wunsch von K+S auf 1,8 Kilometer Länge von der Kalihalde weg verlegt werden.
Pläne für die Verlegung der Erdgasleitung in der Nähe des Kalibergs sorgen für neue Unruhe in Neuhof. Denn der Leitungsbetreiber Gascade begründet sein Vorhaben mit den Plänen von K+S, die Salzhalde abzudecken – was eigentlich vom Tisch schien. Die Bürgerinitiative und Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) zeigt sich überrascht und besorgt, K+S hingegen gelassen.
Neuhof - Nach massiven Protesten der Bevölkerung verzichtete K+S auf seine Pläne, den Kaliberg über 100 Jahre lang mit Bauschutt und Erdaushub abzudecken. Kali+Salz, BI und Gemeinde vereinbarten Gespräche am Runden Tisch, die jetzt begannen.
Doch die Gasleitung sorgt für neuen Wirbel. Klar war: Die Dickschichtabdeckung mit 100 Millionen Tonnen Material ist nur möglich, wenn die Erdgasleitung verlegt wird. Gascade verweist bei seinen Planungen ausdrücklich auf das Bergbauunternehmen: „Aufgrund der uns angezeigten Planungen von K+S ist die Gascade-Pipeline Midal in Neuhof-Ellers betroffen und muss umgelegt werden“, sagt Sprecher Arne Kupetz.
Landkreis Fulda: Wirbel um Verlegung der Gasleitung in Neuhof
Auch das Regierungspräsidium Kassel erklärt: „Bei der Verlegung der Gasversorgungsleitung handelt es sich um eine Folgemaßnahme im Zuge der Abdeckung der Rückstandshalde in Neuhof“, sagt Sprecher Hendrik Kalvelage.
Bekannt wurden die Pläne von Gascade, weil das Regierungspräsidium ein Scoping-Verfahren eingeleitet hat. Es ist ein Vorverfahren zum eigentlichen Planfeststellungsverfahren. Dabei wird der Untersuchungsrahmen für die Umweltverträglichkeitsprüfung festgelegt. Die Gasleitung soll auf einer Länge von 1800 Meter südlich von der Halde vom Kaliberg weg und hin zur Wohnbebauung von Neuhof (Landkreis Fulda) verlegt werden.
Die BI erklärt, der Gascade-Antrag zur Leitungsverlegung sei eine wichtige Voraussetzung für eine Dickschichtabdeckung. „Ohne eine Verlegung der Gasleitung wäre eine solche Abdeckung der Halde nach den im vergangenen Jahr von K+S vorgelegten Unterlagen nicht umsetzbar“, äußert die BI. Doch K+S, BI und Gemeinde Neuhof hätten am 3. Mai im Eckpunktepapier vereinbart, dass zukünftige Maßnahmen grundsätzlich nur innerhalb des aktuellen Betriebsgeländes von K+S erfolgen sollen.
Mehrere Hundert Menschen sind in Neuhof auf die Straße gegangen - Demo gegen Pläne von K+S
„In einem solchen Fall braucht es aber keine Verlegung der Gasleitung“, sagt BI-Vorsitzender Hubert Enders. Entscheidend sei zudem, so Enders, dass K+S die Planung einer Dickschichtabdeckung ausdrücklich zurückgenommen habe. K+S habe verbindlich zugesagt, dass es in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren einen Konsens über das Verfahren suchen wolle. „Es ist nicht akzeptabel, wenn jetzt im Vorgriff auf den Runden Tisch durch die Verlegung der Gasleitung Fakten geschaffen werden, die allein den Anforderungen einer späteren Dickschichtabdeckung dienen würden“, sagt Enders. K+S habe bislang keine plausible Erklärung geliefert.
„Uns sprechen zunehmend besorgte Bürger an, die sich fragen, wie das sein kann, wenn K+S doch zugesagt hatte, nun im Konsens mit der Gemeinde und der Bürgerinitiative nach Lösungen für die Haldenwasserproblematik zu suchen. Und genau das fragen wir uns auch“, sagt Enders. „Dass ohne Information an die Beteiligten ein Verwaltungsverfahren eingeleitet wurde, für das es nach dem Eckpunktepapier keine Planungsgrundlage mehr gibt, kann die BI nicht nachvollziehen“, sagt der BI-Vorsitzende.
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Das Unternehmen K+S hingegen hält die Sorgen für unbegründet. Eine Verlegung der Leitung sei in jedem Fall notwendig – egal welches Verfahren später gewählt werde. K+S-Sprecher Marcus Janz sagt unserer Zeitung: „Die Ferngasleitung verläuft heute über das Gelände des Werks Neuhof-Ellers und östlich der Halde in unmittelbarer Nähe des Haldenfußes. Daher wäre die Pipeline von jeder größeren Maßnahme an der Halde betroffen, die im Zuge der Alternativenprüfung am Runden Tisch diskutiert werden soll.“
Angestoßen worden seien die aktuellen Planungen durch die ursprüngliche Planung einer Haldenabdeckung durch K+S. Im Scoping-Verfahren werde jetzt lediglich der Untersuchungsrahmen für das spätere Genehmigungsverfahren geklärt.
Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) hält die Argumente von K+S für wenig überzeugend: „Mir erschließt sich nicht, warum das Verfahren jetzt schon eingeleitet werden soll. Wenn die Beteiligten am Runden Tisch ergebnisoffen diskutieren, dann gibt es keinen Grund, jetzt schon über die Verlegung der Leitung nachzudenken. Anders herum gewendet: Wenn K+S die Gascade um die Verlegung der Leitung bittet, dann zeigt das doch, dass der Kaliberg wachsen soll.“ K+S solle nun für Aufklärung und Transparenz sorgen. Heiko Stolz: „Entweder K+S kann seine Pläne erklären, oder es lässt sie ruhen.“