- VonMirko Luisschließen
Während die ersten Sonnenstrahlen über die vom antonius Hof in Fulda-Haimbach nahe Niederrode bewirtschafteten Felder gleiten, liegt in der Spätsommerluft ein erdiger Duft. Der Roder startet sein Werk, hebt die Erdknollen behutsam aus dem Boden, entfernt überschüssige Erde und sortiert sie in Größe und Qualität.
Fulda - Gleichzeitig ist die Erntemannschaft vom Biohof aus Fulda Haimbach damit beschäftigt, die Kartoffeln manuell zu überprüfen und beschädigte oder ungenießbare Knollen auszusortieren. Geübte Hände und scharfe Augen ergänzen die maschinelle Sortierung. In den Worten von Michael Thauer, Bereichsleiter Ackerbau vom antonius Hof, liegt viel Wertschätzung.
„Unser Ernteteam ist mit viel Leidenschaft dabei, die Ernte zu sichern. Selbst wenn die Sonne brennt, überprüfen die Helfer auf dem Roder jede Knolle sorgfältig und sortieren beschädigte oder ungenießbare Kartoffeln aus. Ihre Hingabe und harte Arbeit stellen sicher, dass nur die besten Kartoffeln weiterverarbeitet oder verkauft werden.“
Kartoffelernte in der Region Fulda ist in vollem Gang
Bei der Kartoffelernte an diesem Tag helfen Martha Nuhn, Geschäftsführerin der antonius : gemeinsam wachsen gGmbH, die bei antonius für die Bereiche Gartenbau und Landwirtschaft zuständig ist, und Thomas Schneider, Pressesprecher des Kreisbauernverbandes (KBV) Fulda-Hünfeld, tatkräftig mit.
Nuhn zeigt sich mit Blick auf die voraussichtlichen Ergebnisse „vorsichtig optimistisch“. 2024 begann das Kartoffellegen aufgrund der hohen Niederschläge später als gewöhnlich. Zudem gab es Erntewarnungen wegen Krautfäule vom Deutschen Bauernverband. „Diese Umstände haben auch bei uns für Nervosität gesorgt.“
Unser Ernteteam ist mit viel Leidenschaft dabei, die Ernte zu sichern. Selbst wenn die Sonne brennt, überprüfen die Helfer auf dem Roder jede Knolle sorgfältig.
„Deshalb haben wir viel in den biologischen Pflanzenschutz investiert, zieht Martha Nuhn als Zwischenfazit. Um die Krautfäule bei Kartoffeln effektiv zu bekämpfen und die Gesundheit der Kulturen zu gewährleisten, setzt der antonius Hof laut Experte Michael Thauer unter anderem auf den Anbau resistenter Sorten.
Zudem auf die Einhaltung einer sorgfältigen Fruchtfolge, ausreichenden Pflanzabstand und regelmäßiges Anhäufeln, um die Feuchtigkeit zu reduzieren. Bei den resistenten Sorten habe man gute Erfahrungen mit den Sorten „Otolia“ und„Jelly“ gemacht. „Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels hilft das bei der Sicherung der benötigten Erträge.“
Aktuell würden sieben verschiedene Sorten – überwiegend festkochend – angebaut. Bestseller sei die Sorte „Antonia“. Angesichts der Starkregenereignisse, wie Anfang August, sowie verschlämmten und verkrusteten Böden, von denen der antonius Hof auf den von Familie Jestädt gepachteten Flächen nahe Niederrode nicht verschont geblieben war, zeigt sich Michael Thauer von den ersten Erträgen positiv überrascht.
„Bei guten Sorten ernten wir im Schnitt 20 Tonnen pro Hektar“, sagt Thauer, der auf einen Erfahrungsschatz von mittlerweile 33 Jahren zurückblickt. „Über alle Flächen verteilt rechne ich in diesem Jahr mit einem Gesamternteergebnis von 750 Tonnen.“ Das wären 200 Tonnen mehr als im 2023.
Größter kartoffelverarbeitender Betrieb der Region
Thauer ergänzt: „Wir verarbeiten in unserer Kartoffelmanufaktur pro Monat etwa 23 Tonnen Rohware und reden bei geschälter Ware von einem Volumen von 16 Tonnen.“ „Das Ernteeinfahren selbst läuft noch bis in den Oktober hinein auf Hochtouren“, berichtet Martha Nuhn. Wie in den Vorjahren hofft sie auf Unterstützung aus dem antonius-Netzwerk, das mittlerweile auf rund 1500 Menschen angewachsen ist.
„Diejenigen, die freiwillig kommen, um in der Spätschicht mitzuhelfen, können sich neben dem Ernte-Erlebnis im Anschluss ihr eigenes gepacktes Kartoffelsäckchen mitnehmen. Der Antonius-Hof in Fulda-Haimbach, dessen Netzwerk seit Anfang 2024 auch wieder Produkte auf dem Fuldaer Wochenmarkt verkauft, ist mehr als nur ein landwirtschaftlicher Betrieb.
Video: Die Kartoffel – vielseitige Wunderknolle
Laut dem Kreisbauernverband ist er der größte kartoffelverarbeitende und -veredelnde Betrieb in der Region. Von insgesamt 75 Hektar Kartoffel-Anbaufläche bewirtschaftet der Biohof derzeit 40 Prozent auf 30 Hektar. Zu den Großabnehmern gehören unter anderem das Handelsunternehmen Tegut, das Lebensmittelgroßhandelsunternehmen GROMA sowie die antonius Küche.
Für den antonius-Hof im osthessischen Fulda-Haimbach - der bekannt für seine soziale Landwirtschaft ist, die ökologische und soziale Grundsätze vereint – arbeiten derzeit 120 Menschen, für den Bereich Gärtnerei kommen dann noch einmal 100 weitere Mitarbeitende hinzu.
Bedeutung des Kartoffelanbaus in der Region Fulda
Gegenüber dem Anbau von Getreide, Futterpflanzen, Hülsen- oder Ölfrüchten hat der Kartoffelanbau in der Region Fulda eine eher untergeordnete Bedeutung. „Allerdings gibt es einige Familienbetriebe, die sich als Kartoffel-Direktvermarkter ein zusätzliches Standbein aufgebaut haben, sowie Landwirte, die für den Eigenbedarf anpflanzen und Bekannte versorgen“, erklärt Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes (KBV) Fulda-Hünfeld.
Laut Schramm war der Kartoffelanbau zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren verbreiteter. Aufgrund des Fehlens von Großabnehmern hat sich der Anbau auf moderatem Niveau eingependelt. Zudem sind die in der Region häufig vorkommenden stark tonhaltigen oder lehmhaltigen Böden nicht ideal für den Kartoffelanbau. „Schüttfähige Böden mit einem gewissen Sandanteil sind besonders gut geeignet“, sagt Schramm.