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Erik Scharf
Niklas Hecht
Caspar Felix Hoffmann
Es regnet und regnet. Manche Flüsse sind deshalb randvoll. Die Hochwassersituation verschärft sich in Hessen vielerorts.
Update vom Donnerstag, 4. Januar, 7.15 Uhr: Die Hochwassersituation in Hessen hat sich in der Nacht vorerst nicht weiter verschärft. Zwar haben derzeit immer noch 12 Pegel die Meldestufe 2 überschritten, das HLNUG meldet aber aktuell keine Überschreitung von Meldestufe 3. Eine solche war gestern Abend noch an der Lahn in Gießen erwartet worden. Dennoch bleibt die Hochwasserlage weiter angespannt. In großen Teilen von Hessen warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) auch am Donnerstag vor Dauerregen. Ausgenommen von der Warnung ist Südhessen.
Hochwasser-Lage verschärft sich: Schafe ertrinken
+++ 19.24 Uhr: Gefährliche Szenen spielten sich in der Nacht zu Mittwoch auch an der Nidder ab. Fünf Menschen rettete in Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) die DLRG aus einem Auto. Zuvor sollten Bürger ihre Autos wegen eines drohenden Erdrutsches umparken. In der Altstadt wurde ein Trafohäuschen mit 300 Sandsäcken gegen Hochwasser gesichert.
Hochwasser in Hessen: Fotos zeigen die brachiale Gewalt der Wassermassen




Hochwasser in Südhessen: Schaafe ertrinken
+++ 15.53 Uhr: Das Hochwasser in Hessen sorgt für erste dramatische Situationen. In Fulda rettete die Feuerwehr eine Person per Schlauchboot aus den Wassermassen. Sie habe sich in der Fulda dem mehr als knietiefen, mit starker Strömung fließenden Wasser nicht mehr fortbewegen können, sich an einem Baum festgehalten und Hilfe gerufen. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren in Fulda wegen des Hochwassers rund 50 Feuerwehrleute im Einsatz.
Einschneidend ist die Situation auch im südhessischen Rheinheim. Im Stadtteil Ueberau stieg das Wasser in der Nacht zum Mittwoch rasant an. Der Pegel der Gesprenz schnellte um einen Meter von 93 cm auf 196 cm in die Höhe und erreichte kurz nach Mitternacht seinen Höhepunkt, wie die Vor-Ort-Reporter von 5Vision.News berichteten. Die Meldestufe 3 wurde nur knapp verfehlt.
In der Folge wurde die Straße von Reinheim nach Ueberau überschwemmt und gesperrt. Wiesen, Scheunen und Gärten sind großflächig überflutet. Anwohner schützen ihre Häuser derzeit mit Sandsäcken. Auf Facebook schrieben Bewohner zudem, dass in der Nacht zwei Schafe ertrunken seien. Inzwischen ist der Pegel der Gersprenz wieder deutlich zurückgegangen, wie aus Daten des HLNUG hervorgeht.
Es kann in Hessen zu Vollsperrungen wegen überfluteter Fahrbahnen kommen
Aufgrund der außergewöhnlichen Situation rät auch der ADAC aktuell zur Vorsicht. Wer in Überflutungsgebieten mit dem Auto unterwegs sei, sollte seine Route mit Bedacht wählen, teilte der Autoclub mit. „In Senken und Unterführungen kann sich bei starken Niederschlägen Wasser ansammeln. Autofahrer sollten keinesfalls mit Schwung durch das Wasser fahren, sondern wenn überhaupt vorsichtig im Schritttempo“, warnte Oliver Reidegeld, Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen.
Nach Angaben der Verkehrsbehörde Hessen Mobil kann es auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen kurzfristig zu Einschränkungen oder Vollsperrungen wegen überfluteter Fahrbahnen kommen. Die Straßenmeistereien seien im Dauereinsatz und reagierten kurzfristig auf die Lage vor Ort, um für die Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Wer Strecken entlang von Gewässern befahren möchte, müsse mit Einschränkungen rechnen. Teilweise gebe es bereits Vollsperrungen.
DWD verlängert Unwetterwarnungen für Hessen
+++ 14.08 Uhr: Die Hochwasserlage in Hessen bleibt weiter angespannt - und dürfte sich so schnell auch nicht verbessern. Der DWD hat seine Unwetterwarnung vor „ergiebigem Dauerregen“ in West- und Osthessen am Mittwochmittag verlängert. In den Kreisen Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und Limburg-Weilburg gilt die Regenwarnung nun bis Freitagmorgen, 9 Uhr. Weiter östlich, im Vogelsbergkreis, im Kreis Fulda, im Wetteraukreis und im Main-Kinzig-Kreis verlängerte der Wetterdienst mit Sitz in Offenbach die Unwetterwarnung immerhin bis Donnerstagnachmittag, 15 Uhr.
Für die ohnehin vollgelaufenen hessischen Gewässer sind das keine guten Nachrichten. Zwar hat der Pegel der Fulda die Hochwassermeldestufe 3 inzwischen wieder unterschritten, dafür liegt die Lahn bei Marburg aktuell über der Meldestufe 3. Für den Pegel Bad Karlshafen/Weser in Nordhessen prognostiziert das HLNUG nach derzeitigen Berechnungen in der ersten Tageshälfte des Donnerstags das Überschreiten der Meldestufe 3.
Für die übrigen hessischen Landkreise hat der DWD eine Warnung vor „Dauerregen“ ausgesprochen. Dazu gesellen sich am Mittwoch in ganz Hessen Sturmböen, die laut Wetterdienst vorerst bis 18 Uhr auftreten können.
Angespannte Hochwasserlage und Unwetterwarnungen für Hessen
Update vom Mittwoch, 3. Januar, 9.25 Uhr: Die Hochwassersituation in Hessen spitzt sich am Mittwoch weiter zu. Der angekündigte Dauerregen, der bis zum Donnerstag anhalten soll, hat viele Pegel die Hochwassermeldestufe 2 des HLNUG überschreiten lassen. Besonders betroffen sind West- und Osthessen. Für die Kreise Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Vogelsberg, Wetterau, Main-Kinzig und Fulda gilt daher weiterhin eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). An insgesamt zwölf Messstellen in Hessen - zumeist entlang der Fulda und der Lahn - war am Mittwochmorgen die Meldestufe zwei überschritten. An 29 Stellen galt Meldestufe 1. Die Fulda überschritt im Fuldaer Stadtteil Bronnzell am Mittwoch nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sogar die Meldestufe 3.
Fotostrecke: So ist die Hochwasserlage in Hessen




Aufgrund drohender Wasserglätte war am Mittwochmorgen im Berufsverkehr auf der viel befahrenen Autobahn 5 eine Fahrspur zwischen Friedberg und Bad Homburg in Richtung Frankfurt gesperrt. Dort hatte es am Dienstagabend wegen Aquaplaning laut Polizei einen Unfall gegeben.
Hessen: Ab Meldestufe 3 werden Ortschaften vom Hochwasser eingeschlossen
Seit Montagabend fielen Regenmengen von 20 bis 40 Liter pro Quadratmeter und 60 Liter pro Quadratmeter in Staulagen. Der DWD rechnet bis in die Nacht zum Donnerstag noch verbreitet mit Niederschlagsmengen zwischen 5 und 15 Liter pro Quadratmeter. In den Staulagen des Westerwaldes, des Vogelsbergs sowie der Rhön seien örtlich Mengen von 25 bis 35 Liter pro Quadratmeter wahrscheinlich.
Bei Meldestufe 1 sind die Gewässer randvoll, kleinere Uferbereiche werden überschwemmt. Die Meldestufe 2 entspricht nach HLNUG-Definition einem „größeren Hochwasser“, das ufernahe Grundstücke überflutet und vereinzelt Keller überlaufen lässt. Ab der Meldestufe 3 werden Ortschaften vom Hochwasser eingeschlossen, Straßen sind dann unpassierbar.
Dauerregen in Hessen: Pegel der Flüsse steigen
Erstmeldung vom Dienstag, 2. Januar, 12.53 Uhr: Wiesbaden – Der anhaltende Regen lässt die Flüsse in Hessen erneut anschwellen. Die Hochwassersituation wird sich nach Einschätzung des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) vom Dienstag (2. Januar) wieder deutlich verschärfen. Der Deutsche Wetterdienst hat für den Westen und Osten Hessens eine Unwetterwarnung vor ergiebigem Dauerregen bis Donnerstag (4. Januar) herausgegeben.
Einschließlich der bereits seit Montagabend (1. Januar) gefallenen Niederschläge werden nach Angaben des Landesamtes bis Donnerstagnacht gebietsweise Niederschlagsmengen zwischen 45 Liter pro Quadratmeter, in Staulagen auch zwischen 60 und 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. Schwerpunkte seien vor allem Rothaargebirge, Westerwald, Vogelsberg, Rhön und Spessart.
Am Dienstag wurde den Angaben zufolge an vier Pegeln die Meldestufe 1 überschritten: Bad Karlshafen an der Weser mit steigender Tendenz, der Pegel Eppstein am Schwarzbach ebenfalls mit steigender Tendenz sowie die beiden Pegel unterhalb der Edertalsperre: Affoldern und Fritzlar. Bei Meldestufe 1 sind die Gewässer randvoll, kleinere Uferbereiche überflutet.
Dauerregen in Hessen: Pegel von Werra, Weser, Rhein, Main und Neckar steigen an
Im hessischen Abschnitt von Werra und Weser wird im Laufe des Dienstags mit deutlich steigenden Wasserständen gerechnet. An Rhein, Main und Neckar wurden am Dienstag noch keine Meldestufen überschritten, aufgrund des anhaltenden Regens werden die Wasserstände aber auch hier nach Einschätzung der Behörden wieder ansteigen. Am Pegel Rockenau/Neckar wurde in der Nacht zum Mittwoch die Überschreitung der Meldestufe 1 erwartet.
Nach den aktuellen Vorhersagen rechnete das Landesamt für Dienstag und Mittwoch in vielen hessischen Flussgebieten mit flächendeckenden Überschreitungen der Meldestufe 1, abhängig von den jeweiligen Niederschlagsschwerpunkten. „Es ist nach aktuellem Stand auch von Überschreitungen der Meldestufe 2 in den nächsten 24 Stunden auszugehen, ein vereinzeltes Überschreiten der Meldestufe 3 kann nicht ausgeschlossen werden“, warnte die Behörde.
Die Meldestufe 2 entspricht nach Definition des HLNUG einem „größeren Hochwasser“, das ufernahe Grundstücke überflutet und vereinzelt Keller überlaufen lässt. Ab Meldestufe 3 sind Ortschaften vom Hochwasser eingeschlossen, Straßen sind dann unpassierbar. (cas/nhe/dpa)
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