„Die Defizite sind eklatant“

Unwetterwarnung: Hochwasser-Gebiete in Niedersachsen droht neue Regenfront

  • schließen

Die Hochwasser-Lage in Niedersachsen ist noch nicht überstanden, da droht bereits neuer Regen. Die Einsatzkräfte bereiten sich auf das Schlimmste vor.

Bremen – In den von Hochwasser betroffenen Bundesländern ist vorerst keine Besserung in Sicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in der Nacht zum Dienstag vor anhaltendem Regen in Teilen Deutschlands, der bis Donnerstagnacht andauern könnte. Unter anderem gilt die Wetter-Warnung in Hessen. Dies könnte die Situation in den betroffenen Hochwasser-Gebieten weiter verschlimmern. Besonders beunruhigend für die Einsatzkräfte sind, die durchweichten Deiche. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) fordert indes eine bessere Vorbereitung auf solche Krisensituationen.

Alarmstufe Rot: „Wir brauchen bessere Ausstattung für Katastrophenfälle“

„Wir brauchen mehr und bessere Ausstattung für Katastrophenfälle in Deutschland“, äußerte sich DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt gegenüber der „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Die Defizite sind eklatant, insbesondere bei der materiellen Ausstattung.“ Nach der verheerenden Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 sei das Bewusstsein der politischen Entscheidungsträger für den Schutz der Bevölkerung gestiegen. „Davon ist jetzt nicht mehr viel übrig.“

Gerda Hasselfeldt ist seit Ende 2017 Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes.

Seit Tagen sind Rettungskräfte in verschiedenen Regionen ununterbrochen im Einsatz. Besonders betroffen sind Niedersachsen, Teile von Nordrhein-Westfalen und der Süden Sachsen-Anhalts. Bundeskanzler Olaf Scholz besuchte am Silvestertag ein Hochwassergebiet in Niedersachsen, einen Tag später folgte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (beide SPD). Sie versprach weitere Unterstützung.

Innenministerin Faser in Sorge: „Das erschwert die Lage“

Die Wettervorhersagen mit weiterem Regen bereiten nicht nur Faeser Sorgen. „Das erschwert die Lage. Was wir tun können, werden wir tun“, erklärte die Ministerin. Im Warnbericht des DWD in der Nacht zum Dienstag zu den erwarteten Niederschlägen hieß es: „Von Niedersachsen bis zum Schwarzwald sowie in den östlichen Mittelgebirgen teils hohe Regenmengen.“ Zusätzlich gibt es DWD-Warnungen vor Sturmböen, die in Niedersachsen das Wetter teilweise bis Mittwochabend prägen werden.

Bäume ragen aus dem Hochwasser der Weser in Achim-Baden.

Die Deiche in Niedersachsen sind vielerorts durchtränkt: Daniela Behrens (SPD), Innenministerin von Niedersachsen, sprach am Neujahrstag von einer sehr angespannten Situation an den Deichen. „Die Deiche sind sehr durchnässt und wir haben große Sorgen, dass wir in den nächsten Tagen weiteren Regen bekommen und sich die Situation damit noch mal verschärft“, sagte sie. Aktuell gibt es weiterhin sechs Landkreise mit einer außergewöhnlichen Lage.

THW im Dauereinsatz: Bundesweit etwa 1000 freiwillige Helfer im Einsatz

Das Technische Hilfswerk (THW) hatte nach eigenen Angaben über den Jahreswechsel bundesweit etwa 1000 freiwillige Helfer im Einsatz – vor allem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Kräfte aus etwa einem Drittel aller THW-Ortsverbände seien bereits im Einsatz gewesen, so eine Mitteilung.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser trifft Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundespolizei.

Vorhersage für Niedersachsen und Bremen: Kein Ende des Dauerregens in Sicht

So sieht die Wetterlage in den nächsten Tagen aus: Gelegentliche Windböen, stürmische Böen und Sturmböen, an der Küste am Mittwoch auch schwere Sturmböen. Dazu gibt es regional Dauerregen, im Harz herrscht Unwettergefahr und in den Höhenlagen gibt es zunächst Schnee.

Das Hochwasser in Lilienthal bedroht ganze Straßenzüge. Der Deich an der Wörpe droht weiterhin zu brechen.

Am Dienstagvormittag und im weiteren Tagesverlauf überwiegend bewölkt und regnerisch, teils heftig und anhaltend, im höheren Harz anfangs auch Schnee. Höchsttemperaturen zwischen sieben Grad an der Elbe und zwölf Grad an Ems und Hase. Schwacher bis mäßiger, an der Küste zunehmend frischer bis starker Wind aus Südost. In der Nacht zum Mittwoch durchgehender Regen. Tiefsttemperaturen zwischen 5 und 8 Grad. In Böen stark bis stürmisch auffrischender und auf südwestliche Richtungen drehender Wind, teilweise Sturmböen.

[Die wichtigsten Nachrichten von kreiszeitung.de für Ihre Region gibt es jetzt auch bei WhatsApp. Hier können Sie unseren neuen, kostenlosen WhatsApp-Kanal abonnieren.]

Am Mittwoch bedeckt und regnerisch, teils verstärkt durch Schauer. Von Süden Übergang zu Schauern mit Wolkenauflockerungen. Höchsttemperaturen um zehn, im Oberharz um sieben Grad. In Böen starker bis stürmischer Wind, kurzzeitig auch im Landesinneren Sturmböen. An der Küste Gefahr schwerer Sturmböen aus Südwest bis West. In der Nacht zum Donnerstag regional weiterer Regen. Abkühlung auf fünf bis acht Grad. Abnehmender auf westliche Richtungen drehender Wind, im Binnenland schwach bis mäßig, an der Küste teils frisch.

Dauerregen hält in Niedersachsen an – auch Ende der Woche Starkregen

Am Donnerstag bleibt es wohl stark bewölkt, Schauer, regional auch schauerartiger Regen. Höchsttemperaturen sechs bis neun, in den Höhen des Harzes vier Grad. Schwacher bis mäßiger, an der Küste teils frischer Wind, meist aus westlichen Richtungen. In der Nacht zum Freitag stark bewölkt, vereinzelt noch Regen, nahe der Elbe auch etwas Schneeregen und Schnee mit Glättegefahr bei Tiefsttemperaturen um den Gefrierpunkt, sonst frostfrei bei einem bis vier Grad. Auf Nordost bis Ost drehender, schwacher, an der See mäßiger bis frischer Wind.

Am Freitag ist das Wetter in Niedersachsen wolkenreich, gelegentliche Auflockerungen, örtlich Schauer, in der Nordosthälfte bei Höchsttemperaturen um drei Grad Schneeregen- oder Schneeschauer, sonst mildere sechs Grad. Schwacher bis mäßiger, an der See teils frischer Ost- bis Südostwind. In der Nacht zum Samstag stark bewölkt, vereinzelt Schneeflocken bei null Grad zwischen Wesermündung und dem Wendland. Sonst bei zwei Grad gelegentlich Regentropfen. Schwacher, an der Küste mäßiger nordöstlicher Wind.

Rubriklistenbild: © Focke Strangmann/dpa

Kommentare