Verkehr

Omega-Brücke in Griesheim: Stadt Frankfurt plant überraschende Zwischenlösung

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Wie diese Brücke während der S6-Bauarbeiten am Bad Vilbeler Südbahnhof soll auch die Behelfsbrücke in Griesheim aussehen - und dort die Bahnstrecke jahrelang überspannen.
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Die Proteste der Bürger haben Erfolg: In Frankfurt wird es nach dem Abriss der Omega-Brücke eine Zwischenlösung geben, damit Griesheim nicht zweigeteilt bleibt.

Frankfurt – Knapp fünf Millionen Euro teuer, etwa 170 Meter lang, 22 Meter breit und barrierearm: Das sind die Eckdaten einer Behelfsbrücke, die im Juli rechtzeitig zu Beginn der siebenmonatigen Sanierung der Fußgängerunterführung am Griesheimer Bahnhof gebaut werden soll.

Damit reagiert die Stadt überraschend auf vielfachen Wunsch der Bürger, die seit dem Abriss der Omegabrücke ihren Stadtteil de facto geteilt sehen. Sie leiden unter den Folgen: Teils sehr lange Fußwege zur Kita, zu Geschäften und Arztpraxen sowie lange Wartezeiten an den Bahnschranken in der Elektronstraße.

Der Oberbürgermeister muss in Griesheim selbst vor der Bahnschranke warten

Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) verkündet das nach seinen Worten „starke Signal“ am Dienstag mit Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD), Mobilitätsstadtrat Wolfgang Siefert (Grüne) und Stefan Schwinn von der Deutschen Bahn direkt auf der südlichen Brückenseite, wo die Behelfsbrücke entstehen soll. Bezeichnenderweise verspätet sich Josef um einige Minuten, denn: „Ich stand länger vor der Schranke in der Elektronstraße.“

„Wir lassen den Frankfurter Westen nicht hängen“, erklärt Josef. Die Behelfsbrücke sei nach dem Abriss der Omegabrücke und der bevorstehenden Sperrung des Fußgängertunnels durch die geplanten Bauarbeiten der Deutschen Bahn dringend notwendig. Das Besondere: Sie solle nicht nur die Zeit während der Sanierung der Personenunterführung Ost von Mitte Juli bis Ende 2025 überbrücken, sondern eine Stadtteilverbindung ohne Treppen und Aufzüge für mindestens fünf Jahre sicherstellen.

Neue Unterführung am Bahnhof Griesheim: Für Radfahrer tabu

So schließe sie die Lücke zwischen der barrierefreien Sanierung des Bahnhofs und dem Ersatzneubau für die Omegabrücke. Die Kosten über fünf Jahre zu verteilen, mache die ganze Sache bezahlbarer, so Josef. Einen weiteren Vorteil nennt Siefert: „Nach der Sanierung wird die Unterführung für Fußgänger zwar wieder offen sein - nicht aber für Radfahrer.“ Damit diese nicht für etwa fünf Jahre auf die neuen Aufzüge angewiesen sein werden, sei die Behelfsbrücke wichtig.

Die vollständige Umleitung des gesamten Verkehrs über den Bahnübergang Elektronstraße für mehr als ein halbes Jahr sei den Menschen in Griesheim laut Siefert nicht zumutbar. Das habe sich auch bei seinem Besuch im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) gezeigt. Man habe die Bedenken der Bürger und Stadtteilpolitiker ernstgenommen und verschiedene Dinge wie die Verspätungsanfälligkeit der Buslinie 89 und die Frequentierung des Fußgängertunnels geprüft.

Behelfsbrücke: Das Vorbild steht in Bad Vilbel

Wie wird die Behelfsbrücke nun aussehen? Wer in den vergangenen Monaten am Bad Vilbeler Südbahnhof war, kenne die Lösung für Griesheim schon, erklärt Siefert. Die dortige Konstruktion währen des viergleisigen Ausbaus der S 6-Strecke soll auch fürs geteilte Griesheim greifen. Es könnten sogar Teile von dort verwendet werden, so der Mobilitätsdezernent. Bahn-Regionalleiter Schwinn betont: „Ein möglichst reibungsloser und zügiger Ablauf der Infrastrukturmaßnahmen ist uns wichtig. Darüber hinaus freuen wir uns, dass somit auch die Modernisierung der Station Griesheim, die für die Menschen vor Ort viele Verbesserungen mit sich bringt, wie geplant weiter vorangehen kann.“

Pfarrerin zu Tränen gerührt: „Mehr, als wir gehofft haben“

Anwesende Bürger freuen die Pläne. Die Griesheimer Pfarrerin Daniela von Schoeler gesteht gar, dass sie angesichts der Nachricht ein Tränchen verdrückt habe. „Danke, dass sie uns gehört haben“, sagt sie den Verantwortlichen. Auch dass die Brücke zwar nicht barrierefrei, aber immerhin barrierearm ausfallen werde, sei „mehr, als wir gehofft hatten“.

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Konkret soll die Rampe mit einer Steigung von acht Prozent (sechs Prozent sind das Minimum für Barrierfreiheit) für Kinderwagen, Fahrräder und Elektro-Rollstühle geeignet sein. Doris Michel-Himstedt, die mit ihrem Aktionsbündnis Griesheimer Bahnhof eine Online-Petition für eine Brücke gestartet hatte, spricht von einem „ganz wichtigem Zeichen, dass es sich für Bürger loht, ihre Stimme für eine wichtige Sache zu erheben“.

In die gleiche Kerbe schlägt SPD-Ortsbeirätin Birgit Puttendörfer, die zahlreiche E-Mails an die Verantwortlichen geschickt hatte: „Dass wir dank dieser Hauruck-Aktion eine Brücke bekommen, die auch für Radfahrer nutzbar ist, ist ein Traum.“ (Michael Forst)

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