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Oberleitung repariert: Bahnstrecke zwischen Göttingen und Kassel ist wieder frei

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Ein Baum war auf die Strecke gekracht. Später war er in Brand geraten.
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  • Thomas Schlenz
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    Bernd Schlegel

Die Altbau-Zugstrecke zwischen Göttingen und Kassel ist wieder. In der Nacht zum Dienstag wurde die Reparatur der Oberleitung abgeschlossen.

Update vom 23.01.2023, 9.20 Uhr: Die Reparatur der Oberleitung auf der Altbau-Bahnstrecke Göttingen-Kassel ist abgeschlossen. Die Arbeiten wurden in der Nacht zum Dienstag gegen Mitternacht erfolgreich beendet. Die Strecke ist damit wieder frei. Inzwischen fahren Fern- und Regionalzüge dort wieder nach Plan.

Ein Baum war am Montag auf die Oberleitung gefallen und hatte Feuer gefangen. Dadurch kam es den ganzen Tag über zu massiven Behinderungen. Der Fernverkehr, der derzeit wegen Tunnelarbeiten auf der ICE-Schnellfahrstrecke unterbrochen ist, musste umgeleitet werden.

Erstmeldung vom 22.01.2023, 9.30 Uhr: Göttingen/Kassel - Im Zugverkehr zwischen Göttingen und Kassel kommt es am Montag (22. Januar) zu massiven Behinderungen. Grund ist eine Streckensperrung. Wie Hann. Mündens Stadtbrandmeister Lutz Hannemann berichtet, wurde die Feuerwehr gegen 6.07 Uhr alarmiert, weil nahe des Parkplatzes an der B80 bei Hedemünden ein Baum auf die Oberleitung gefallen war.

Ein unmittelbar in der Nähe fahrender Zug der Cantus habe daraufhin einen Nothalt einlegen müssen. Als dieser den Stromabnehmer eingefahren habe, sei die Oberleitung komplett abgerissen. Seither ist der Streckenabschnitt zwischen Kassel und Göttingen dicht. Daran wird sich voraussichtlich bis in den frühen Nachmittag nichts ändern.

Streckensperrung zwischen Kassel und Göttingen: Bahn reißt Baum samt Oberleitung mit

Der auf die Oberleitung gefallene Baum habe einen Brand ausgelöst. Bevor die Feuerwehr den brennenden Baum löschen und die Reste entfernen konnte, musste die Oberleitung spannungsfrei geschaltet werden. Ein Notfallmanager der Bahn sei gegen 7 Uhr eingetroffen. Gegen 7.40 Uhr sei schließlich Spannungsfreiheit festgestellt worden.

Erst danach konnte die Feuerwehr den brennenden Baum löschen und schließlich zersägen. „Bei so einer Situation bildet sich dort, wo der Strom in die Erde geht ein Spannungstrichter. Wir müssen einen Sicherheitsabstand von mindestens 20 Metern einhalten“, erklärt Hannemann. Nachdem die Feuerwehr den brennenden Baum beseitigt hatte, halfen die Kameraden bei der Evakuierung von sieben Fahrgästen, die zum Bahnhof nach Hedemünden gebracht werden wollten. Da die Menschen teils durch das Gleisbett gehen mussten, wurde ein Rettungswagen angefordert, um bei etwaigen Verletzungen durch den unwegsamen Weg helfen zu können, so Hannemann.

Dadurch ist der Nahverkehr mit dem Cantus unterbrochen. Da zurzeit auch der Fernverkehr über die Route geführt wird, ist auch der Fernverkehr betroffen. Die Züge werden vor allem über Eschwege und Bebra umgeleitet. Diese Züge können den Bahnhof Kassel-Wihelmshöhe nicht anfahren. Laut Bahn gibt es Probleme mit folgenden Linien:

Bahnstrecke Kassel – Göttingen gesperrt: Probleme auf mehreren Verbindungen

  • ICE-Linie 12 (Berlin – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (M) – Mannheim – Basel SBB – Interlaken Ost)
  • ICE-Linie 22 (Berlin – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (M) – Mannheim – Stuttgart)
  • ICE-Linie 23 (Ostseebad Binz – Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (M) – Mannheim – Stuttgart)
  • ICE/IC-Linie 24 (Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Fulda – Frankfurt/Süddeutschland)
  • ICE-Linie 25 (Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Würzburg – München)
  • ICE/IC-Linie 26 (Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (M) – Karlsruhe)
  • ICE-Linie 91 (Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Nürnberg – Passau – Wien)

Vereinzelte Fernzüge fallen aus, andere halten zusätzlich Bebra

Die Deutsche Bahn reagiert mit einzelnen Ausfällen im Fernverkehr. Andere ICE halten zusätzlich in Bebra, wenn sie über Eschwege umgeleitet werden. Wann die beschädigte Oberleitung repariert ist, steht noch nicht fest. Die Bahn arbeitet mit Hochdruck an dem Problem.

Die Deutsche Bahn rät: Bitte informieren Sie sich nochmals vor Reiseantritt über Ihre Verbindung auf bahn.de, im DB Navigator oder bei der telefonischen Reiseauskunft 030/2970.

Hann. Münden statt Kopenhagen

Wer am Montagmorgen (22.01.2024) vom Kasseler Hauptbahnhof nach Göttingen unterwegs war, brauchte Geduld und gute Nerven. In Hann. Münden war wegen des Baumes, der bei Hedemünden auf die Oberleitung gestürzt war, erst mal Schluss. Die Strecke war in beiden Richtungen gesperrt. Es war zwar ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, aber bis der Bus vor Ort war, konnte es dauern.

Für Fahrgäste, die mit der Cantus-Bahn um 9.46 Uhr in Kassel noch pünktlich gestartet waren, ging es in Hann. Münden erst nach 45 Minuten weiter. Viele ertrugen es mit Fassung, bei anderen lagen die Nerven blank. Als im Zug die Durchsage kam, dass es in Hann. Münden mit einem Bus weiter gehen würde, beschwerte sich ein Reisender lautstark, dass er sich die Auskunft gerne früher gewünscht hätte.

Andere waren schon informiert, wussten aber nicht, ob der Bus alle Haltestellen anfahren würde, was er tatsächlich auch tat. 60 bis 70 Reisende fanden sich dann kurz nach 10 Uhr auf dem Mündener Busbahnhof wieder, aber vom Ersatzbus war nichts zu sehen. Als ein Bus ankam und vor dem Gebäude hielt, strömten alle sofort dorthin, im Glauben, es sei der richtige. Aber Fehlanzeige. Viele nutzten dann die reguläre Linie 120, die um 10.26 Uhr zum Göttinger Bahnhof fuhr. Aber wer mit dem Ziel Hedemünden, Witzenhausen, Gertenbach oder auch Eichenberg unterwegs war, musste weiter warten. Pech hatte auch ein Reisender aus Hessisch Lichtenau: Statt im ICE von Kassel nach Hamburg zu sitzen, um von dort weiter nach Kopenhagen zu fahren, fand sich der 41-Jährige auf dem Mündener Bahnhof wieder. Der ICE von Kassel sei ausgefallen, nun versuche er, von Göttingen nach Hamburg und dann weiter nach Kopenhagen zu kommen. Auch er musste auf den Ersatzverkehr warten, im regulären Linienbus 120 hatte er keinen Platz mehr gefunden.

„Heute ist ein schlechter Tag zum Bahnfahren“, sagt er. „Ich sehe mich heute Abend wieder in Hessisch Lichtenau sitzen. Ich bin gespannt, was passiert“, sagte er und stieg in den Bus nach Eichenberg, der inzwischen eingetroffen war. Von dort sollte es dann weiter mit der Cantus-Bahn nach Göttingen gehen .(Bernd Schlegel/Thomas Schlenz/Ekkehard Maaß)

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