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Aktivisten der „Letzten Generation“ haben das Campus Center der Kasseler Uni mit Farbe besprüht. Sie wollen damit gegen die Klimapolitik der Bundesregierung protestieren.
Kassel - Am Montagmittag tauchten die Klimaaktivisten auf dem Campus am Holländischen Platz auf, beschmierten erst das Gebäude an der Moritzstraße großflächig mit oranger Farbe und entrollten dann ein Transparent.
Mit einem Rollkoffer, in dem sie zwei Feuerlöscher mit Farbe verstaut hatten, und einer Plane, mit der sie an der Uni abgestellte Fahrräder abdeckten, um sie vor der Farbattacke zu schützen, waren die beiden Männer zuvor auf den Campus gekommen. Das Abdecken gelang allerdings nur bedingt. Mehrere Fahrräder neben der Gebäudewand wurden bei der Aktion beschädigt.
„Letzte Generation“ verursacht Schaden in Höhe von 10.000 Euro
Nach Angaben von Polizeisprecherin Ulrike Schaake wird allein der Schaden an der Fassade auf 10.000 Euro geschätzt. Die Farbe sei wasserunlöslich. Man könne sie nicht einfach von der Wand entfernen.
Während ihrer Farb-Attacke verteilten die Aktivisten einen Zettel, auf dem sich eine angebliche Kasseler Studentin zu der Aktion äußert. Demnach fühle man sich allein gelassen, wird die 24-Jährige zitiert. Die Regierung lasse „uns in eine katastrophale Zukunft laufen“. Mit der Aktion wolle man die Studierenden dazu auffordern, sich dem Widerstand anzuschließen, ergänzte Aktivist Carl Porsch (22) aus Kassel. Er hatte im November 2022 für Schlagzeilen gesorgt, als er sich an das Dirigentenpult der Hamburger Elbphilharmonie angeklebt hatte. Unterstützt wurde er am Montag von dem 54-jährigen Ingenieur Hendrik Fauer.
Aktivisten der „Letzten Generation“ beschmieren Kasseler Uni mit Farbe
Die Polizei führte die Männer ab und beendete damit die Aktion. Zuvor hatten die Aktivisten den Beamten bereits bereitwillig ihre Personalien gegeben. Alles verlief unaufgeregt und sachlich. Gegen die Aktivisten wird nun ermittelt.
Die Uni hat derweil bereits Strafanzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Uni-Sprecher Sebastian Mense sagte über die Farbattacke: Die Universität Kassel setze seit vielen Jahren auf Forschung zu Nachhaltigkeit, neue Studiengänge zur Nachhaltigkeit, Maßnahmen zu Energieeffizienz auf dem Campus und auf den Transfer des Uni-Wissens in die Gesellschaft. „Wir teilen die tiefe Sorge um das Klima, halten aber diese Aktion gegen unsere Universität nicht für den richtigen Weg.“
Zeugen äußern sich positiv zur Farbattacke an der Uni Kassel
Applaus für die Aktion bekamen die beiden Aktivisten von Studierenden und einigen Schülerinnen, die die Aktion beobachteten. Die „politische Message“ sei richtig, sagten drei Schülerinnen. Allerdings äußerten sie Zweifel, ob die Universität das richtige Ziel gewesen sei. Das sei schon „ein bisschen bescheuert“, so eine Schülerin.
Massive Kritik an der Aktion der Klimaaktivisten kommt vom Landesverband Liberaler Hochschulgruppen in Hessen. „Wer kaum Forderungen vorzuweisen hat und Hochschulen - und sei es nur symbolisch - angreift, Sachschaden anrichtet, blockiert und den Studienalltag beeinträchtigt, dem geht es nicht um die Problembearbeitung, sondern viel eher die radikale Durchsetzung der eigenen Ideologie. Wer so handelt, richtet sich gegen Wissenschaft, Fortschritt und Technologie”, erklärt Jan-Lukas Gescher, Landesvorsitzender der Liberalen Hochschulgruppen, in einer Pressemitteilung.
Die Aktion in Kassel war nicht die einzige in Deutschland. Auch in anderen Städten wollen die Klimaaktivisten heute und in den kommenden Tagen protestieren.
Ist die „Letzte Generation“ eine kriminelle Vereinigung? Aktivist Carl-Christian Porsch aus Kassel wehrt sich gegen eine Kriminalisierung.
Rubriklistenbild: © Ulrike Pflüger-Scherb


