Konjunkturbericht

Osthessen im Negativsog - viele Unternehmen schauen pessimistisch in die Zukunft

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Viele Industriebetriebe in Osthessen schauen nicht gerade mit Optimismus in die Zukunft. (Symbolbild)
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Der Geschäftsklimaindex in Osthessen ist nach wie vor negativ. Hoffnung setzt die IHK Fulda auf ein politisches Umsteuern durch die nächste Regierung.

Fulda - „Der Geschäftsklimaindex ist weiter deutlich unter der Wachstumsschwelle. Die konjunkturelle Durststrecke dauert an. Hoffnung bereitet einzig und allein der Glaube an ein konsequentes Umsteuern in der Wirtschaftspolitik durch die nächste Bundesregierung“, kommentiert Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda, die Ergebnisse der ersten Konjunkturumfrage 2025.

Ähnlich hatte sich IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt beim IHK-Neujahrsempfang am 17. Januar im Hotel Maritim geäußert.

Unternehmen in Fulda erleben „konjunkturelle Durststrecke“

56,2 Prozent der Unternehmen bezeichnen die aktuelle Geschäftslage laut IHK-Mitteilung als befriedigend, während dieser Wert im Oktober bei 45,2 Prozent lag. 26,5 Prozent sprechen von einer schlechten Lage, und 17,3 Prozent berichten von einer guten Situation. Die Erwartungen sind per Saldo negativ: 30,3 Prozent der Firmen erwarten eine Verschlechterung (Oktober 2024: 39,0 Prozent). 57,6 Prozent gehen von einer konstanten Lage aus; im Oktober 2024 waren es 50,0 Prozent. 12,1 Prozent erwarten eine günstigere Zukunft (Oktober 2024: 11,0 Prozent).

Der Geschäftsklimaindex für die Wirtschaft der Region Fulda in den vergangenen Jahren.

Die Bewertung der aktuellen und zukünftigen Geschäftslage zeige, dass der Geschäftsklimaindex von 75,2 auf 86,2 Punkte gestiegen ist. „Damit liegt er erneut weit unter 100 und signalisiert eine andauernde rezessive Lage in Osthessen“, so die IHK. Auch bei den Industriebetrieben ist die Lage per Saldo negativ, hat sich aber gegenüber Oktober 2024 verbessert.

30,6 Prozent der Industriebetriebe sprechen von einer schlechten Lage, 11,1 Prozent von einer guten. 21,6 Prozent erwarten eine ungünstigere, 10,8 Prozent eine günstigere Geschäftslage. Der Geschäftsklimaindex der Industrie stieg von 63,8 auf 84,8 Punkte.

Im Handel stabilisiert sich der Index bei 102,5 Punkten, was laut IHK „eine Folge moderaterer Inflation und höherer Frequenz während der Weihnachtszeit in der Fuldaer Innenstadt sein könnte“.

Weiter sinkende Investitionen und Beschäftigung erwartet

Die Investitionsbereitschaft bleibt über alle Branchen hinweg negativ: 44,4 Prozent der Unternehmen haben ihre Investitionspläne reduziert. 19,2 Prozent planen steigende Investitionen. Hauptmotive sind Ersatzbedarf (74,0 Prozent), Rationalisierung (45,8 Prozent), Produktinnovationen (21,9 Prozent), Umweltschutz (16,7 Prozent) und Kapazitätsausweitung (14,6 Prozent). 54,1 Prozent der Industrieunternehmen erwarten sinkende, nur 16,2 Prozent steigende Investitionen. 29,6 Prozent der Firmen rechnen mit einem Beschäftigungsabbau, während nur 4,1 Prozent zusätzliche Beschäftigung planen.

In der Industrie erwarten 37,8 Prozent sinkende und nur 2,7 Prozent steigende Beschäftigtenzahlen. 12,5 Prozent der außenwirtschaftlich tätigen Unternehmen rechnen mit steigenden Exporten, 65,6 Prozent mit gleichbleibendem Volumen und 21,9 Prozent mit sinkenden Exporten.

Video: 550 Gäste beim IHK-Neujahrsempfang in Fulda

Als größte Risiken sehen die Betriebe verschlechternde wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (72,4 Prozent), schwindende Inlandsnachfrage (71,4 Prozent), höhere Arbeitskosten (65,3 Prozent), steigende Energie- und Rohstoffpreise (56,1 Prozent) sowie den Fachkräftemangel (43,9 Prozent). 64,6 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Finanzlage als unproblematisch, 19,8 Prozent berichten von einem Eigenkapitalrückgang und 2,1 Prozent von drohender Insolvenz.

„Osthessen hat zwar insgesamt eine robuste und breit aufgestellte Wirtschaft, befindet sich aber im negativen Sog der nationalen Rahmenbedingungen und der multiplen Risiken. Hoffnung bereitet einzig und allein die Erwartung auf ein konsequentes Umsteuern in der Wirtschaftspolitik durch die kommende Bundesregierung. Darauf deuten Verbesserungen auf niedrigem Niveau bei einzelnen Indikatoren hin“, fasst Michael Konow die aktuellen konjunkturellen Zahlen der IHK-Umfrage zusammen.

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