Flug- und Bahnverkehr

Sturmtief „Lambert“ wütet in Hessen: Auswirkungen auch am Freitag noch spürbar

Überflutete Straßen und Keller, Störungen im Bahn- und Flugverkehr: Das Unwetter am Donnerstag hat in Hessen zu zahlreichen Einsätzen geführt. Die Auswirkungen sind am Tag danach noch spürbar.

Hessen - Vor allem in Nordhessen hat das Unwetter seit Donnerstagnachmittag zu zahlreichen Einsätzen geführt. Auch am Freitag gab es zunächst noch Einschränkungen. Am Mittag konnten die Züge auf der Strecke Kassel Hauptbahnhof – Göttingen noch nicht wieder verkehren, sagte eine Sprecherin. Die Strecke Fulda-Bebra sei derzeit nur eingleisig befahrbar (Stand: Freitag, 13 Uhr).

Unwetter in Hessen: Sturmtief „Lambert“ sorgt für Chaos

Auch rund um Frankfurt gab es punktuelle Einflüsse durch das Unwetter. Auf den Strecken Bad Soden – Niederhöchstadt und Rüsselsheim – Raunheim waren aufgrund von Bäumen im Gleis zeitweise keine Zugfahrten möglich. In Zeilsheim, Hofheim und zwischen Frankfurt-Höchst und Kriftel gebe es aktuell noch Einschränkungen. „Eine Prognose, wann die Strecken wieder befahrbar sind, ist derzeit noch nicht möglich“, hieß es.

In der Region Kassel waren die Auswirkungen von Sturmtief „Lambert“ am Freitagvormittag insbesondere im Bahnverkehr des ÖPNV noch spürbar. Laut einer Sprecherin gab es im Gebiet des Nordhessischen Verkehrsverbundes noch vereinzelt gesperrte Bahnstrecken, Verspätungen und Zugausfälle. Bis zum Mittag sollten die meisten Störungen behoben sein, hieß es. Der Busverkehr laufe weitgehend planmäßig. Einschränkungen könne es kurzzeitig noch nach einem Hangrutsch im Schwalm-Eder-Kreis geben.

Ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport sagte, während des Unwetters sei wegen Gewitters am Flughafen am Donnerstag zweimal kurz der Abfertigungsbetrieb unterbrochen worden, um die Sicherheit der Arbeiter auf dem Vorfeld zu gewährleisten. Mit 130 von Ausfällen oder Annullierungen betroffenen Flügen wurde der Betrieb angesichts der etwa 1300 Starts und Landungen nur teilweise eingeschränkt. Aufgrund von Verzögerungen im Flugbetrieb durch das Unwetter erteilte die Hessische Luftaufsicht 20 Ausnahmegenehmigungen für Starts nach 23 Uhr.

Ein Lufthansa-Sprecher sagte, angesichts der Unwetterwarnungen habe die Airline einige Flüge auf hochfrequentierten innerdeutschen oder europäischen Strecken am Donnerstag gestrichen. Zahlen wurden nicht genannt. Am Freitagmorgen habe es nur noch vereinzelte Auswirkungen gegeben.

Vielerorts sind am Donnerstag aufgrund des Unwetters Bäume umgestürzt und Äste abgebrochen - so wie hier in Kelsterbach nahe Frankfurt.

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein und Innenminister Peter Beuth (beide CDU) dankten am Freitag den Tausenden Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst, die Sturmschäden beseitigt und Hilfe geleistet hatten. „Wir sind heute einfach nur froh, dass bei den Unwettern offenbar kein Mensch in Hessen lebensgefährlich zu Schaden gekommen ist“, betonten Rhein und Beuth laut Mitteilung. Beide sprachen von einer „sehr herausfordernden Unwetterlage“. In zahlreichen Regionen Hessens seien die Menschen hart von den Unwettern getroffen worden.

Landesregierung dankt Einsatzkräften in Hessen für Unwetter-Hilfe

Alleine zwischen 16 und 22 Uhr seien am Donnerstag bei der Integrierten Leitstelle für die Stadt und den Landkreis Kassel mehr als 1100 Notrufe eingegangen, teilte das Innenministerium mit. Rund 900 Einsätze etwa zur Beseitigung umgestürzter Bäume und Hilfe bei vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen habe es gegeben. Auch am Freitag dauerten die Aufräumarbeiten an.

Sturmböen hatten dicke Äste von Bäumen gerissen und Dächer abgedeckt. Hinzu kamen erhebliche Regenmengen. Am höchsten war die Niederschlagsmenge in Wolfhagen bei Kassel, wo pro Quadratmeter 62 Liter Regen fielen, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitag. Ebenfalls 62 Liter pro Quadratmeter fielen in Battenberg nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. In Wesertal nahe der Grenze zu Niedersachsen waren es 58 Liter.

Der Raum Kassel war am Donnerstag am stärksten vom Unwetter betroffen.

Im Vergleich zur Regenmenge von 102 Litern pro Quadratmeter, die innerhalb von 24 Stunden im nordrhein-westfälischen Sassendorf verzeichnet waren, mögen diese Zahlen zwar gering scheinen. Allerdings: Im Juni 2022 fielen in Hessen durchschnittlich 45 Liter pro Quadratmeter während des gesamten Monats. Im langjährigen Mittel wären als hessischer Monatswert 80 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zu erwarten gewesen.

Tornado in Hessen? Wetterdienst muss Aufnahmen prüfen

Ob es etwa in Hattersheim oder im Kreis Waldeck während des Unwetters auch zu einem Tornado kam, wird nach DWD-Angaben noch geprüft. Die Wetterlage sei für die Bildung eines Tornados zwar durchaus geeignet gewesen, sagte die Sprecherin. Für eine Einordnung müssten aber Bilder oder Aufnahmen etwa des typischen „Rüssels“ des Windwirbels vorliegen.

Die Region Fulda ist am Donnerstag im Vergleich zu anderen Teilen Hessens glimpflich davongekommen. (dpa, lio)

Rubriklistenbild: © Jonas Kießling/dpa

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