Parallelen und Unterschiede

1994 Sanierung - 2023 neue Parks: Die Fuldaer Landesgartenschauen im direkten Vergleich

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Fulda war bereits 1994 Ausrichter der ersten Hessischen Landesgartenschau (LGS) und ist die einzige Stadt, die eine zweite Gartenschau ausrichtet. Trotz einiger Parallelen gibt es in den Konzepten ganz unterschiedliche Ansätze.

Fulda - „1994 hatten wir mit Blick auf die Stadtentwicklung, die durch die Landesgartenschau vorangetrieben werden sollte, eine Sanierung. In diesem Jahr liegt der Fokus darauf, neue Areale zu erschließen“, so fassen die Geschäftsführer Marcus Schlag und Ulrich Schmidt den wesentlichen Unterschied der beiden Gartenschauen zusammen.

Fulda: Landesgartenschauen von 1994 und 2023 im Vergleich

Will heißen: Vor 29 Jahren lag der Schwerpunkt auf Innenstadt, Schlosspark, Tränke und den angrenzenden Bereichen in den renaturierten Fuldaauen und rund um den alten Schlachthof, in dem die Blumenschauen stattfanden. Insgesamt seien die Projekte, zu denen auch der erst kurz vor der Schau eröffnete Tunnel in der Weimarer Straße und der Friedhof am Frauenberg gehörten, kleinteiliger gewesen.

Die Entwicklung ist bis heute dennoch sichtbar. Auch wenn aktuell der Schlossgarten erneut saniert wird, „so haben wir damals deutliche Akzente in der grünen Lunge Fuldas gesetzt und die Stadtplanung auf den Stadtkern und die Ränder in den Auen gelegt“, erinnert sich LGS-Pressesprecherin Patricia Bickert, die 1994 schon in der Öffentlichkeitsarbeit tätig war. Als Beispiel nennt sie neben dem Schlossgarten den Garten in der Domdechanei. „Stolz waren wir auch darauf, dass wir den Garten im Stift Wallenstein, der sonst für die Öffentlichkeit verborgen war, zugänglich und den Dahliengarten bekannter machen konnten“, sagt Bickert.

2023 steht bei der Landesgartenschau die Entwicklung eines neuen Naherholungsgebietes samt Wegeverbindungen im Fokus – hier der KulturGarten.

Sichtbar bis heute ist ebenfalls die Entwicklung der Tränke, „wo wir Hausgärten direkt am Objekt zeigen wollten und konnten“, berichtet Bickert. Freilich hätten die Hausbesitzer zustimmen und zunächst in die Finanzierung gehen müssen. Aber dafür habe es auch Fördermittel gegeben. „Wir hatten 1994 zudem das große Glück, dass die Wiesenmühle saniert wurde.“ Somit habe der Anschluss an die Auen gut funktioniert, wo mit Klettergerüst und Fuldas erstem Wasserspielplatz neue Spielmöglichkeiten geschaffen wurden.

Die Zahlen

1,2 Millionen Besucher wurden 1994 auf der Landesgartenschau gezählt, wenn man die Mehrfachbesuche der 15.000 Dauerkartenbesitzer einrechnet. „Diese Zahl werden wir in diesem Jahr nicht erreichen, da machen wir uns keine Illusion“, sagt LGS-Geschäftsführer Ulrich Schmidt und verweist darauf, dass die Situation damals eine deutlich andere gewesen sei.

„1994 hatten wir die erste LGS in Hessen, die Grenzen waren gerade viereinhalb Jahre vorher aufgegangen und in Thüringen gab es noch gar keine Gartenschau. Allein in diesem Jahr haben wir die Bundesgartenschau in Mannheim und Schauen in Höxter, Bad Gandersheim, Freyungen und Balingen.“

Die Zahlen wollen die Fuldaer eher mit anderen Hessischen Schauen vergleichen – auch wenn Vergleiche immer hinkten. „Und da haben wir ein gutes Ergebnis, mit dem wir zufrieden sind“, sagt Schmidt. Bis Freitag, 30. Juni wurden rund 235.000 Besucher gezählt, mit 500.000 bis 600.000 wird gerechnet. Die Zahl der verkauften Dauerkarten liegt bei knapp 24.000.

Auf dem Floß des Wasserspielplatzes gingen 1994 die Honoratioren baden, weil sie zu schwer für die Konstruktion waren. Und damit waren sie nicht allein. Unvergessen sei für Ulrich Schmidt, der vor 29 Jahren mit der Firma Garten- und Landschaftsbau auf der LGS arbeitete, gewesen, als der Bauleiter in der Eile zum Feuerwehrmuseum mit dem Rad gefahren und dort in den Teich gefallen sei, der heute am GenussGarten liegt. „Ein Kollege sprang hinterher, um ihm zu helfen, aber wirklich tief war das Wasser nicht. Wir haben von der Planertaufe gesprochen“, lacht Schmidt.

Fotostrecke: Farbenfrohes „Blumentheater“ im GenussGarten

Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch
Bluementheater GenussGarten
Im „Blumentheater“ wollen die Aussteller die Kultur in und um Fulda sowie die Aspekte Klang und Licht in den Mittelpunkt setzen. © Max Wenisch

Aber schon damals mussten die Organisatoren lernen, dass manches an einer Gartenschau nicht planbar ist, trotz eines fast 15-jährigen Vorlaufs seit der Entscheidung für eine Landesgartenschau. Einst stand das Gelände am Feuerwehrmuseum bis kurz vor der Eröffnung unter Wasser, dieses Mal erschwerte die Nässe das Verlegen des Rollrasens im Jungen Garten. „Rollrasen hatten wir damals schon, da war er aber noch eine kleine Sensation“, erklärt Schmidt.

Erfahrungen und Lehren

• In Fulda zehren die LGS-Verantwortlichen nicht nur von 1994, sondern auch von Gartenschauen in anderen Städten. „1994 mussten wir Vegetationsphasen austesten, dafür hatten wir damals ein ganzes Jahr mehr Zeit. Aber wir profitieren von den Erfahrungen“, berichtet Ulrich Schmidt.

• Bewährt habe sich nicht nur die Zusammenarbeit mit regionalen Garten- und Landschaftsbauern, sondern auch mit lokalen Partnern im Catering. Sind heute Nelles, Kolping, antonius und das DRK auf der Fläche aktiv, so sorgten 1994 Zuspann und die Metzgerei Müller für die Kulinarik.

• In diesem Jahr hatten die Planer angesichts des Themas (Rad-) Verkehr schon mehr Fahrradständer vorgesehen als vor 29 Jahren. Wie Marcus Schlag berichtet, sei hier noch einmal nachgelegt worden, weil die Anreise per Fahrrad doch deutlich ausgeprägter sei als zunächst gedacht.

• Schon 1994 gab es trotz der Flächen in der Innenstadt Diskussionen um die Einbindung des Handels, bei der jetzt nachgebessert wurde.

• Wenngleich es auch in diesem Jahr Pläne auf Papier gab, setzen die LGS-Macher stärker auf digitale Pläne und Angebote. 1994 seien kartonweise Druckerzeugnisse übrig geblieben.

In diesem Jahr sollte es noch eine Parallele geben: Mit dem Schlachthof wurde 1994 eine Industriebrache deutlich aufgewertet. Dieses Mal hatten die Planer das einstige Dura-Gelände im Auge. Dort die Barrierefreiheit herzustellen, sei jedoch nicht möglich gewesen – zumindest nicht in einem finanziell vertretbaren Rahmen –, sagt Schmidt. Somit erhielt Fulda die Erlaubnis, den heutigen GenussGarten mit der Auenbühne in das Gelände zu integrieren, weil hier keine investiven Maßnahmen vorgesehen waren.

Wegen der nicht erlaubten Doppelförderung musste dies genehmigt werden. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. „Jetzt knüpfen wir mit unseren Flächen an jene von damals an – verbinden diese also miteinander“, sagt Marcus Schlag. Somit passe das Motto „Fulda verbindet“ auch hier sehr gut. Immerhin erfolgt die Anbindung der Fulda-Galerie über Sonnen- und KulturGarten und die 1994 hergestellten Auen an die Innenstadt – auch mit neuen Rad- und Fußwegebeziehungen, Brücken und Spielanlagen. Zudem finden sich einige Elemente wider in ähnlichen Ideen wider – etwa die Klangoase.

Rubriklistenbild: © LGS/Arnulf Müller

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