„Wir brauchen anhaltenden Landregen“: Wetterexperte sieht Verschärfung der Trockenheit in der Region
VonEkkehard Maass
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Die Regenmenge stimmt – doch der Boden bleibt trocken. Wetterexperte Kai Neumann über die besondere Wetterlage in diesem Jahr.
Hann.Münden - „Wir brauchen lang anhaltenden, gleichmäßigen Regen, Landregen und keine Schauer und Gewitter“, sagt unser regionaler Wetterexperte Kai Neumann. Er betreibt seit 1997 eine Wetterstation im Staufenberger Ortsteil Landwehrhagen. Statistisch gesehen sei bis Ende April ausreichend Niederschlag gefallen, sagte er mit Blick auf die Daten seiner Station zum Thema Trockenheit. Aber die Verteilung sei nicht gut gewesen. Der Regen sei in der falschen Form gefallen. Häufig zu schnell und zu stark und habe die Böden nicht durchfeuchten können. „Zu viel an wenigen Tagen und an vielen Tagen nichts.“ Dies sei das Besondere an der Wettersituation in diesem Jahr. Zudem sei es ein sehr sonnenreiches Frühjahr gewesen. Die stärkere Verdunstung könne durch solche Niederschläge nicht ausgeglichen werden.
Regenbogen bei Lippoldshausen: Im Mai sind in der Region bis zum Wochenanfang 39,4 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Die durchschnittliche Monatsmenge beträgt nach Angaben unseres Wetterexperten Kai Neumann 69,6 Liter. Es fehlen also noch gut 30 Liter. Für heute sind Schauer angekündigt.
Wetterexperte sieht eine Verschärfung der Trockenheit in oberen Bodenschichten
Das Jahr, so Neumann, habe mit einem zu feuchten Januar begonnen. Ab Februar sei es zu einer grundlegenden Veränderung der längerfristigen Wetterlagen gekommen. „Erstmals seit mehr als zwei Jahren beherrschten wochenlange Hochdrucklagen unser Wetter und die Monate Februar und März waren viel zu trocken und gleichzeitig schien die Sonne erheblich länger als gewöhnlich. Dieses Muster setzte sich mit einer fast durchweg sonnigen und trockenen ersten Aprilhälfte weiter fort und verschärften die Trockenheit in den oberen Bodenschichten weiter“, berichtet Neumann. Dann sei es am 15., 23. und 24. April an der Station in Landwehrhagen zu drei Tagen mit intensiven Regenfällen und einer Tagessumme (Niederschlagsmenge innerhalb von 24 Stunden) von jeweils über 20 Litern je Quadratmeter gekommen, die bisher in einem April seit 1997 noch nie erreicht worden seien.
Damit sei der April am Ende nicht nur der feuchteste April seit 1997 gewesen, sondern habe auch das bis dahin aufgelaufene Niederschlagsdefizit des Jahres mehr als ausgeglichen. Zum 30. April habe sich die Jahressumme auf 163,9 Liter je Quadratmeter summiert, der „Normalwert“ liege bei 154,4 Liter je Quadratmeter. „Statistisch kann damit von Trockenheit gar keine Rede sein. Allerdings dürften Landwirte zu einer anderen Einschätzung kommen, da die Niederschlagsverteilung alles andere als gewöhnlich ausfiel“, beschreibt Neumann die besondere Situation. „Gerade die kurzzeitigen Starkregenfälle am 15. und 23. fließen oberflächlich ab und können kaum zu einer nachhaltigen Durchfeuchtung des Bodens führen.“
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Verstärkt werde dieses Bild durch die Zahl der Tage mit messbarem Niederschlag seit Anfang Februar. Langjährig seien in den Monaten Februar, März und April 40 Tage zu erwarten, in diesem Jahr seien es bisher nur 22 gewesen.
Bis zum Monatsdurchschnitt fehlen noch gut 30 Liter Niederschlag
Für Trockenheit spiele aber nicht nur der Regen, sondern auch die Verdunstung eine wichtige Rolle und hierbei komme der Sonnenscheindauer eine bedeutende Rolle zu, so Neumann. „Und hier zeigt das Jahr 2025 – zur Freude aller Betreiber von Solaranlagen – ein ganz besonderes Bild: Der Sonnenscheinüberschuss der ersten vier Monate beträgt 226 Stunden.“ Bis dahin sei das Jahr 2025 das sonnenscheinreichste seit 1997 gewesen.
Vor diesem Hintergrund kommt Neumann zu dem Schluss: „Daher sollten wir bei der Beantwortung der Frage: ,Trockenheit ja oder nein?´ aktuell nicht so sehr auf die gemessene Menge, sondern eher auf die Einschätzung der wirklichen Experten, der Land- und Forstwirte bauen.“
Im Mai sind an der Wetterstation in Landwehrhagen bis zum Wochenanfang 39,4 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Die durchschnittliche Monatsmenge betrage 69,6 Liter, so Neumann. Es fehlten also noch gut 30 Liter. Aber Neumann rechnet angesichts der Wetterlage damit, dass sich das Niederschlagsdefizit auf etwa 75 Prozent der normalen Menge reduzieren werde. Damit bleibe der Monat aber immer noch zu trocken.
In der Region Göttingen sind Landwirtschaft und Forst noch entspannt, was die Trockenheit anbelangt.
Wetterexperte Kai Neumann
Prof. Dr. Kai Neumann (59) beobachtet seit Jahren für unsere Zeitung das Wetter in der Region. Er ist Hobby-Meteorologe, betreibt aber in Staufenberg eine professionelle Wetterstation, die Daten für einen privaten Wetterdienst liefert. Beruflich ist der 59-jährige Wirtschaftswissenschaftler und lehrt an der Hochschule Wismar Rechnungswesen und Controlling. Für das Wetter interessierte sich der an der Nordseeküste aufgewachsene Neumann schon als Schüler und sammelte für den Deutschen Wetterdienst Daten. Kai Neumann ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.