Buchmesse

Von Menschenschlangen und Bücherwürmern auf der Frankfurter Buchmesse

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Auf der Frankfurter Buchmesse herrscht am Samstag Hochbetrieb. Viele wollen eine Signatur, einige einfach nur Platz zum Laufen. Besonders in Halle 3.0 sind starke Nerven gefragt.

Frankfurt - Diese Geschichte über die Frankfurter Buchmesse beginnt am Samstag in aller Früh. Denn nur der frühe Vogel fängt den Bücherwurm. Und von denen gibt es gleich nach der Öffnung der Tore bereits eine ganze Menge in den verschiedenen Messehallen.

Anfänglich verteilen sich die Besucherströme natürlich noch und das Durchkommen zum eigenen Ziel fällt nicht allzu schwer – bis man zu Halle 3.0 kommt. Dort steht schon kurz nach 9 Uhr eine so lange Schlange, dass man denken könnte, William Shakespeare, Agatha Christie oder Stephen King persönlich seien zum Signieren anwesend (Ja, zwei könnten gar nicht mehr ihre Unterschrift leisten – aber Sie verstehen, worum es in der Aufzählung geht). Wer der Schlange bis zu ihrem Ziel folgt, merkt jedoch, dass es hier gar nicht ums Signieren geht. Die Menschen stehen an, um sich Bücher zu kaufen. In der Regel jene von Autorin Jane S. Wonda, die sich mit dem Wondaversum einen ganzen Vertriebszweig aufgebaut hat. Zu lesen gibt es Dark Romance, romantische Thriller, Erotik, Reverse Harem (eine Frau, viele Männer) und Bully Romance.

Darf ich kurz mal durch? Am Samstag gab es nur wenige Bereiche, in denen man mal schneller vorwärts kam.

Frankfurter Buchmesse: Halle 3.0 scheint der reine Irrsinn zu sein

Eine, die in der wirklich langen Schlange geduldig wartet, ist Nora aus Bayern. Die junge Frau ist zum ersten Mal auf der Buchmesse und steht an, weil es die beiden Bücher, die sie sich kaufen möchte, dort im exklusiven Farbschnitt gibt. Das ist eine „farbige Veredelung von Papierkanten“, weiß das Internet. Da stellt man wohl nicht mehr den Buchrücken ins Regal, sondern die Vorderseite. Ob sie sich noch fürs Signieren anstellt, weiß Nora nicht. Und tatsächlich, die Verkaufsschlange wird von der Signierschlange gekreuzt, die nicht minder lang zu sein scheint. Halle 3.0 scheint der reine Irrsinn zu sein, also bleiben wir doch etwas länger.

Kurzes Durchatmen im Außenbereich der Messe.

Nachdem wir uns ein paar Meter vorgekämpft haben, sagt endlich ein junge Frau im Vorbeigehen die Wahrheit: „Es ist so voll.“ Danke. Im Gang B findet sich auf beiden Seiten der Rowohlt-Verlag. Hibbdebach und Dribbdebach sozusagen, nur das der Fluss eine nicht endenwollende Flut von Menschen ist. Der Verlag jedenfalls hat in diesem Jahr ordentlich abgeräumt. Tonio Schachinger hat den Deutschen Buchpreis bekommen. Dazu gibt es im Portfolio noch ein Buch der Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi und vom Norweger Jon Fosse, der in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde. Vor lauter Schildern mit Hinweisen auf die ausgezeichneten Künstler:innen sieht man fast den Stand nicht mehr.

In manchen Gängen auf der Buchmesse ist kein Durchkommen

Nach einem kurzen Intermezzo in Halle 3.1 geht es zurück in die 3.0. Masochist, höre ich Sie jetzt sagen und erwidere: Nein, Journalist (wobei böse Zungen behaupten, dies wären Synonyme). Jedenfalls ist jetzt in manchen Gängen gar kein Durchkommen mehr. Überall Warteschlangen für Autorinnen und Autoren, die nur eingefleischte Fans kennen. Eine Frau mit Schild steht mitten im Weg. Das Schild verrät, dass man das Ende der Schlange für die Signierstunde des S. Fischer Verlags erreicht hat. Die Menschen hier stehen für Arno Strobel an, was die Schlange aber nur länger werden lässt. Jetzt reicht es endgültig, also wird auf Trick 17 zurückgegriffen: Wer ganz außen an der Hallenwand langläuft, hat richtig viel Platz. Dort gibt es keine Stände, nur andere Menschen, die erleichtert scheinen, mal kurz verschnaufen zu können.

Die junge Fanin hat es zu Sebastian Fitzek geschafft.

Dort stehen auch Michael aus Mainz und Johanne aus Darmstadt. Die beiden symbolisieren einen tollen Kontrast: Er ist zum ersten Mal da, sie zum „achten oder neunten Mal“. Michael ist Fantasy-Fan und hat heute bereits ein Buch von Tolkien erworben. Johanne mag Fantasy, historische Romane und Krimis. Sie hat „Der Fluch von Düsterstein“ erworben und wie sie so zahlte, steht Autorin Jenny Rubus neben ihr und signiert das Exemplar gleich – ganz ohne Warteschlange. Die junge Darmstädterin ist sich sicher, dass es in diesem Jahr noch voller ist, vielleicht wegen der Jubiläumsausgabe (75. Buchmesse). Vielleicht müsse man mal mischen und nicht alle Verlage mit Signierstunde in die 3.0 stecken, sinniert sie.

Gegen 13 Uhr beginnt Starautor Sebastian Fitzek mit seinem Signiermarathon

Zumindest in Halle 4.1 gibt es ja einen Bereich, der nur für das Treffen mit dem Lieblingsautor respektive -autorin gedacht ist. Selbst Verona Pooth kritzelt dort fleißig ihr Signum in die Bücher, dann und wann unterbrochen von ihrem Stylist, der ihr die Haare richtet. Melanie, Sarah und Julia kommen gerade fröhlich aus dem Signierbereich. Nicht nur, weil sie kein Autogramm von Verona haben, sondern auch weil sie eines von Gabriella Santos de Lima und sogar Selfies mit ihr bekommen haben. Die drei Österreicherinnen haben um das Zeitfenster für die Signierstunde hart gerungen. Kurz nach Mitternacht waren sie damals online und hätten Glück gehabt. In zwei Stunden kommen sie wieder. Für ein Treffen mit Ayla Dade.

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Gegen 13 Uhr beginnt Starautor Sebastian Fitzek mit seinem Signiermarathon. Natürlich wieder in Halle 3.0. Die Schlange geht bis ins Freie und misst alleine da gute 300 Meter. Wie schön, wenn man nur zugucken kann. (Steven Micksch)

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Rubriklistenbild: © Monika Müller

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